„Frei-statt-Bayern“

„Möchten unsere Freiheit wieder haben“ - Demo in Waging am See

Transparente wie diese zeigten auf, was die Menschen bewegte, die zur Kundgebung zu kommen.
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Transparente wie diese zeigten auf, was die Menschen bewegte, die zur Kundgebung zu kommen.

Zwischen 300 und 400 Personen versammelten sich am Donnerstagabend in Waging am See, um gegen die geltende Corona-Politik zu demonstrieren.

Waging am See - Die Bürger im Freistaat Bayern haben erlebt, wie angeordnet wurde, ob und wo man sich mit wem treffen darf. Sie haben erlebt, dass man sterbende Angehörige nicht mehr besuchen, nicht einmal mehr sehen durfte. Die Alten in den Pflegeheimen wurden isoliert, die Patienten in den Krankenhäusern auch. Sie haben gerade erlebt, wie Ostern und Weihnachten ihren Festcharakter verloren, weil strenge Kontaktregeln das gewohnte Feiern unmöglich gemacht haben. Diese und viele andere Maßnahmen, die mit dem Infektionsschutz begründet wurden, stießen und stoßen noch immer oft auf große Zustimmung. Dass besonders anfangs selten Widerspruch artikuliert wurde, mag daran gelegen haben, dass auch die Angst vor den Dimensionen und Folgen einer weithin unbekannten Viruserkrankung sehr präsent war. Die Bürger erleben, wie Grundrechte im Kampf gegen Covid-19 eingeschränkt werden. Wenn es um Corona-Prävention geht, erscheint vieles als geboten, als alternativlos, als absolut notwendig, bislang nicht ausreichend. Kurzum: Es herrscht Ausnahmezustand, ein Ausnahmezustand, der zunehmend große öffentliche Veranstaltungen und Debatten über die Einschränkung von Grundrechten und die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie mit sich bringt und damit kritischen Menschen zunehmend Gehör verleiht.

So geschehen am frühen Donnerstagabend in Waging auf dem Sepp- Daxenberger- Platz vor der Tourist-Info. Dort versammelten sich zwischen 300 und 400 Personen, um den zahlreichen Rednern zu lauschen, deren Ansprachen meist großen Anklang fanden, was sich am meist begeisterten Applaus ablesen ließ. Allerdings war deren Themenspektrum sehr weit gefasst und auch nicht unbedingt nur mit Corona in Verbindung zu bringen. Organisiert wurde die Corona-konforme Zusammenkunft von der Bewegung „TS-BGL für Selbstbestimmung und eine menschliche Zukunft“. Moderiert wurde sie von Georg Huber, dem früheren Inhaber des gleichnamigen Werkmarktes.

Widerstand gegen das Bauernsterben

In den Reihen der Redner befanden sich wachsame Demokraten und Besorgte, aber auch Vertreter der alternativen Landwirtschaft oder generelle Kritiker an der aktuell praktizierten Landwirtschaftspolitik im Land. So versuchte der Freilassinger Biobauer und frühere Grünen-Politiker Hias Kreuzeder, den Widerstand gegen das Bauernsterben, gegen die Zerstörung der Natur und das zunehmende Verschwinden der kleinen Läden und der kleinen Handwerksbetriebe anzufachen. Hias Kreuzeder ist einer, der aktiv Widerstand leistet gegen das, was er als Ungerechtigkeit empfindet. Er ist Biobauer, der die „alte bayerische Lebensweise schätzt“. So erinnerte Hias Kreuzeder an den Art. 153 der bayerischen Verfassung:

“Die selbständigen Kleinbetriebe und Mittelstandsbetriebe in Landwirtschaft, Handwerk, Handel, Gewerbe und Industrie sind in der Gesetzgebung und Verwaltung zu fördern und gegen Überlastung und Aufsaugung zu schützen…..“ Dagegen verstoße die CSU-Regierung seit Jahrzehnten „in verbrecherischer Weise“ „Die bayerischen Abgeordneten haben den Eid auf die Verfassung abgelegt, doch das Einzige was davon geblieben sei, seien die Farben weiß und blau.“ Daher ermunterte er die Anwesenden kritisch und mutig gegenüber allem zu bleiben, was von Oben angeordnet wird. „Was wir hier heute machen, machen wir, weil wir unsere Freiheit wieder haben möchten.“ Er machte damit klar, dass er den Untertanengeist vieler Bürger im Zeichen von Covid-19 für maßlos übertrieben hält und dass ein Infektionsschutzgesetz nicht das Grundgesetz und vor allem das darin verankerte Recht auf Freiheit nicht dauerhaft ersetzen darf. Das Beharren auf Grundprinzipien sei nicht pedantisch, sondern rechtsstaatlich. Die Grundrechte seien nicht verhandelbar. „Wir wollen frei leben: Frei- statt- Bayern“

Die Kundgebung in Waging zog viele Zuhörer an. Das Interesse war so groß, dass fast alle bis zum Schluss blieben.

Gesunde Lebensweise fördern

Dass Politiker Maß halten müssen und über die Verhältnismäßigkeit der Mittel nachdenken sollten, meinte Georg Planthaler. „Die Haupttodesursache ist doch unter anderem der Bewegungsmangel, die ungesunde Ernährung und der Lebensstil.“ Es gelte gerade, die gesunde Lebensweise zu fördern. Gesundheitsminister Jens Spahn habe jedoch nie öffentlich angemahnt, dass sich die Leute gesund ernähren und möglichst viel an der frischen Luft bewegen sollen. „Mit seinen Anordnungen zur Eindämmung der Pandemie schreibt er genau das Gegenteil vor.“ Georg Planthaler bezweifelte dann auch zum einen, dass es Corona-bedingt zu einer Übersterblichkeit gekommen sei und dass es zum anderen Sinn macht, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, „wenn man als Geimpfter dann noch immer infektiös sein kann“. Auch werde regelmäßig vor einer Überlastung der Intensivbetten gewarnt und Georg Planthaler behauptete dann, dass die Anzahl an Intensivbetten seit dem letzten Sommer um rund 6.000 zurückgegangen sei.

Herbert Buchner aus Siegsdorf zeigte sich sicher, dass Menschen infolge der Impfung bestimmter Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 gestorben sind. Er als Rentner wolle das Impfgeschenk der Regierung daher nicht annehmen, sagte er und betonte, dass es ein Recht auf Selbstbestimmung gebe und sich deshalb jeder für oder gegen eine Impfung entscheiden könne und dürfe. „Ist die Freiheit denn etwas, was man sich durch eine Impfung erst erkaufen muss?“, rügte er Pläne, zwischen Geimpften und Ungeimpften zu unterscheiden, das mit dem Konfliktthema einer „Impfpflicht durch die Hintertür“ einhergeht. „Man sollte sich doch vor der Impfung vom Hausarzt gut beraten lassen.“

„Impfschäden und Todesfälle“

Auf die am 4. März 2021 durch die „Europäische Datenbank gemeldeten Verdachtsfälle von Arzneimittelnebenwirkungen“ veröffentlichten Impfschäden und Todesfälle durch Impfungen in Europa gegen Sars-CoV-2 verwies dann Martin Bohleber. Durch die entsprechenden Angaben fühlten sich viele Anwesenden in ihrer Haltung bestätigt.

Auch Moderator Georg Huber trat als Redner mehrmals ans Mikrofon. Er äußerte seinen Unmut über die Corona-Maßnahmen und sprach von einem „großem Schmarrn“ und von Lügen. Termin-Shopping nannte er einen Witz. „Die kleinen Unternehmen, die kleinen Geschäfte sind die Leidtragenden.“ Jeder Unternehmer trage die Verantwortung für sich und seinen Betrieb selbst. Die zurzeit geltenden Maßnahmen führten völlig unverschuldet zur Vernichtung von Existenzen, mindestens aber zu Existenzängsten. Daher forderte er, dass den Ladenbesitzern wieder mehr Selbstbestimmungsrecht eingeräumt wird. „Die Großen dürfen ja auch alles verkaufen.“

Das Plakat bei der Protestaktion „TS-BGL für Selbstbestimmung“ verdeutlichte, um was es dem gleichnamigen Veranstalter geht.

„Schnelltests nicht wirklich aussagekräftig“

Die Lehrerin Maria Riedl erinnerte daran, dass nach den Osterferien eine Testpflicht für alle Lehrer und Schüler unabhängig von der Inzidenz gilt. Am Unterricht teilnehmen darf nur, wer ein negatives Testergebnis eines medizinischen Schnell- oder eines PCR-Tests sowie eines Selbsttests vorweisen kann. „Die Selbsttests müssen dann wohl in der Schule durchgeführt werden, voraussichtlich beaufsichtigt von den Lehrern.“

Die Schnelltests seien aber nicht wirklich aussagekräftig und sinnvoll, meinte sie. Sie sei medizinischer Laie und könne nicht beurteilen, ob die Kinder den Test dann auch richtig machen oder durch den Testvorgang einen gesundheitlichen Schaden erleiden, es könnte beispielsweise Nasenbluten oder eine allergische Reaktion auftreten. Bisher durfte sie aus den genannten Gründen nicht einmal ein Pflaster aufkleben. „Aber diese Tests darf ich überwachen?“ „Stets wird der Datenschutz ganz großgeschrieben, was aber ist, wenn ein Kind dann tatsächlich positiv ist? Müssen wir es dann in Einzelisolation stecken, bis die Eltern das Kind abholen?“ Eine solche Situation sei nicht gut für ein Kind, vermutlich werde es stigmatisiert.

„Bisher galt die Schulpflicht, die Bildung als höchstes Gut“

Die Schulen seien höchst wahrscheinlich keine Treiber der Infektion. „Bisher galt die Schulpflicht, die Bildung als höchstes Gut, das sollte auch so bleiben.“ Sie sei bereit, Verantwortung zu übernehmen und fühle sich mitverantwortlich für die geistige und körperliche Gesundheit ihrer Schüler. Es bestehe aber ein großes Risiko, dass eine ganze Generation massive und nicht heilbare Schäden erleidet. Es gehe nichts über Lernen in Gemeinschaft unter Anleitung, aber nicht unter den aktuellen Bedingungen: mit Abstand und Maske.

„Die Maske bedeutet eine Mehrbelastung, auch in psychischer Hinsicht, wie in einer Studie der Universität Witten/Herdecke festgestellt wurde.“ Niemand fordere dazu auf, zu prüfen, ob ein Kind tatsächlich den ganzen Vormittag lang eine Maske tragen kann. Die Lehrerin fragte sich deshalb, ob das stundenlange Maskentragen der Gesundheit wirklich zuträglich ist. Der Arbeitsschutz sehe nach einer Tragezeit von 75 Minuten eine 30-minütige Tragepause bei FFP2-Masken vor. „Ob das die Kinder, die solche Masken tragen, wissen, fragte sie, ehe sich noch weitere Redner zu Wort meldeten.

Viele Klagen über die wirtschaftlichen Folgen

Es wurden viele Klagen über die wirtschaftlichen Folgen vorgetragen, man betonte die Freiheit der Entscheidung und die unbekannten Gefahren und Nachteile für Kinder. Man merkte, dass die Aufklärung durch den Staat bei weitem noch nicht ausreicht, damit die Sorgen und Ängste kleiner werden oder verschwinden.

Gegen Ende der Veranstaltung meldete sich eine Besucherin, die von den Vortragenden wissen wolle, welche konkreten Lösungen sie haben, damit die Schulen ganz ohne Pflichttestungen den regulären Präsenzunterricht vornehmen können. Sie bat um Vorschläge. Diese Frage wurde abschließend nicht mehr beantwortet.

caruso

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