Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rettung in letzter Sekunde?

Familie aus Siegsdorf vor Zwangsräumung – kann Justizminister helfen?

Andreas M. aus Siegsdorf droht die Obdachlosigkeit. Am 1. Dezember steht die Zwangsräumung an.
+
Andreas M., der einen 15-jährigen Mietvertrag für ein Haus in Siegsdorf unterschrieben hat, droht die Obdachlosigkeit. Am 1. Dezember steht die Zwangsräumung an.

Siegsdorf – Andreas und Irmgard M. stehen vor der Zwangsräumung. Bis zuletzt hatten sie gehofft, dass die Gemeinde sie in ihr gemietetes Haus zurück einweisen wird. Bürgermeister Thomas Kamm will sie im Marienheim unterbringen. Doch Andreas und Irmgard hoffen jetzt auf die höchste bayerische Justizebene.

Update, 27. November 2020:

Irmgard M. hat wieder Hoffnung geschöpft. Ein Telefonat mit dem Büro von Bayerns Justizminister Georg Eisenreich könnte die Zwangsräumung, die ihr und ihrem Sohn Andreas in Siegsdorf droht, verhindern. „Ich habe gestern bis nach Berlin in die Ministerien telefoniert. Wie durch ein Wunder wurde ich direkt in das Büro von Herrn Eisenreich verbunden. Die Hilfe dort im Büro hat sich mein Problem angehört und zugesagt meine E-Mail und Akte auf seinen Tisch zu legen.“

Ob Eisenreich und auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann diese noch bis zum Zwangsräumungstermin am 1. Dezember durchsehen und dementsprechend reagieren werden, weiß Irmgard M. natürlich nicht. Doch dadurch, dass ihr Sohn neuen Lebensmut gefasst hat, hat auch sie wieder Auftrieb und will die Zwangsräumung verhindern. Aus ihrer Sicht könnte dann ein noch größerer Fall für die Justiz daraus werden. Doch zu viel will sie noch nicht verraten.

Vorerst hofft sie darauf, dass eine einstweilige Verfügung zum Stopp der Räumung bis Montag (30. November) im Amtsgericht Laufen eintrifft und sie und ihr Sohn sich in Ruhe eine neue Bleibe suchen können. „Wir suchen dringend ein ländliches Anwesen in der Region Siegsdorf mit Tierhaltemöglichkeit“, appelliert sie erneut.

Erstmeldung, 24. November 2020: Bürgermeister: „Kommen nicht in den Container“

„Am 1. Dezember wird eine Spedition kommen und unser Hab und Gut mitnehmen. Danach sind wir nicht nur obdachlos. Es ist alles, was wir uns die vergangenen Jahre aufgebaut haben, kaputt, berichtete Andreas M. gegenüber chiemgau24.de. Einen Umzug in ihrer Gesamtsituation würden sie jetzt selbst nicht schaffen und die Räumung der Spedition kostet rund 20.000 Euro, danach sind sie bis zur Insolvenz überschuldet. Andreas quält diese unverhältnismäßige Behandlung. Zuletzt hatte er und seine Mutter Irmgard auf eine Rückeinweisung durch die Gemeinde gehofft.

Familie aus Siegsdorf vor Zwangsräumung - Rückeinweisung kein Thema für Gemeinde

Um eine Obdachlosigkeit zu vermeiden gibt es aber von Seiten der Kommune ein Angebot, dass die beiden im Marienheim untergebracht werden. „Das ist eine ordentliche Unterkunft. Jeder bekommt ein Ein-Zimmer-Apartment mit einer gemeinsamen Küche. Die kommen nicht in den Container. Die werden für Personen vorbehalten, von denen wir wissen, dass sie in ein paar Tagen wieder weg sind“, erklärt Bürgermeister Thomas Kamm gegenüber chiemgau24.de.

Grundsätzlich habe zwar eine Gemeinde die Möglichkeit einen Mieter nach Bescheid einer Zwangsräumung wieder in das Objekt einzuweisen. Dann trage hierfür aber die Gemeinde die Bürgschaft, sollte es zu einem Mietausfall kommen. „Ich habe mich mit dieser Thematik befasst. Ich bin aber nicht derjenige, der Aussagen auf den Wahrheitsgehalt hinterfragt. Dafür gibt es ein Gericht“, so der Siegsdorfer Bürgermeister. Das Gericht habe die Entscheidung getroffen und über diese setze sich die Gemeinde auch nicht hinweg.

„Wenn wir eine Option haben, sie in eine warme und gut ausgestattete Unterkunft zu bringen, machen wir das natürlich auch. Das ist hier der Fall. Damit hat die Gemeinde ihre Aufgabe und Pflicht erfüllt und wird sie auch weiterhin erfüllen“, schildert Kamm. Die betroffene Familie würde schon länger in der Gemeinde wohnen und werde demnach auch entsprechend behandelt. „Der Container wäre nicht menschenwürdig. Wir wissen, dass sie uns länger erhalten bleiben. Somit wäre auch der Arbeitsplatz von Andreas M. gesichert“, versichert Kamm.

Andreas und Irmgard M. wollen weiterkämpfen

Für Andreas und Irmgard M. ist dies allerdings nur ein kleines Trostpflaster. Offene Mietschulden hätte es seit längerem nicht gegeben. An der Bereitschaft auszuziehen mangelt es zudem auch nicht. „Aber doch nicht auf so eine sinnlose und unmenschliche Art, was für uns den totalen Ruin bedeutet. Wir suchen dringend ein ländliches Anwesen in der Region Siegsdorf mit Tierhaltemöglichkeit“, erzählt Irmgard M.. Denn die Tiere des Tierschutzvereines dürften nicht mit in die Notunterkunft. Man brauche einfach nur etwas Zeit.

Mit der Absage der Gemeinde wollen sie sich nicht zufrieden geben. „Die Rückeinweisung steht zudem „in dubio pro Lebensschutz“ und müsse auf das Leben ihres Sohnes und auf den Tierschutz erweitert werden“, so Irmgard M.. Den Kampf um ihre Existenz können beide noch nicht aufgeben.

jz

Kommentare