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Mehr Verständnis für Menschen mit Behinderung

„Schau hin - und nicht immer nur weg“ - So will eine Truchtlachingerin wachrütteln

Bonnie Aigner aus Truchtlaching und ihr Hund Hund Gypsy
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Bonnie Aigner und ihre Australian-Shepherd-Hündin Gypsy. Die Truchtlachingerin leidet an einer angeborenen Gehbehinderung.

Sie kennt es nicht anders: Bonnie Aigner wurde mit einer angeborenen Gehbehinderung geboren. Deswegen ist sie aber keineswegs weniger lebensfroh als „gesunde“ Menschen ohne Behinderung. Wieso es ihr so wichtig ist, ihre Geschichte zu erzählen und was sie damit bezwecken will, erzählt die junge Truchtlachingerin im Gespräch mit chiemgau24.de.

Seeon-Seebruck - „Spina bifida“ ist eine Fehlbildung der Wirbelsäule und auch oft des Rückenmarks, die sich während der Schwangerschaft entwickelt. Bonnie kam mit offenem Rücken zur Welt, hat mehrere Operationen im Laufe ihres Lebens hinters sich und kann nun mit ihrer Behinderung ein einigermaßen unbeschwertes Leben führen.

„Auch wenn ich mein Leben lang auf Physiotherapie angewiesen sein werde und freilich auch körperlich eingeschränkt bin, dank einer Zehenbegradigung kann ich meinen Fuß inzwischen komplett nutzen. Ich brauche eben nur ein bisserl länger für alles und bin schneller erschöpft. Auch schwer tragen geht wegen der Rückennarbe nicht“, erzählt Bonnie, als wie sie in ihrem Heimatdorf Truchtlaching treffen. „Doch wenn ich etwas erreichen will, dann ziehe ich das auch durch.“

Einfach mal einen Tag lang den Alltag im Rollstuhl meistern - Führt das zu mehr Akzeptanz?

Vor uns steht eine selbstbewusste sportliche junge Frau, die gerne reitet, in die Berge geht, im Karate mehrere Pokale errungen hat und sonst häufig mit ihrem Hund in der Natur unterwegs ist. Durch das, was sie aufgrund ihrer Krankheit erlebt hat, kann sie alle Lebenssituationen - von Gehgips über Krücken bis hin zum Rollstuhl - nachvollziehen. Und zeigt daher Verständnis für Menschen mit Beeinträchtigung. Und genau das würde sie sich auch von anderen wünschen.

Denn Bonnie hat häufig das Gefühl, von der Gesellschaft nicht akzeptiert zu werden. „Viele sind unsicher, wie sie mit mir umgehen sollen, sobald sie merken, dass ich beeinträchtigt bin und eben nicht ‚normal wie sie‘. Ich glaube sogar, die Menschen interessieren sich gar nicht für jene, die nicht der ‚Norm‘ entsprechen“. Bonnie ist der Auffassung, das Verständnis vieler würde wachsen, wenn manche einfach mal einen Tag lang ihren Alltag im Rollstuhl meistern würden. „Einfach nur, um einmal zu sehen, wie das ist.“

„Menschen mit Behinderung sind genauso ein Teil der Gesellschaft“

Im Dorf kennt Bonnie jeder und Bonnie kennt jeden - echte Freundschaften aber hat sie nicht in ihrem Leben. Die Tiere sind ihre wahren Freunde, betont die 21-Jährige, während sie Gypsy einen Streichler gibt, den die Australian-Shepherd-Hündin mit einem treuen Blick erwidert. Seit neun Jahren ist der Vierbeiner an Bonnies Seite, gibt ihr neben ihrer Familie Rückhalt, Kraft und Auftrieb.

Helfen, das Bewusstsein für ihre und weitere Behinderungen zu schärfen soll eine neue Instagram-Seite. „Behinderung ist nicht schlimm“ heißt Bonnies Seite, auf der ihr Menschen schreiben können um ihre Geschichte zu erzählen. Die veröffentlicht die 21-Jährige dann in Form eines Steckbriefs. Bonnies Intuition hinter der Social-Media-Seite: „Menschen mit Behinderung müssen sich nicht schämen und sind genauso ein Teil der Gesellschaft wie Menschen ohne Behinderung auch.

Auf der Seite hat sie auch schon Bilder ihrer Narben und krummen Füße gepostet. „Einfach nur, dass auch so etwas einmal öffentlich gezeigt wird. Mir geht‘s dabei nicht um Reichweite oder Follower - es soll wachrütteln.“ Ein weiterer Vorteil für die 21-Jährige: „Seit ich so offen mit meiner Behinderung umgehe, kann ich auch selbst besser damit umgehen, fühle mich wohler.“

Und was ist das Ziel der Instagram-Seite? „Ich möchte den Leuten gezielt sagen: Schau hin - und nicht immer nur weg. Ich möchte Mut einreden, dass sie sich auch einmal für uns interessieren, auch wenn wir in einer gewissen Art und Weise beeinträchtigt sind“, lauten Bonnies Schlussworte.

mb

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