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Martin Bartlweber ein Jahr im Amt

„Die Wirtschaft nach der Sitzung fehlt“ – Seeon-Seebrucks Bürgermeister im Interview

Bürgermeister Martin Bartlweber am Chiemseeufer in Seebruck. Eine Idylle, die im Ortskern von viel Verkehr getrübt wird.
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Bürgermeister Martin Bartlweber am Chiemseeufer in Seebruck. Eine Idylle, die im Ortskern von viel Verkehr getrübt wird.

Seeon-Seebruck – Ein echter Paukenschlag war das Ergebnis der Kommunalwahl im vergangenen Jahr in der Gemeinde Seeon-Seebruck. Mit 53,6 Prozent setzte sich Martin Bartlweber (FW) gegen den Amtsinhaber Bernd Ruth (CSU) durch. Die Chiemgau-Zeitung hat mit dem neunen Bürgermeister über ein turbulentes Jahr gesprochen.

Herr Bartlweber, wie war das erste Jahr im Bürgermeisteramt samt Corona?

Martin Bartlweber: Man geht angespannt aus dem Wahlkampf, dann ist der Punkt null und man weiß erst einmal gar nicht, wo man zuerst hinlaufen soll. In der Verwaltung haben wir gleich Schichtdienst gemacht. Zuerst dachten wir, das dauert ein bis zwei Monate. Jetzt nach über einem Jahr kochen bei den Bürgern auch mal in Hintergrund die Emotionen hoch. Das verstehe ich, es geht um Existenzen. Aber ich denke, wir haben die neuen Herausforderungen sowohl in der Verwaltung als auch im Gemeinderat gut gemeistert.

Wie wird man eigentlich als Bürgermeister den vielen einzelnen Ortsteilen gerecht?

Bartlweber: Wir sind seit 40 Jahren eine Einheitsgemeinde und haben uns zusammengerauft. Ich glaube schon, dass wir eine Identität als Seeon-Seebruck haben und zusammengewachsen sind. Leider haben wir derzeit kaum Gespräche, aber im Gemeinderat sind aus jedem Ortsteil Vertreter. Ich bin selbst aus Seilerberg, der eigentlich mitten in der Gemeinde liegt (lacht). Das gehört zum Ortsteil Seeon.

„Da kracht‘s auch mal“

Persönliche Vorwürfe, Anzeigen... die Gemeinderatssitzungen sind kein Wellnessprogramm in Ihrer Gemeinde....

Bartlweber: Wir haben viele starke Persönlichkeiten im Gremium, da kracht’s auch mal und das macht es nicht immer einfacher für einen Bürgermeister. Ich denke aber schon, dass wir größtenteils an einem Strang ziehen, wenn ich mir die letzten Abstimmungsergebnisse anschaue.

Die Hälfte des Gemeinderats ist neu im Amt und jeder hat das Ziel, seine Wahlversprechen durchzusetzen. Aber ich glaube, wir haben ein gemeinsames Ziel und sind auf einem guten Weg.

Der persönliche Austausch fehlt

Hat Ihnen das Zusammenkommen in der Gastwirtschaft nach der Sitzung gefehlt?

Bartlweber: Ja, auf jeden Fall. Die Pandemie war nicht förderlich für das Miteinander, das hätte viele Konflikte gebremst, wenn man sich einfach mal zam‘hockt und was ausredet. So saßen wir alle auf Abstand. Dieser persönliche Austausch fehlt mir auch bei digitalen Sitzungen.

Wie viele Kreuze machen Sie, wenn das Thema Kiesabbau in Seeon rum ist?

Bartlweber: Spontan sage ich fünf! (lacht) Das wird uns schon noch eine Zeit beschäftigen. Wir rechnen damit, dass das Thema Flächenkonzentration im Juli abgeschlossen wird.

Lösungen bei Verkehrslenkung gesucht

Stichwort Juli, da reiht sich erfahrungsgemäß ein Auto ans andere in Ihrer Gemeinde.

Bartlweber: Ich hab michmit vier Bürgermeistern aus der Umgebung zusammengesetzt und wir suchen nach Lösungen. Es geht uns in erster Linie um den überörtlichen Schwerlastverkehr und nicht um Ausflugsverkehr oder Pendelverkehr, da waren wir uns schnell einig. Wir haben auch mit dem Landrat darüber gesprochen, er hat uns Unterstützung angeboten. Es geht uns vor allen Dingen darum, eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten und nicht die nächste Ortschaft damit zu belasten. In Seeon-Seebruck haben wir außerdem Projektgruppen zum Thema Verkehrslenkung und Barrierefreiheit gegründet.

Böse Zungen würden sagen: „Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis.“

Bartlweber: Ja, diesen Spruch höre ich öfters. Nur glaube ich, dass es in der politischen Arbeit wichtig ist, die Leute mit Expertise aus der Verwaltung und die Bürger, die es betrifft, zusammen zu holen.

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Wie soll das denn genau funktionieren mit dem Schwerlastverkehr?

Bartlweber: Es ist tatsächlich rechtlich nicht ganz so einfach. Wie das dann aussehen kann, zum Beispiel ob man das Thema Lärmschutz mit hineinnimmt oder das Tonnagen- oder Längenbeschränkungen sind, muss man sehen. Wir wollen nicht die heimischen Betriebe gängeln, aber die internationale Logistik, die eine Abkürzung nimmt und sich mit lokalen Gegebenheiten gar nicht auskennt.

Wann können die Seebrucker damit rechnen, dass es keinen Durchgangsverkehr mehr mitten im Ortszentrum gibt?

Bartlweber:Sie meinen sicherlich die Entlastungsspanne.Der nächste Schritt wird eineinhalb Jahre dauern, in dem die Korridore geprüft werden. Wann der Spatenstich sein wird, das kann ich nicht einschätzen. Nach Aussagen des Staatlichen Bauamtes wird sich die gesamte Planung über zehn bis 15 Jahre ziehen.

Investitionsstau „können wir uns nicht leisten“

Wird dafür noch Geld da sein nach Corona?

Bartlweber: Ich denke dieses Projekt ist so wichtig und im Sinne der Regierung, dass diese Investitionen nicht gestoppt werden können. So einen Investitionsstau werden wir uns nicht leisten können.

Was war der schönste Moment in Ihrem ersten Jahr?

Bartlweber: Eigentlich sind das die Zusammenkünfte mit den Leuten. Das geht gerade nicht, aber die Momente, in denen wir mit der Verwaltung etwas erarbeitet haben und das funktioniert.

Wie haben Sie die Pandemie als Familienvater erlebt?

Bartlweber: Ich habe eine 18-jährige Tochter, die nicht bei mir lebt und zwei Söhne mit fast sechs Jahren und acht Jahren. Das ist schwierig, aber es geht, auch weil wir Unterstützung von der Familie haben. Respekt habe ich vor dem Thema Homeschooling, das zehrt an den Nerven bei allen Beteiligten. Den Kindern fehlen einfach die Sozialkontakte. Mir selbst fehlen auch das Gesellige und der Austausch.

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