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Traunsteiner Hausärztin über Corona-Chaos

Volle Arztpraxen, kein Impfstoff und Booster-Impfung erst ab Januar? So kommt man zur dritten Spritze

Eva Greipel Traunstein Allgemeinmedizinerin Hausärzte Corona Impfung Auffrischung Boosterimpfung
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Die Allgemeinmedizinerin Eva Greipel ist stellvertretende Bezirksvorsitzende für Oberbayern des Bayerischen Hausärzteverbandes. Die Hausarztpraxen in der Region kämpfen derzeit an mehreren Fronten - und halten die Corona-Impfkampagne mit am Laufen.

Corona, Grippe und dazu „normale“ Kranke behandeln. Die Hausärzte rotieren unter der Mehrarbeit in der Corona-Pandemie. Soll ich mich jetzt als junger, gesunder Mensch zur Aufrischungsimpfung beim Hausarzt anmelden?

Traunstein - „Vollkommen überlaufen trifft es eher“, antwortet Eva Greipel, Fachärztin für Allgemeinmedizin, auf die Frage, wie denn derzeit die Situation in den Hausarztpraxen in Oberbayern sei. Von Praxis zu Praxis kann es zwar unterschiedlich sein, „aber insgesamt ist die Belastung sehr hoch“.

Hausärzte in der Region am Limit

Im Moment kommen in den Hausarztpraxen die Erkältungszeit, die Behandlung „normaler“ Kranker, die Corona-Impfung und die zusätzliche Belastung durch die überfüllten Krankenhäuser zusammen. Die Kliniken bitten darum, „dass man möglichst keinen, der nicht den Kopf unter dem Arm hat, ins Krankenhaus schickt. Da hat man ambulant mehr Patienten, die man sonst lieber ins Krankenhaus geschickt hätte“, so Greipel.

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Und dann sind da die Corona-Impfungen. Im Sommer habe man die Impftermine noch gut planen können, aber seit gut einem Monat steht das Telefon bei der Hausärztin nicht mehr still. Gerade die Organisation der Auffrischungsimpfungen koste viel Zeit. „Die Medizinischen Fachangestellten sind am Telefon nur noch am Erklären: Warum kann man das nicht morgen machen, sondern vielleicht erst in vier Wochen? Die sind sehr eingespannt. Da leiden wiederum andere darunter, die telefonisch nicht durchkommen. Die Patienten melden sich dann teilweise per E-Mail“, erklärt Greipel.

Nachfrage größer als Angebot: Hausärzte priorisieren bei Booster-Impfung

Neben den Booster-Impfungen kommt es auch vermehrt zu Erstimpfungen, so Greipel. Die Nachfrage sei wieder größer. Viele Patienten wollen mit dem Impfstoff von Biontech geimpft werden, doch „unsere Lieferungen wurden jetzt wieder kontingentiert. Erst haben wir nur 30 Dosen in der Woche bekommen, jetzt immerhin 48. Die Begrenzung ist nicht hilfreich. Die Impfzentren hingegen bekommen sehr, sehr viel mehr Dosen als die niedergelassenen Ärzte. Aber das ist politisch so entschieden worden“, so Greipel.

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Für die Hausärzte heißt es deswegen bei den Booster-Impfungen: Auswählen. „Wir priorisieren. Die nach der veralteten StiKo-Empfehlung am ehesten gefährdet sind, werden zuerst geboostert. Die über 70-Jährigen, die Pflegeheimbewohner und Menschen mit Immunerkrankungen. Dann arbeiten wir uns langsam vor auf die über 60-Jährigen mit Begleiterkrankungen“, erklärt Greipel.

Ich bin jung und gesund - Wann und wo kriege ich die Booster-Impfung?

Und was ist, wenn ein 25-Jähriger ohne Vorerkrankungen anruft und eine Booster-Impfung möchte? „Wenn sich Personen melden, die keine hohe Priorität haben, dann sagen wir, ja, im Januar. Früher wird es nichts“, so Greipel. Bei den meisten reiche es vier bis sechs Monate nach der Zweitimpfung zu boostern. Das sei auch realistisch aus Sicht der Impfdosenmengen, die zur Verfügung stehen und der Terminplanung. Denn „die Impfungen müssen ja irgendwann durchgeführt werden. Dabei fällt dann dafür ein Tag Sprechstunde weg. Den haben wir eigentlich gerade dringend nötig, weil wir ja die Infektwelle und alles andere auch noch bewältigen müssen.“

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Für die Hausarztpraxen wäre es deswegen leichter, „wenn die gesunden, fitten Leute in Kauf nehmen, sich beim Impfzentrum anzustellen. Es ist ganz klar der medizinische Nutzen da, wenn man sich nach vier Monaten boostern lässt. Die Antikörper-Konzentration im Blut lässt nach und mit einer Boosterimpfung kriegt man das wieder schön hoch. Aber diese Gruppe können wir im Moment aus Zeit- und Impfstoffdosen-Gründen noch nicht impfen“, so Greipel.

Ältere hingegen sollten die Hausarztpraxen aufsuchen. „Wenn Achtzigjährige drei Stunden vor dem Impfzentrum warten müssten, wäre das nicht gut. Die impfen wir.“

Booster-Impfung im Impfzentrum - Das gilt:

Die Ständige Impfkommission (StiKo) empfiehlt mittlerweile jedem Erwachsenen ab 18 Jahren eine dritte Corona-Impfung im Abstand von sechs Monaten nach der zweiten Impfung. In Einzelfällen oder bei genügend Kapazitäten ist der Booster auch nach fünf Monaten möglich. Die Auffrischung soll dem nachlassenden Immunschutz entgegenwirken. Durch den Booster können sich wieder mehr Antikörper gegen das Coronavirus bilden. Verwendet werden nur mRNA-Impfstoffe. Aus den Impfzentren heißt es: Die Auffrischungsimpfung kann ab fünf Monaten nach der zweiten Corona-Impfung vorgenommen werden. Eine Ausnahme ist der Impfstoff von Johnson&Johnson. Hier ist die Auffrischungsimpfung nach vier Wochen möglich.

Ist eine Antikörperbestimmung vor der Booster-Impfung sinnvoll?

Dazu schreibt das Robert-Koch-Institut (Stand: 25. November) „Fälschlicherweise nehmen viele Menschen an, dass bei hohem Antikörperspiegel nach der Grundimmunisierung gegen COVID-19 oder einer SARS-CoV-2-Infektion keine (Auffrisch-)Impfung verabreicht werden sollte. Das ist jedoch nicht korrekt.“ Ab welchem Wert ein ausreichender Schutz gegeben ist, ist nicht bekannt. Deswegen empfiehlt das RKI die Antikörperbestimmung nicht. „Sicherheitsbedenken für eine (Auffrisch-)Impfung bei noch bestehender Immunität gibt es nicht.“

Soll ich zur Grippeimpfung zum Hausarzt gehen?

Risikogruppen ab 60 oder Jüngere mit Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes oder etwa Lungenerkrankungen sollten sich auf jeden Fall gegen Grippe impfen lassen, so Greipel. „Anders als die Corona-Impfung geht das nebenher. Da rufen Sie heute an und kommen morgen zur Grippeimpfung, weil der Impfstoff viel leichter handhabbar ist. Der ist in der einzelnen Spritze. Da muss man nichts aufziehen oder verdünnen und nicht eine bestimmte Anzahl Leute beieinander haben, damit man so ein Fläschchen leer bekommt. Und ich empfehle es diesen Winter auch für alle Risikogruppen.“

Zur Person

Eva Greipel ist für Oberbayern stellvertretende Bezirksvorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin führt eine Hausarztpraxis in Haslach-Traunstein.

Eine Sache beschäftigt Greipel: Seit eineinhalb Jahren Pandemie fangen Medizinische Fachangestellte alles ab, was anfällt. Vom Abstrich über die Organisation bis zum „Telefonterror“ - die Mehrbelastung durch die Corona-Pandemie ist hoch. Was „beschämend“ ist? Die Angestellten haben bisher keinen Bonus vom Staat bekommen. Viele Hausärzte haben ihren Angestellten aus eigener Tasche Sonderzahlungen geleistet.

ce

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