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Nach einem Jahr im Amt

Grassaus Bürgermeister Kattari über den Gast FC Bayern und was die Gemeinde sonst bewegt

Der Grassauer Bürgermeister Stefan Kattari blickt trotz Corona positiv auf die Gestaltungskraft der Gemeinde.
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Der Grassauer Bürgermeister Stefan Kattari blickt trotz Corona positiv auf die Gestaltungskraft der Gemeinde.

Seit einem Jahr ist Stefan Kattari (SPD) Bürgermeister von Grassau. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen sprach der 38-Jährigeüber die Gemeindefinanzen in Zeiten von Corona, den FC Bayern und den neuen Sternekoch sowie über Herausforderungen dieser Zeit.

Herr Kattari, wie wirkt sich die Coronakrise auf die Finanzen der Gemeinde aus, können Sie das schon abschätzen?

Stefan Kattari: „Nein, das können wir noch nicht abschätzen. Es gibt noch viele Unsicherheiten. Im vergangenen Jahr haben wir die Einnahmen und Ausgaben im Juli vorsichtshalber in einem zweiten Nachtragshaushalt auf den Prüfstand gestellt.

Mit unserem Geschäftsleiter Peter Enzmann und unserem Kämmerer Tobias Gasteiger haben wir zwei erfahrene Kräfte und planen konservativ vorsichtig. Die Lohn- und Einkommenssteuerbeteiligung ist neben der Schlüsselzuweisung unsere Haupteinnahmequelle und wir wissen noch nicht, wie sich die Kurzarbeit auswirkt. Die Gewerbesteuern sind traditionell die dritthöchste Einnahmequelle und auch die können wir nur schwer einschätzen.“

Die Gemeinde Grassau baut selbst sehr viel, lässt sich das finanziell noch stemmen?

Kattari: „Ich gehe fest davon aus. Große Projekte wie die Schulsanierung samt Teilneubau, das neue Feuerwehrhaus in Rottau, der Kindergarten in der Gänsbachstraße, der Wohnungsbau in der Kaiserblickstraße für bezahlbaren Wohnraum und der barrierefreie Musikprobenraum in Rottau ziehen sich über mehrere Jahre. Die nächsten beiden Jahre müssen wir voraussichtlich Kredite aufnehmen. Nach aktuellem Planungsstand sollten wir in der Lage sein, die Kredite ab 2023 zurückzuführen.“

Welche Auswirkungen hat Corona auf den Tourismus in Grassau?

Kattari: „Seit November gilt das Beherbergungsverbot. Wirtschaften, Sehenswürdigkeiten, alles ist geschlossen. Trotzdem sind wir vergangenes Jahr beim Tourismus im Vergleich zu anderen Gemeinden im Landkreis Traunstein noch mit am besten weggekommen. Grassau war im Sommer komplett ausgebucht, kein Zimmer war mehr frei.“

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Der FC Bayern München hat sich für ein Quarantäne-Trainingslager in Grassau angekündigt. Wie fühlen Sie sich damit?

Kattari: „Die Spieler dürfen keinen Kontakt nach außen haben, es wird nicht einmal möglich sein, irgendjemanden zu sehen. Da besteht überhaupt keine Chance, dafür sorgt der Sicherheitsdienst des Vereins und auch die Polizei ist beim Sicherheitskonzept mit im Boot. Die vergangenen Monate haben wir so starkes Augenmerk auf Kontaktbeschränkungen gelegt. Sie sind meiner Meinung nach das wichtigste Mittel gegen Corona-Ansteckungen. Von daher ist es absolut wichtig, dass die Fans nicht in Scharen anreisen.“

Trotzdem: Wie sehen Sie den Besuch des FC Bayern München für die Gemeinde?

Kattari: Ich empfinde das als verrückte Situation. Der FC Bayern kommt und niemand sieht ihn, es wird kein Freundschaftsspiel geben. Unter normalen Umständen ist der Besuch ein Riesenlob für den Sportverein ASV, der die Anlegen pflegt, und für das Golf-Resort, das den hohen Ansprüchen des FC Bayern München entspricht.

Die vergangenen Jahre waren mehrfach Bundesligisten im Ort, der FC Bayern ist natürlich ein Ritterschlag. Aber um es klar zu sagen: Es gäbe keinen ungünstigeren Zeitpunkt. Das Gelände ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, anreisende Fans könnten uns in eine schwierige Lage bringen.

Ich habe sehr darauf gedrängt, dass der Kinderspielplatz und die öffentlichen Sportplätze zumindest nachmittags und an den Wochenenden offen sind. Die Menschen müssen mit den Corona-Beschränkungen auf so Vieles verzichten, diese Möglichkeiten sollen ihnen nicht auch noch genommen werden.

Wie bewerten Sie den Börsengang und die Expansion des Grassauer Unternehmens Katek?

Kattari: „Für uns ist das der wichtigste Arbeitgeber vor Ort. Wenn es einem Unternehmen gut geht, kann man das nur gutheißen. Und da denke ich an erster Linie an die Arbeitsplätze für Grassau und die Region, und die ganzen Familien, die im Hintergrund sind.“

Was passiert mit dem alten Katek-Gelände?

Kattari: „Die Gemeinde hat im Frühjahr 2020 die Gebäude erworben und sie werden genutzt. Der Wunsch des Marktgemeinderats ist, für das gesamte etwa sechs Hektar Areal einen Bebauungsplan aufzustellen und dann so viele Flächen als möglich für Gewerbe zur Verfügung zu stellen. Die bestehende Wohnbebauung nördlich hat hohe Schutzansprüche, deshalb kann nicht die gesamte Fläche dafür verwendet werden.“

Was sagen Sie zum neuen Sternekoch in Grassau? Der kann den FC Bayern gleich verwöhnen ...

Kattari: „Es ist eine tolle Nachricht, dass Grassau und das Hotel Achtental offenbar eine so hohe Qualität haben, dass sich hier ein Sternekoch niederlässt. Andererseits hoffe ich, dass das Hotel nicht zum exklusiven Ufo wird. Ich wünsche mir, dass die Grassauer auch in Zukunft noch hineingehen zu Familienfeiern oder einfach nur so an die Bar.“

Wie lautet ihr persönliches Resümee nach einem Jahr Amtszeit?

Kattari: „Mir gefällt die Arbeit mit den Menschen, die Themenvielfalt ist sehr vielschichtig. Was ich ungeheuer schätze, ist die hervorragende Zusammenarbeit im Marktgemeinderat, obwohl alle Mitbewerber um das Bürgermeisteramt im Gremium sitzen. Da ist ein großes Vertrauen da. Die Verwaltung leistet fantastische Arbeit, schnell und auf das Wohlergehen der Bürger ausgerichtet.“

Was sind die größten anstehenden Herausforderungen in der Gemeinde?

Kattari: „Leistbares Wohnen für die Bevölkerungsschicht, die nicht so gut eingesäumt ist. Die zweite große Herausforderung ist, Bürgerbeteiligung nicht nur für die Meinungsstarken zu machen, die sich ohnehin Gehör verschaffen können, sondern auch die Wünsche und Vorstellungen der Unterprivilegierten zu hören, die oft stumm bleiben. Hier suchen wir nach neuen Formen.“

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