Prozess am Landgericht Traunstein wegen Maskenbetrugs am RoMed Klinikum

Geschädigter: „Wenn man in einer Pandemie eine Notlage ausnutzt, ist das eine absolute Frechheit“

Prozess gegen 22-Jährigen wegen versuchten Mordes nach einem Weinfest in Bruckmühl/Högling
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Prozess gegen 24-Jährigen wegen besonders schwerer räuberischen Erpressung in Tatmehrheit mit vier Fällen des Betrugs im besonders schweren Fall.

Traunstein/Rosenheim - Seit 25. Februar muss sich ein 24-Jähriger aus Bielefeld wegen zahlreicher Delikte, die er unter anderem auch in der Region begangen haben soll, vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten. Am Montag geht der Prozess weiter.

Update 12.16 Uhr - Geschädigter über Ausnutzen einer Notlage: „Eine absolute Frechheit“

Im weiteren Verlauf des Verhandlungstages sagen mehrere Vertreter geschädigter Firmen sowie Ermittlungsbeamte aus. Sie schildern allesamt eine ähnliche Vorgehensweise: Die Firmen haben bei dem Bruder des Angeklagten FFP3-Masken bestellt, eine Anzahlung getätigt, die Masken wurden aber nie geliefert und der Bruder sei nicht mehr erreichbar gewesen.

Bei dem Geschädigten aus Furth im Wald entschuldigt sich der Angeklagte für seinen Bruder über seinen Verteidiger. Dieser möchte die Entschuldigung aber nicht annehmen. „Wir sind ein kleines Familienunternehmen und wenn man in einer Pandemie eine Notlage ausnutzt, dann ist das eine absolute Frechheit. Wenn irgendwann was auf unserem Konto ankommt, kann man über eine Entschuldigung nochmal reden“, erwidert der Geschädigte.

Im Raum steht auch ein Telefonat, das der Bruder des Angeklagten, der möglicherweise der Drahtzieher der Betrügereien ist, mit der Staatsanwaltschaft geführt hat, um Aussagen über das Geschehene zu machen. Dieses Telefonat soll vom Bruder des Angeklagten aufgezeichnet worden sein. Die Verteidigung würde diese Aufzeichnung gerne als Beweismittel in die Hauptverhandlung einführen. Damit ist die Staatsanwaltschaft jedoch nicht einverstanden. „Es ist schlichtweg so, dass es verboten ist, ein Gespräch aufzuzeichnen. Außerdem kann man nicht klären, dass der Beteiligte wirklich der Bruder des Angeklagten ist“, so Oberstaatsanwalt Dr. Martin Freudling.

Update, 10.43 Uhr - Zeuge: „Hörte sich nicht nach etwas Zwielichtigem an“

Erster Zeuge des Tages ist ein Freund des Angeklagten, der geholfen hat, Gelder aus dem Maskenbetrug entgegenzunehmen. „Er (der Angeklagte) sagte zu mir, dass sein Bruder in der Türkei was mit Masken zu tun hat und dass es um Geld geht, das er nicht annehmen kann. Ich wollte ihm aber weiter helfen und so wie er das erzählt hat, hörte sich das nicht nach was Zwielichtigem an.

Deshalb habe ich meinen Bruder gefragt, ob er das machen kann, weil ich selbst so hohe Beträge auf meinem Konto auch nicht annehmen kann.“ Um 50.000 Euro soll es sich gehandelt haben. Der Zeuge und dessen Bruder haben dafür eine Anzeige wegen Geldwäsche kassiert.

Irgendwann habe er dann einen Anruf von einem Bayerisch sprechenden Mann bekommen, der sich durch ein Maskengeschäft betrogen gefühlt habe und jetzt komme, um das Geld abzuholen. Diesem habe er dann zusammen mit seinem Bruder 15.000 Euro ausgehändigt. Später sei dieser Mann nicht mehr erreichbar gewesen. Ich habe mir dann nur noch gedacht: „Bitte, bitte lass das nichts Illegales sein, weil da auch mein kleiner Bruder mit drin hängt.“

Erstmeldung:

Drohung, Erpressung, Betrug - die Liste der Delikte, die die Staatsanwaltschaft Traunstein einem 24-Jährigen aus Bielefeld vorwirft, ist lang. Der sitzt dafür seit 25. Februar am Landgericht Traunstein auf der Anklagebank. Nächster Verhandlungstag ist Montag, 1. März. Der Angeklagte soll unter anderem zusammen mit seinem Bruder einen Mann mit anzüglichen Fotos erpresst haben.

Zudem soll der Angeklagte den Geschädigten genötigt haben, seine Personalien für Firmengründungen zur Verfügung zu stellen. Zweck der Firmengründungen war alleine, Dritte zu Kaufpreiszahlungen für vermeintliche Coronamasken zu veranlassen, deren Lieferung von vorne herein nicht vorgesehen war. Der Geschädigte habe dann die eingehenden Gelder entweder in Bar abheben und sofort an den Angeschuldigten übergeben oder an weitere Geldwäscher weiter überweisen müssen.

Wie der Angeklagte am ersten Verhandlungstag aussagte, soll die Erpressung jedoch von seinem Bruder und dem Geschädigten frei erfunden worden sein, um eine etwaige Strafe für den Maskenbetrug abzuwenden. „Die Geschichte mit der Erpressung stimmt nicht“, sagte auch sein Anwalt Peter Weitzdörfer am Donnerstag vor Gericht. Er sei nur Handlanger seines Bruders, der in der Türkei untergetaucht ist, sagte auch der Geschädigte aus. Im Hinblick auf die Betrügereien zeigte sich der Angeklagte geständig. „Von der ganzen Sache habe ich etwa 24.000 Euro bekommen. Das war eine Lektion fürs Leben, mein Bruder ist für mich gestorben, ich möchte Ihnen alles sagen, wo er lebt in der Türkei, alles, was Sie wissen wollen“, sagte er unter Tränen.

Klinikum Rosenheim von Betrugsmasche betroffen

Mittels der gegründeten Firma soll unter anderem auch das RoMed Klinikum betrogen worden sein. Das Krankenhaus soll dort FFP3-Masken in großer Stückzahl bestellt und bereits Anzahlungen getätigt haben. Geliefert wurden die Masken jedoch nie. Das Krankenhaus habe Gelder im sechsstelligen Bereich verloren. Der Angeklagte muss sich daher wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung in Tatmehrheit mit vier Fällen des Betrugs im besonders schweren Fall, beides in Mittäterschaft, verantworten.

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