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Mutter aus Raum Haag am Landgericht angeklagt

Baby den Schädel eingeschlagen? Polizist berichtet von Chaos und Gestank in der Wohnung

Traunstein/Haag – Wahre Gewaltexzesse sollen sich 2020 in einem Elternhaus im Raum Haag im Kreis Mühldorf abgespielt haben: Eine Mutter habe ihr erst sieben Monate altes Baby bis ins Krankenhaus geprügelt – jetzt steht sie vor Gericht.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine Mutter soll ihr Baby ins Krankenhaus geschlagen haben
  • Die Tat spielte sich im Raum Haag in Oberbayern ab
  • Die Staatsanwaltschaft spricht von „Gewaltexzessen”
  • Beide Elternteile stehen nun vor Gericht
  • Die Angeklagte streitet die Taten ab
  • Der Ex-Mann der Angeklagten kommt zu Wort
  • Beide beschuldigen einander
  • Polizist berichtet von Chaos und Gestank in Wohnung
  • Prozess wird am Donnerstag (8. Dezember) fortgeführt

Update, 16.39 Uhr - Polizist berichtet von Chaos und Gestank in der Wohnung

Das Kleinkind drohte an Babybrei zu ersticken, also rief die angeklagte Mutter am 24. Juni 2020 den Rettungsdienst. Der Notarzt berichtet jetzt als Zeuge, dass die Atmung des Babys unterstützt wurde – weil der nächste Sanka gebunden war und Lebensgefahr drohte, wurde dann ein Rettungshubschrauber ins Dorf nahe Haag beordert. Er flog das Baby in eine Spezialklinik nach München.

„Mir fiel auf, dass die Mutter auffallend ruhig und sehr distanziert war“, so der Notarzt. Und von den Nachbarn bekam man Hinweise: Sie berichteten von regelmäßig weinenden Kindern und einem Jugendamt, das schon länger mit der Familie zu tun hätte. Dem Notarzt fielen auch einige blaue Flecken am Kleinkind auf. „Wir haben dann also auch die Polizei verständigt.“

Ein Polizist, der später die Wohnung betrat, zeigt sich vor Gericht nahezu schockiert: „Als wir hineingegangen sind, war es, als würde man in eine andere Welt eintreten.“ Ein „beißender Geruch“ schlug dem Beamten entgegen, alles „sehr unaufgeräumt“ und„wir haben eine Unmenge an kleinen Katzen gefunden“. Die Angeklagte berichtete bereits, dass sie mit bis zu zehn Katzen und „drei oder vier“ Hunden zusammenlebte.

Der ältere Sohn habe im Bett der Eltern geschlafen, die Windel des Vierjährigen sei aber „prallvoll“ gewesen. „Als wir in sein Kinderzimmer reingehen wollten, kam uns wirklich ein bestialischer Gestank entgegen“, so der Polizist. Auch wenn er den Geruch mit den Tieren in Verbindung bringt, sei die Matratze im Kinderbett „mit Flecken übersät“ gewesen.

Und noch etwas muss der Polizist vor Gericht loswerden: „Wir waren über Stunden in der Wohnung, aber die Mutter hat nicht einmal nachgefragt, wie es dem Baby geht, das ja davor mit dem Hubschrauber abgeholt wurde. Das war mir einfach unverständlich.“ Eine Gutachterin aus der Münchner Spezialklinik gibt dann noch Auskunft, dass der Schädelbruch beim Kleinkind durch Gewalt passiert sein muss und auch recht frisch gewesen sein muss.

Heute ist das Kind drei Jahre alt. Die immer wiederkehrenden Angriffe, dessen Täterschaft das Traunsteiner Landgericht noch klären muss, hat es schwerverletzt überlebt. Schäden an den Augen werden dem Kind aber mindestens bleiben. Es lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie. Und: Die Angeklagte ist von ihrem neuen Ehemann inzwischen wieder hochschwanger.
Der Prozess am Landgericht wird am Donnerstag (8. Dezember) um 8.30 Uhr fortgesetzt.

Update, 15.07 Uhr - Auch Vater streitet Tat ab

Die Hauptangeklagte, Mutter des damals sieben Monate alten Babys, behauptete fest: „Ich habe definitiv nichts getan.” Indirekt beschuldigte die Frau ihren Ex-Mann. Schließlich habe er sie auch geschlagen. Nun wird der 37-jährige Kindsvater verhört. Der sagt jetzt: „Ich hatte eigentlich wenig Kontakt zu dem Baby.” Seine Ex habe er mit der Kindererziehung “mehr oder weniger alleine gelassen.”

Heißt: Auch der Vater will es nicht gewesen sein, der unter anderem für einen komplizierten Schädelbruch bei dem Baby verantwortlich ist. „Ich habe die Kinder nie geschlagen.” Ja, einzelne blaue Flecken beim Kleinkind habe auch er bemerkt. Aber das sei wohl dadurch gekommen, weil es nachts oft gegen die Stäbe des Gitterbetts gestoßen sei. Angeklagt ist der Mann lediglich wegen Unterlassen, weil er bei den „Gewaltexzessen” seiner Frau nicht eingegriffen habe.

Fest steht, dass er an dem Abend in der Arbeit war, als die Mutter im Haus in der Nähe von Haag den Notarzt rief. In welchem Zustand war das Baby da? „Ich weiß es nicht. Sie schlief. Und wenn jemand zu ihr reinging, wenn sie schlief, fing sie gleich an zu schreien.” Während die Hauptangeklagte, die dem Baby die lebensbedrohlichen Verletzungen zugefügt haben soll, sachlich und ausführlich aussagte, wirkt ihr 37-jähriger Ex gestresst und angeschlagen.

Nun werden auch eine Ärztin, ein Notarzt und ein Polizist aussagen, der an dem Abend zum Haus im Landkreis Mühldorf hinzugezogen wurde – er sollte in familiäre Abgründe blicken.

Update, 12.52 Uhr - Frau (26) aus Raum Haag streitet Taten ab

Was also passierte an jenem 24. Juni 2020 und den Tagen davor bei dem Paar daheim in der Nähe von Haag? „Ein Tag wie jeder andere”, sagt die 26-jährige Mutter jetzt vor Gericht. Am Abend habe sich das sieben Monate alte Kind lediglich am Brei erstickt, der Kopf hing zur Seite – und deshalb rief sie den Notarzt. Der zog den Hubschrauber hinzu, „und eine Stunde später stand die Polizei vor der Tür.”

Und woher dann die ganzen schweren Verletzungen beim Kind? „Von mir stammen sie nicht. Ich habe definitiv nichts getan”, so die junge Frau. Sie verdächtigt dagegen ihren Ex-Mann. „Er hat auch mich geschlagen, hat mir gedroht.” Jetzt, vor Gericht, bedauert sie, ihr Baby nicht besser geschützt zu haben. Einzelne blaue Flecken beim Kleinkind seien auch ihr aufgefallen, aber das Kind habe sich nachts oft am Gitterbett gestoßen.

Das Baby sei gewollt gewesen und sei im Großen und Ganzen ein ruhiges Kind gewesen. Trotzdem habe sich die Angeklagte oft überfordert gefühlt: der ältere Sohn hätte eine anstrengende Phase gehabt, die Arbeit im Haushalt, Termine – und außerdem wohnten auch „drei oder vier Hunde” und „acht, neun oder zehn Katzen” im Haushalt. Die 26-Jährige wirkt gefasst, spricht deutlich und beantwortet alle Fragen bereitwillig – nur nicht vom Verteidiger ihres Ex-Mannes. Hier verweigert sie die Antworten grundsätzlich

Nun wird ihr Ex-Mann (37) vernommen. Auch er ist angeklagt. Allerdings nur, weil er nichts gegen die „Gewaltexzesse“ der Mutter, wie es die Staatsanwaltschaft ausdrückte, unternommen habe. 

Update, 9.57 Uhr - Prozess gegen Mutter (26) gestartet

Der Prozess gegen ein ehemaliges Ehepaar ist eröffnet. Staatsanwalt Markus Andrä beginnt mit der Verlesung der Anklageschrift – es ist, grob gesagt, eine schier endlose Aufzählung an Verletzungen, die das Baby durch die Gewalt der 26-jährigen Mutter erfuhr. Höhepunkt der „Gewaltexzesse”, wie es der Staatsanwalt nennt, war wohl der 24. Juni 2020.

Weil das damals sieben Monate alte Baby schrie, habe es die Mutter unter den Achseln gepackt und immer wieder geschüttelt. „Dann warf sie das Kind oder schlug den Kopf ihrer Tochter gegen einen harten Gegenstand”, so Staatsanwalt Andrä. Die Folge: Ein komplexer Schädelbruch und Bewusstseinsverlust. „Aufgrund der Wucht des Aufschlages bestand konkrete Lebensgefahr.” Das Baby war danach fünf Tage auf der Intensivstation und weitere zwei Wochen im Krankenhaus.

Aber auch schon einige Tage vor jenem 24. Juni kam es im Elternhaus in der Gegend von Haag zu brutaler Gewalt seitens der Mutter gegen das Kleinkind - „weil das Kind nicht schlief oder schrie”, heißt es in der Anklage. Zu zehn verschiedenen Zeitpunkten habe die Angeklagte auf Kopf und Körper des Babys eingeschlagen. Die Anklage listet Hämatome und Blutergüsse im Gesicht und am ganzen Körper auf – unter anderem war ein Auge des Babys zugeschwollen.

Einige Meter entfernt sitzt aber auch der leibliche Vater als Angeklagter im Gerichtssaal. Er habe die Verletzungen am Baby mitbekommen, aber nichts unternommen. „Nur durch eine vollständige Trennung der Mutter vom Kind hätte er die Gefahr abwenden können”, so die Staatsanwaltschaft. Weder Polizei noch Jugendamt habe der 37-Jährige informiert. Er ist angeklagt wegen Unterlassen, seine Ex-Frau wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Jetzt kommt die Hauptangeklagte, die 26-jährige Mutter, zu Wort. 

Vorbericht

Vorwürfe, die sprachlos machen: Immer wieder und wieder habe eine 26-Jährige auf ihr erst sieben Monate altes Baby eingeprügelt - bis zu einem Gewaltexzess am 24. Juni 2020: Als das Kind schrie, habe es die Mutter zuerst heftig geschüttelt und dann entweder geworfen oder den Kopf des Babys gegen einen harten Gegenstand geschlagen. Ein Schädelbruch, Bewusstseinsverlust und mehrere Wochen Krankenhaus waren die Folge.

Die 26 Jahre alte Frau aus dem Raum Haag (Landkreis Mühldorf) steht deshalb ab Dienstag (6. Dezember) um 8.30 Uhr vor dem Traunsteiner Landgericht. Angeklagt ist aber auch der leibliche Vater, der die Wunden laut Staatsanwaltschaft gesehen haben muss, aber nichts unternommen haben soll. Die Mutter ist angeklagt wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen. Mit einem Urteil wird am Donnerstag gerechnet. chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Landgericht.

xe

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte

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