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Alles zum Prozess zum tödlichen Unfall auf Miesbacher Straße

„Samerberg-Prozess“: So begründet das Gericht sein Paukenschlag-Urteil

Samerberg-Prozess Miesbacher Straße Rosenheim Landgericht Traunstein Revision
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Der inzwischen 28-jährige Angeklagte aus Riedering vor dem Traunsteiner Landgericht mit seiner Verteidigerin Iris Stuff. Am Freitag (25. Juni) ist das Urteil gefallen.

Rosenheim/Traunstein - Nach acht Verhandlungstagen fiel im „Samerberg-Prozess“ am Freitag (25. Juni) das Urteil. Der Angeklagte (28) musste sich wegen des tödlichen Unfalls im November 2016 auf der Miesbacher Straße unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Nun begründete das Gericht sein Urteil.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Im November 2016 ereignete sich ein tödlicher Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim
  • In den folgenden Prozessen wurden bereits zwei Unfallbeteiligte rechtskräftig verurteilt
  • Im dritten Prozess geht es um den 28-jährigen Riederinger, der die Lücke für den überholenden VW Golf schloss
  • Heute wurde das Urteil gefällt: Der Angeklagte wurde freigesprochen!

Update, 15.55 Uhr - Freispruch ein Paukenschlag: Urteil im „Samerberg-Prozess“ zum Unfall auf der Miesbacher Straße

Das Landgericht Traunstein hat einen 28-jährigen Riederinger vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. In den Augen der Vorsitzenden Richterin Heike Will hat der Angeklagte - trotz mancher Hinweise - wohl keine Schuld am tödlichen Frontalunfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim im November 2016. Das Urteil ist eine Überraschung! Denn zuvor wurde der Angeklagte, wie auch sein Bekannter im vorausfahrenden BMW, bereits vom Amtsgericht Rosenheim, als auch vom Landgericht Traunstein schuldig gesprochen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Staatsanwaltschaft und den Nebenklägern steht dagegen abermals das Rechtsmittel der Revision zum Bayerischen Obersten Landesgericht zu, die binnen einer Woche ab heute (25. Juni) eingelegt werden müsste.

Das Landgericht Traunstein hat einen 28-jährigen Riederinger vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen.

Freudentränen bei Familie des Angeklagten aus Riedering

Dem 28-jährigen Riederinger wurde vorgeworfen, einem überholenden Golf-Fahrer die Lücke zum Wiedereinscheren verschlossen zu haben, sodass ein Frontalunfall unausweichlich wurde. Bei dem Unfall starben zwei junge Frauen vom Samerberg im entgegenkommenden Auto. Der Golf-Fahrer aus Ulm und seine Beifahrerin wurden dabei schwer verletzt. Wegen eines Formfehlers wurde nun allein gegen den Riederinger erneut verhandelt. Der Prozess wurde komplett neu aufgerollt.

Der Angeklagte selbst nahm den Freispruch äußerlich regungslos hin. Bei seinen Angehörigen flossen im Gerichtssaal dagegen Freudentränen. Die Eltern der verstorbenen 15-Jährigen vom Samerberg nahmen das Urteil konsterniert hin. Anders der Vater der verstorbenen 21-Jährigen: Kurz nach Urteilsverkündung, noch während der Begründung des Gerichts, verließ er den Verhandlungssaal.

Wollte Golf-Fahrer die „Last des Unfalls auf mehrere Schultern verteilen“?

„Technische und objektive Beweismittel, wie Bordcomputer oder Kameras, gab es nicht. Wir waren also rein auf Zeugenaussagen angewiesen“, begann Richterin Will ihre Urteilsbegründung. Dass der Golf-Fahrer noch an der Unfallstelle sagte „die Schweine haben mich nicht reingelassen“, bezweifelt das Gericht nicht, aber: „Auch von einem Rennen sprach er oft. Und sowohl gegenüber der Polizei, als auch gegenüber der Krankenschwester, als auch in den vorherigen Prozessen machte er immer leicht widersprüchliche Aussagen“, so das Landgericht.

Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Aussagen des Golf-Fahrers mit den Jahren „immer durchdachter und präziser“ geworden seien, so die Vorsitzende Richterin. Und sie legte nach: „Der Fahrer des VW Golf machte auf uns den Eindruck, als wolle er die Last des Unfalls auf ein paar Schultern mehr verteilen.“ Richterin Will stellte klar fest, dass er den Unfall verursachte und der Unfall vermeidbar gewesen wäre.

Deutliche Kritik an Verhörmethoden der Rosenheimer Polizei

Dass der Angeklagte im hinteren BMW noch durch die Unfallstelle fuhr, beweise nicht, dass der Abstand zwischen beiden Autos zu klein gewesen sein muss. „Es gibt keine allgemeingültigen Feststellungen, wie man sich in so einer Situation verhält. Vielleicht ist man so geschockt, dass man überhaupt nicht reagiert?“ Nach dem Verkehrsgutachten sei die rechte Fahrspur frei genug von Trümmerteilen gewesen, um noch hindurchfahren zu können.

Richterin Heike Will übte außerdem wiederholt Kritik an den Verhörmethoden der Rosenheimer Polizei. Sie spricht von „subtilen Einflussnahmeversuchen“: Dem Angeklagten sei entgegnet worden, er werde den Eltern der verstorbenen Mädchen noch in die Augen schauen müssen. Außerdem seien dem Riederinger falsche Vorhalte gemacht worden. Zum Beispiel, er habe die letzte Kreuzung vor der Miesbacher Straße mit über 100 km/h überquert, was durch das Verkehrsgutachten klar widerlegt wurde.

Dachte Golf-Fahrer, er sei auf einer Autobahn? „Nicht widerlegbar“

Auch die „Autobahn-These“ der Verteidigung lasse sich nicht widerlegen. Schließlich habe der Golf-Fahrer selbst gesagt, zuvor auf einer „autobahnähnlichen Straße“ gewesen zu sein. Und: „Er hatte sich zuvor verfahren, er war kurzzeitig tatsächlich auf der Autobahn, er war ortsunkundig, es war dunkel, auf der Miesbacher Straße sind beiderseits Leitplanken und Lärmschutzwände und vor dem Unfall kam kein Gegenverkehr“, so die Richterin in der Urteilsbegründung. Dazu passe auch die Aussage der Beifahrerin im Golf, dass der Ulmer während des Überholens stur nach vorne geblickt habe.

„Das Urteil mag bei manchen auf Unverständnis treffen“, war auch der Vorsitzenden Richterin bewusst: „Aber es war ein neues Verfahren mit neuer Beweisaufnahme. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man da zu neuen Ergebnissen kommt.“ So seien zum Beispiel neue Zeugen und auch die bei der Polizei eingegangenen Notrufe erstmals gehört worden. Und die Zeugenaussagen, nach denen der Angeklagte vor dem Unfall ein „sportliches bis rowdyhaftes Fahrverhalten“ an den Tag gelegt habe? Daraus könnten keine eindeutigen Rückschlüsse gezogen werden, „so funktioniert Rechtsprechung nicht“.

So reagieren die Familien der Verstorbenen und die Verteidigerin

Der Vater der verstorbenen 15-Jährigen sagte nach dem Urteil: „Irgendwann wird Gerechtigkeit siegen“. Man werde prüfen, ob man gegen dieses Urteil noch einmal Rechtsmittel einlegt, gab der Vater der 21-jährigen Verstorbenen bekannt. Er sprach außerdem von einem „absolut ungerechtfertigten Urteil“. Zufrieden kann dagegen Verteidigerin Iris Stuff sein. Im Gespräch mit rosenheim24.de sprach sie davon, dass der Formfehler im vorherigen Prozess dazu geführt habe, der Wahrheit auf die Sprünge zu helfen. An der bisherigen „konstruiert wirkenden Geschichte“ seien die allergrößten Zweifel aufgekommen.
Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Staatsanwaltschaft und den Nebenklägern steht abermals das Rechtsmittel der Revision zum Bayerischen Obersten Landesgericht zu, die binnen einer Woche ab heute eingelegt werden müsste.

Update, 13.15 Uhr - Urteil im „Samerberger-Prozess“: Angeklagter (28) freigesprochen

Paukenschlag im Prozess um den tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim: Der Angeklagte wird freigesprochen!

Das Landgericht Traunstein hat soeben das erste Urteil des Amtsgerichts Rosenheim aufgehoben, nach dem der 28-jährige Riederinger zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Die Berufung war also erfolgreich. Die Angehörigen des Angeklagten brechen vor Freude in Tränen aus. Der Angeklagte selbst bleibt bei der Urteilsverkündung äußerlich regungslos.

Ein ausführlicher Bericht mit Urteilsbegründung folgt.

Erstmeldung:

Welche Strafe bekommt ein 28-jähriger Riederinger, weil er die Lücke auf der Miesbacher Straße für einen überholenden VW Golf schloss? In der Folge kam es zu einem Frontalunfall mit zwei getöteten Frauen. Oder wird der Mann freigesprochen, weil sich dieser Lückenschluss nicht nachweisen lässt? Das Landgericht Traunstein unter Vorsitz von Heike Will wird am Freitag (25. Juni) entscheiden. Das Urteil fällt um 13 Uhr.

Plädoyers im „Samerberg-Prozess“: Zwei Jahre und drei Monate Haft bzw. Freispruch

Zuletzt wurden die Plädoyers gehalten. Staatsanwaltschaft und Nebenklage forderten die Berufung zu verwerfen - das hieße: Das ursprüngliche Urteil vom Amtsgericht Rosenheim, nach dem der Angeklagte zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt wurde, soll aufrecht erhalten werden. Rechtsanwalt Christian Schluttenhofer, der die Nebenklage für die Familie der getöteten 15-Jährigen vertritt, bezeichnete den Angeklagten im Plädoyer als „Auto-Verrückten“, der offensichtlich nicht in der Lage sei, die Straßenverkehrsordnung einzuhalten.

Einen Freispruch forderte dagegen die Verteidigerin des Riederingers, Iris Stuff. Dass die Lücke zwischen den beiden BMW absichtlich geschlossen worden sei, basiere lediglich auf der Aussage des „dubiosen“ Golf-Fahrers. Der 28-Jährige sei unschuldig. Selbst äußerte sich der Angeklagte während des ganzen Prozesses nicht. Auch das obligatorische „letzte Wort“ nutzte er nicht für eine Stellungnahme.

Was im Prozess zum Unfall auf der Miesbacher Straße bisher geschah

Am ersten Verhandlungstag waren die emotionalen Aussagen der Angehörigen der verstorbenen Frauen zu hören. Am zweiten Prozesstag sagte der Fahrer des vorausfahrenden BMW, sein Beifahrer sowie der Beifahrer des Angeklagten aus. Und auch der überholende Golf-Fahrer wurde zum ersten Mal in den Zeugenstand gerufen. Am dritten Prozesstag brachte Verteidigerin Iris Stuff eine neue Version ins Spiel: Wähnte sich der ortsunkundige Golf-Fahrer beim Überholen auf einer Autobahn und blieb deshalb so konsequent auf der linken Spur?

Am vierten Verhandlungstag am Dienstag sagten Angehörige des Golf-Fahrers sowie andere Autofahrer aus, die das „Trio“ kurz vor dem Unfall durch Rosenheim fahren sahen - bereits davor fielen sie durch ihren Fahrstil auf. An Prozesstag Nummer fünf wurde der Golf-Fahrer erneut geladen. Er schien inzwischen etwas verunsichert. Am sechsten Prozesstag sagte die Beifahrerin des VW Golf aus und sowie ein Überraschungszeuge, der als erster überhaupt behauptete, den kompletten Unfall beobachtet zu haben. Am letzten Verhandlungstag vor den Plädoyers wurde das Verkehrsgutachten vorgestellt. Aber ob die Lücke für den Golf groß genug war, um beim Überholen wieder einscheren zu können, konnte nicht geklärt werden.

Zwei Unfallbeteiligte wurden bereits rechtskräftig verurteilt: Der überholende Fahrer des VW Golf bekam eine Bewährungsstrafe in Höhe von einem Jahr und acht Monaten. Der andere BMW-Fahrer erhielt eine Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten, weil er den Überholenden nicht einscheren ließ. Nun wird zum dritten Mal gegen den Riederinger verhandelt. Sein Urteil (zwei Jahre und drei Monate Haft) wurde wegen eines Formfehlers aufgehoben.

xe

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