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Nach versuchtem Mord an Asylpatin in Wasserburg

Mithäftling in JVA Bernau erwürgt: Landgericht spricht Urteil über 28-Jährigen

Der Beschuldigte mit Dolmetscherin und seinem Anwalt Walter Holderle.
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Der Beschuldigte mit Dolmetscherin und seinem Anwalt Walter Holderle

Er wurde bereits wegen versuchten Mordes an einer jungen Wasserburgerin verurteilt und sitzt seitdem im Gefängnis - nun steht er wieder vor Gericht. Ein 28-Jähriger soll im Zustand der Schuldunfähigkeit in der JVA Bernau einen Mithäftling umgebracht haben. Die Tat hat er bereits gestanden.

Update, 15.17 Uhr - Mithäftling in JVA Bernau erwürgt: Landgericht spricht Urteil über 28-Jährigen

„Ich bin bereit ins Gefängnis zu gehen. Aber in eine Klinik gehe ich nicht. Ich bin nicht krank“, lauteten die „letzten Worte“ des Beschuldigten vor dem Traunsteiner Landgericht. Dieser Wunsch bleibt unerfüllt. Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs urteilt, dass der 28-jährige, aus Mali stammende Mann, in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.

Fürs Gericht ist es erwiesen, dass der Beschuldigte sich am 8. Oktober 2020 in der JVA Bernau seinem Zellengenossen von hinten näherte und ihn massiv würgte. „Das Opfer konnte sich dagegen nicht zur Wehr setzen“, so Fuchs. Mindestens drei Minuten habe er zugedrückt, bis der Mitgefangene am Boden lag und sich nicht mehr bewegte. Am nächsten Tag verstarb der Mann im Klinikum Rosenheim.

Das Landgericht wertet die Tat als Totschlag. Der 28-Jährige sei wegen seiner paranoiden Schizophrenie aber schuldunfähig. „Er selbst ist davon überzeugt, gesund zu sein“, so der Vorsitzende Richter. Aber ohne die Unterbringung in eine psychiatrische Anstalt und einer Behandlung mit Medikamenten seien weitere Straftaten zu erwarten, die auch tödlich enden könnten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig

Update, 13.49 Uhr - Plädoyers zu Tod in JVA Bernau: Beschuldigter sei „tickende Zeitbombe“

Für seinen tödlichen Würgegriff soll der Beschuldigte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden – darin sind sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung in ihren Plädoyers einig. Die Staatsanwaltschaft spricht sogar von Mord, mindestens aber von einer Körperverletzung mit Todesfolge – wobei der 28-Jährige ohnehin nicht in der Lage gewesen sei, das Unrecht seiner tat einzusehen.

„Er hatte einen Schub paranoider Schizophrenie. Deshalb ist er schuldunfähig.“ Verteidiger Walter Holderle sieht in der Tat in der JVA Bernau im Oktober vorigen Jahres Totschlag. „Unbehandelt ist der Beschuldigte eine tickende Zeitbombe“, so die Staatsanwaltschaft. Ohne Medikamente könne man nur abwarten, bis weitere schwere Gewalttaten begangen würden.

Nun fehlt nur noch das Urteil des Traunsteiner Landgerichts unter Vorsitz von Richter Erich Fuchs. 

Update, 12.14 Uhr - Häftling in JVA Bernau erwürgt? Unter welchem Psycho-Wahn der Beschuldigte leidet

Wie tickt der Beschuldigte 28-Jährige, der schon 2015 wegen versuchten Mordes an einer Wasserburger Asylpatin verurteilt wurde. Nach der Tat, bei dem er einen Mithäftling in der JVA Bernau erwürgte – die Tat gestand der Asylbewerber voll ein – wurde er ins Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum verlegt.

Wie der psychiatrische Gutachter Josef Eberl berichtet, wurde der Beschuldigte schon in den Gefängnissen in Bernau und zuvor in Straubing auffällig. Er fühlte sich schon in Straubing von anderen Häftlingen verfolgt. Kurz gesagt: Immer wenn er die entsprechenden Medikamente einnahm, verbesserte sich die Situation. Wenn er sie verweigerte, wurde er psychisch auffällig, so Eberl.

„In der JVA Bernau schlief er meistens tagsüber, aus Angst vor ‚Geräuschen‘ in der Nacht“, so der Sachverständige. Diagnostiziert wurde beim 28-Jährigen schon in der JVA Straubing eine paranoide Schizophrenie. Am Tattag habe er sich in einem „akuten Zustand“ befunden, weil der Malier schon länger keine Medikamente mehr einnahm. „Es war wohl wirklich so, dass er im Wahn dachte, er müsste seinen Zellengenossen umbringen, weil er sonst von ihm umgebracht würde“, so Josef Eberl.

Als er nach der Tat nach Wasserburg verlegt wurde, fühlte sich der Mann dann vom dortigen Pflegepersonal verfolgt. „Vor allem, wenn ihm Blut abgenommen werden sollte, wurde er besonders panisch“, berichtet der psychiatrische Sachverständige. Beim Personal würde es sich um Kannibalen handeln, die sein Blut trinken wollten. Der Gutachter spricht sich für eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus aus. „Er ist weder krankheitseinsichtig, noch dauerhaft behandlungsbereit.“

Rechtsmediziner Oliver Peschel geht in seinem Gutachten nochmal auf den brutalen Würgegriff ein, mit dem der 28-Jährige seinen Zellengenossen zu Tode brachte. Es müsse ein gekonnter Unterarmwürgegriff von hinten gewesen sein, aus dem sich der Geschädigte kaum befreien konnte. Am ersten Prozesstag führte der Beschuldigte dem Gericht ohnehin vor, wie er den Mann umklammerte. Mindestens drei Minuten habe der Asylbewerber zugedrückt, meint Rechtsmediziner Peschel.  

Vorbericht

Bernau/Traunstein - Der Sachverhalt scheint klar: Am 8. Oktober vorigen Jahres soll der 28-jährige Beschuldigte seinen Zellengenossen in der JVA Bernau angegriffen und ihn im „Schwitzkasten“ erwürgt haben. Flüssigkeit sei dann in die Lunge des Mithäftlings eingedrungen, der Hirndruck stieg und tags darauf verstarb der Mann im Klinikum Rosenheim. Bereits am ersten Prozesstag am Dienstag war der Mann aus Mali geständig.

Mitgefangenen in JVA Bernau umgebracht?

So wie ich ihn gehalten habe, konnte er nichts mehr machen“, gab der 28-Jährige freimütig zu. Danach blieb der Mann regungslos am Boden liegen und kam bis zum Todeszeitpunkt am nächsten Tag wohl auch nicht mehr zu Bewusstsein. Als Motiv gab er an, aus der gemeinsamen Zelle mit dem Mitgefangenen hinaus zu wollen, denn auch er habe ihn mit dem Tod bedroht. Laut Staatsanwaltschaft leidet der Beschuldigte an einer paranoiden Schizophrenie, deshalb sei er schuldunfähig. Am Dienstag sprach er aber in deutlichen Worten und scheinbar ohne Erinnerungslücken über die Tat.

Ausschlaggebend, wie mit dem Asylbewerber weiter verfahren wird, wird das psychiatrische Gutachten sein. Es wird am heutigen Freitag (11. Juni) vor dem Landgericht Traunstein vorgestellt. Womöglich auch noch am Freitag wird das Gericht dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Etwa einen Monat nach der Tat wurde der 28-Jährige bereits aus der JVA Bernau ins Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum verlegt.

Am Landgericht Traunstein ist der Beschuldigte kein Unbekannter: Vor ziemlich genau sechs Jahren wurde er wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung verurteilt. Er rammte im August 2014 einer Asylpatin in Wasserburg ein Messer fünf Zentimeter tief in den Bauch - keiner der Prozessbeteiligten hatte daran Zweifel. Als die Frau flüchtete, soll er ihr „I will kill you“ hinterhergerufen haben. 21 Jahre alt war die Asylpatin damals. „Sein Motiv war enttäuschte Liebe“, befand das Gericht damals in der Urteilsbegründung.

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