Barthl Fleck aus Traunstein trat auch schon in den USA auf

„Bis der Unterarm verkrampft“: Zu Besuch beim „Rekord-Weltmeister“ im Goaßlschnalzen

Barthl Fleck aus Kammer bei Traunstein hat schon 25 Meistertitel im Goaßlschnalzen gewonnen.
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Barthl Fleck aus Kammer bei Traunstein hat schon 25 Meistertitel im Goaßlschnalzen gewonnen.

Man braucht Geschick, Kraft und Gefühl - „wie bei jedem anderen Sport“, sagt Barthl Fleck. Der 51-Jährige hat inzwischen 25 Meistertitel im Goaßlschnalzen. Wir haben ihn daheim in Kammer bei Traunstein besucht.

Traunstein - Zwei Minuten und 45 Sekunden - und das mit lauten, kraftvollen Schlägen und in ruhigem Stand: So hat Barthl Fleck erst voriges Jahr seinen inzwischen zwölften Meistertitel im Einzelschnalzen eingeheimst. Der 51-Jährige aus Reichsberg bei Kammer (Stadt Traunstein) ist inzwischen so etwas wie der „Rekord-Weltmeister“ im Schnalzen - denn: einen höheren Titel als die „Bayerische Meisterschaft“ gibt‘s nicht. Und zusätzlich zu den zwölf Titeln im Einzelschnalzen, hat Fleck auch schon 13 Titel im Gruppenschnalzen - also insgesamt 25 Mal Bayerischer Meister.

Barthl Fleck Rekordmeister im Goaßlschnalzen

Im Treppenhaus, im Wohnzimmer, in der Küche: Wo man auch hinschaut, im Haus der Familie Fleck sind die Pokale und Trophäen nicht zu übersehen. „Es ist wie bei jedem anderen Sport. Man muss schon was dafür tun“, sagt Barthl Fleck beim Besuch von chiemgau24.de nicht ohne Stolz. Im Normalfall trainiert er einmal in der Woche für anderthalb Stunden mit seinen sechs Kollegen von den „AlzTrauner Goaßlschnoizern“, begleitet von einer Ziach.

„Es braucht ein gutes Musikgehör, Rhythmusgefühl und natürlich auch Kraft“, erzählt der 51-Jährige über seine Passion. Bei den Wettbewerben achtet die Jury unter anderem auf langes Durchhaltevermögen, laute Schläge, eine ruhige Körperhaltung und den Takt zur Begleitmusik. „Nach einer gewissen Zeit verkrampft einem der Unterarm, der Daumen rutscht weg und man kann die Goaßl nicht mehr halten“, so Barthl Fleck. Doch bis ihm das passiert, hat die Konkurrenz meist schon aufgegeben.

Fleck schnalzt auch mit zwei Goaßln gleichzeitig

1,40 Meter ist der Goaßlstecken lang, den Fleck in Händen hält. Daran ist dann ein Hanfstrick befestigt, an dessen Ende wiederum eine rote Maurerschnur gebunden ist. Durch die Überschallgeschwindigkeit lässt sie die Schläge ertönen. Strick und Schnur sind bei Barthl Flecks Goaßl 1,45 Meter lang, Normen gibt es bei den Schnalzerwettbewerben dafür aber nicht. Zwei Dutzend Goaßln hat der Rekordmeister bei sich im Keller stehen, fürs Training und für den Wettkampf - denn der Traunsteiner kann es schließlich nicht nur mit einer, sondern auch mit zwei Goaßln gleichzeitig.

Zwölf Jahre war er alt, da war Barthl Fleck mit dem Papa im Bierzelt und beide waren begeistert von den Schnalzern. Beide wollten es lernen. „Es muss doch irgendwie gehen, dass wir das auch hinbringen“, sagten sich die beiden damals - 16 Jahre später, 1998, war Barthl Fleck dann zum ersten Mal „Bayerischer Meister“ im Einzelschnalzen. Barthl Fleck kann inzwischen auch auf Auftritte am Oktoberfest, in Italien, Frankreich oder in Denver/Colorado in den Vereinigten Staaten zurückblicken.

Ein halbes Jahr Übung, bis es sich nach Schnalzen anhört

Ungefähr ein halbes Jahr dauert es mit regelmäßigem Üben, „bis es sich nach Schnalzen anhört“, so Fleck. Mit einem „liegenden Achter“ in der Luft beginnt man, zum richtigen Zeitpunkt muss die Goaßl vorangetrieben und wieder lockerer gelassen werden. Die Schläge kommen nicht aus der Schulter, sondern vor allem über Unterarm und Handgelenk. Das Goaßlschnalzen ist nach wie vor eine Männerdomäne: An eine reine Frauengruppe aus dem niederbayerischen Rottal-Inn kann sich der 51-Jährige erinnern und an eine Dame, die mal beim Einzelschnalzen gegen ihn antrat - aber sonst...?

Das Goaßlschnalzen entstand in früheren Jahrhunderten unter den Führern der Pferdefuhrwerke. Unter anderem bei der Einfahrt in Ortschaften ließ man es knallen, mit der Zeit entstanden immer spezifischere Knallfolgen als Erkennungszeichen. Mit dem Aperschnalzen aus dem Rupertiwinkel und dem benachbarten Salzburger Raum hat das klassische Goaßlschnalzen übrigens wenig zu tun. Beim Aperschnalzen sind Stil und Strick kürzer und dicker, es kommt auf eine rhythmische Schlagabfolge innerhalb der Gruppe an. Aber, sagt Barthl Fleck, „das könnte ich auch“.

xe

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