Passende Strategien aus der „Lockdown-Falle“

Jahresempfang der Traunsteiner Grünen: Geschäftsleute diskutieren mit Claudia Roth

Über passende Lösungsstrategien für langfristige Öffnungsszenarien auch in der Pandemie diskutierten Geschäftsleute, Selbstständige und Interessierte beim virtuellen Jahresempfang der Traunsteiner Grünen. Ehrengast war die Bundestags-Vizepräsidentin und Grünen-Abgeordnete Claudia Roth.
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Über passende Lösungsstrategien für langfristige Öffnungsszenarien auch in der Pandemie diskutierten Geschäftsleute, Selbstständige und Interessierte beim virtuellen Jahresempfang der Traunsteiner Grünen. Ehrengast war die Bundestags-Vizepräsidentin und Grünen-Abgeordnete Claudia Roth.

Über das Thema „Perspektiven nach dem Lockdown“ diskutierten die Traunsteiner Grünen und Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth auf dem Jahresempfang mit Selbstständigen aus verschiedenen Branchen.

Traunstein - Ganz im Zeichen der Pandemie stand in diesem Jahr der Jahresempfang der Traunsteiner Grünen am Dienstagabend, den 2. März, mit Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth. Statt mit einer persönlichen Begrüßung im Sailer Keller war das Treffen der rund 50 Teilnehmer mit der Grünen-Bundestagsabgeordneten diesmal virtuell als Online-Diskussion organisiert. Breiten Raum nahm dabei die Auseinandersetzung mit Selbstständigen aus verschiedenen Branchen zum Thema „Perspektiven nach dem Lockdown“ ein. 

Statt sich von einer Totalschließung zur Nächsten zu hangeln, brauche es jetzt endlich langfristige Lösungen der Bundesregierung „mit praktikablen Teilstrategien und kleinräumigen Lösungen“, um ein halbwegs normales Leben mit Covid-19 zu ermöglichen, leitete Wolfgang Wörner, Ortssprecher der Traunsteiner Grünen, das Treffen ein.  

Claudia Roth, die bereits seit 2008 regelmäßig als Ehrengast nach Traunstein kommt, setzte sich in einem leidenschaftlichen Plädoyer für „mehr parlamentarische Debattenkultur mit transparenten Entscheidungen“ im Ringen zwischen Gesundheitsschutz und Bürgerrechten ein. Mit Blick auf „fragwürdige Maskendeals“ von Abgeordneten, gesellschaftliche Verwerfungen und Spaltungen durch die Pandemie, das Erstarken autokratischer Systeme und die Folgen der globalen Klimakrise brauche es „starke Verteidiger der Demokratie“ und eine „Gesellschaft der Vielfalt“. Ebenso seien Kunst und Kultur unverzichtbare „Grundnahrungsmittel unserer Demokratie“.

Moderiert von Martina Wenta schilderten im Anschluss Geschäftsleute und Selbstständige aus Traunstein ihre Situation während des Lockdowns. Gastwirt Rudi Zeif forderte dringend einen „Zeitrahmen für Öffnungsperspektiven“ gerade auch mit Blick auf starke finanzielle Einbußen der Mitarbeiter. Hilfreich sei eine dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen.

Michael Adler, der einen Teeladen und ein Onlinegeschäft betreibt, merkte an, dass „jeder Kleinunternehmer ein besseres Schutz- und Hygienekonzept als die Regierung“ habe. Unverständlich sei, warum man in Salzburg in jeder Apotheke Schnelltests bekomme und in Deutschland nicht. Mit diesen sowie einem QR-Code-System zur Besuchererfassung in jedem Geschäft ließen sich aus seiner Sicht „langfristige Öffnungsperspektiven“ entwickeln.

„Die Kapitaldecke als finanzielle Reserve ist weg, jetzt geht es an unser Privatvermögen, das sind nicht gerade beruhigende Zukunftsaussichten“, berichtete Heidi Aiblinger, Friseurmeisterin mit eigenem Geschäft und 15 Mitarbeitern, nach dem zweiten Lockdown. Wichtig sei ihr der „Respekt vor unserer Arbeit“. Seit zwei Tagen dürfe sie „endlich wieder Leute glücklich machen“.

Die „fehlende Wertschätzung und öffentliche Wahrnehmung der Arbeit“ brachte Valentin Rausch, Physiotherapeut, Sportler und Jugendtrainer zum Ausdruck. Er bekomme jeden Tag die starke Verunsicherung der Patienten und den hohen Wert sozialer Kontakte mit. „Wegbrechende Mitgliederzahlen bei unseren Chören“ befürchtete Stephan Hadulla, Chorleiter und Musiker, durch die lange Zwangspause beim Stimmtraining. „Gerade kulturell dürfte vieles auf der Strecke bleiben.“

Vom anfänglichen Ausfall sechsstelliger Umsätze und dem „deutlich angezogenen Trend zu Online-Trainings und hybrider Führung“ berichtete Rüdiger Funk, Berater und Moderator bei Personalentwicklungsfragen. Die plötzliche Umstellung auf Online-Konzepte habe „enormen Kraftaufwand“ erfordert, sei jetzt aber zukunftsweisend.

Hilfen für den örtlichen Einzelhandel und die Wirksamkeit von Gutscheinaktionen bildeten einen Schwerpunkt in der Diskussion. „Wenn es nur großen Discountern nützt, halte ich nichts davon“, bemerkte Michael Adler. Ein Stufenplan mit langfristigen Öffnungsszenarien, funktionierenden Apps und differenzierten Regionalstrategien, eine besser abgestimmte Impfstrategie und mehr Schnelltests lauteten die Forderungen an die Bundesregierung, um aus der „Lockdown-Falle“ zu kommen. 

Ebenso rege diskutiert wurde über Mehrfachbelastungen für die Familien durch die Pandemie, die Einführung eines „Künstlergelds“ und die Folgen wegbrechender Kulturetats, fehlende Lobbyarbeit für Öffnungsszenarien im Breitensport und die Notwendigkeit zur Erforschung langfristiger Covid-19-Folgen.

xe

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