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Opfer erlitt gleich mehrere Schädelbrüche

Tödliche Bratpfannen-Schläge mit fünf Promille in Burghausen: Urteil gefallen

Burghausen/Traunstein - In der Burghauser Asylunterkunft kam es in der vorigen Sylvesternacht zu heftigem Streit zwischen zwei Betrunkenen, dann soll ein 61-jähriger Russe mit einer Pfanne zugeschlagen haben - sein Zimmergenosse verblutete. Heute (25. Oktober) fällt am Landgericht das Urteil.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In einer Burghauser Asylunterkunft soll ein Mann seinen Zimmergenossen erschlagen haben.
  • Die beiden Beteiligten sollen betrunken gewesen sein.
  • Ein Urteil in dem Prozess soll am 25 Oktober fallen.
  • Ein Gutachter beschreibt den mutmaßlichen Täter als schweren Alkoholiker.

Update, 14.52 Uhr - Tödliche Bratpfannen-Schläge mit fünf Promille in Burghausen: Urteil gefallen

Das Urteil ist gefallen: Sechs Jahre muss der 61-Jährige russischer Abstammung ins Gefängnis. Laut Richter Andreas Bartschmid handelte es sich bei den tödlichen Schlägen mit einer Bratpfanne um Körperverletzung mit Todesfolge. Der Angeklagte habe spontan gehandelt, einen Tötungsvorsatz habe es nicht gegeben.

Die Tat ereignete sich in der jüngsten Silvesternacht in der Asylbewerberunterkunft in Burghausen-Lindach. Von einer Unterbringung in einer Entzugsanstalt sieht das Gericht ab. Vor allem die fehlende Bleibeperspektive und die schlechten Deutschkenntnisse würden einer erfolgreichen Therapie im Wege stehen.
 
Rund einen Liter Wodka habe der Angeklagte während des Tages getrunken. Auch sein Zimmergenosse, ein Ukrainer, war schwer betrunken. Das Gericht geht zum Tatzeitpunkt von etwa fünf Promille Alkohol im Blut des Angeklagten aus. Es kam zum Streit, der darin endete, dass der 61-Jährige mindestens fünf Mal mit einer fast ein Kilogramm schweren Bratpfanne gegen den Kopf seines Zimmergenossen schlug.
 
Das Opfer erlitt mehrere Schädelbrüche und verblutete in den Stunden nach der Tat. Anfangs habe sich der Angeklagte noch um den Mann gekümmert, sei dann aber eingeschlafen. „Am Morgen bemerkte er, dass sein Zimmernachbar tot ist und verständigte den Sicherheitsdienst“, so Richter Bartschmid. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, binnen einer Woche können Staatsanwaltschaft oder Verteidigung Einspruch dagegen einlegen.

Update, 12 Uhr - Plädoyers fordern jahrelange Haft

Zunächst verlas Staatsanwalt Markus Andrä sein Plädoyer zur Urteilsverkündung: Der verhandelte Vorfall sei „das traurige Ende eines Dauerrausches“. Naturgemäß empfahl der Staatsanwalt eine höhere Haftstrafe: Nicht unter sechs Jahren und sechs Monaten. Die Straftat sei unter den gegebenen Umständen der Alkoholisierung eine Körperverletzung mit Todesfolge, aber ohne Tötungsabsicht. „Beide tranken erheblich, da ging es schon in der Vergangenheit oft hoch her“, so Andrä. Sechs Mal habe der 61-Jährige mit der knapp ein Kilogramm schweren Bratpfanne auf den Kopf seines Kontrahenten eingeschlagen. Mehrere Schädelbrüche waren die Folge.
 
Die Erfolgsaussichten einer Therapie - mit Unterbringung in einer Entzugsklinik - schätzt die Staatanwaltschaft gering ein, bis „nicht vorhanden“. Er könnte sich so gut wie „nicht auf Deutsch verständigen. Das Ausländeramt muss Aufenthaltsstatus prüfen.“ Nach diesem Urteil könne eine Abschiebung möglich sein, sogar aus der Haft heraus. Zudem wirke der Angeklagte „in Deutschland komplett entwurzelt und nicht integrierbar.“ Eine realistische Aussicht auf Arbeit oder eine eigene Wohnung sei äußerst unwahrscheinlich. 

Deutlich milder klang Verteidiger Markus Frank mit seinen Vorschlägen, obwohl er die Straftat analog zum Staatsanwalt als „Körperverletzung mit Todesfolge“ bezeichnete. Nicht mehr als drei Jahre und sechs Monate Haft seien dafür zu veranschlagen. Zudem möchte der Verteidiger den 61-Jährigen in eine Entzugsklinik einliefern lassen, „die Voraussetzungen dafür sind absolut vorhanden“. Sein Deutsch könne er noch verbessern und sein Asylverfahren sei nicht abgeschlossen. Man müsse die Biographien der beiden Beteiligten berücksichtigen, wobei beide langjährige Alkoholiker gewesen seien. 

Der Angreifer - ein Kriegsveteran mit traumatischen Erlebnissen aus Afghanistan - sei in der Tatnacht massiv beleidigt worden - der Ukrainer hatte ein Messer vorgezeigt - der Angreifer daraufhin mit der Pfanne zugeschlagen. Danach habe man sogar weitergetrunken und sich irgendwann schlafen gelegt. Wegen des schlechten Allgemeinzustandes, Leberzirrhose und Gerinnungsstörung des Blutes, sei der Ukrainer letztlich verblutet. Der russische Angeklagte habe morgens noch den Security gerufen, als er wieder halbwegs nüchtern gewesen sei.
 
Die letzten Worte des Angeklagten wirkten eindringlich: „Der Alkohol hat mich besiegt, ich leide sehr unter dem, was passiert ist. Ich möchte gerne von meiner Alkoholsucht befreit werden. Ich möchte auch noch arbeiten und eine Familie gründen.“ Nun bleibt abzuwarten, welche Entscheidung das Traunsteiner Landgericht fällen wird.

Update, 9.55 Uhr - 3,6 bis fünf Promille: 61-Jähriger für Gutachter „schwerer Alkoholiker“

Die Verhandlung gegen den 61-jährigen Angeklagten wird fortgesetzt. In der jüngsten Sylvesternacht soll er seinen Zimmergenossen in der Burghauser Asylbewerberunterkunft mit einer Bratpfanne totgeprügelt haben. Der psychiatrische Gutachter schätzt den Russen als „schweren Alkoholiker“ ein. Während der Tat habe er 3,6 bis fünf Promille Alkohol im Blut gehabt - genau lässt es sich nicht zurückrechnen, weil unklar ist, wann genau die Tat passiert ist. Zeugen gibt es nicht und der Angeklagte selbst könne sich nicht mehr erinnern.
 
Trotz des zweifellos hohen Alkoholpegels geht der Sachverständige beim Angeklagten nur von einer „leichten bis mittleren Alkoholisierung“ aus. Schon in der Jugend habe er „Billigwein“ getrunken, später Wodka mit „vier bis fünf Exzessen“ im Monat, bei denen er jeweils rund einen Liter Wodka getrunken habe, so der psychiatrische Gutachter. Und er sei nach der Tat noch fähig gewesen, im Zimmer aufzuräumen und Blutspuren zu beseitigen.
 
Eine Unterbringung in einer Entzugsanstalt - anstatt in einem normalen Gefängnis - macht für den Sachverständigen wenig Sinn: „Das hätte wenig Erfolgsaussichten, auch weil er kein deutsch kann und eine Therapie dann schwierig ist.“ Bekannt wird jetzt auch, dass der 61-Jährige bereits vorbestraft ist: Wegen Diebstahls wurde er 2019 in Ingolstadt zweimal verurteilt.

Nun fehlen nur noch die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung - dann wird am Traunsteiner Landgericht das Urteil gesprochen

Vorbericht

Hat ein 61-jähriger Russe in der jüngsten Sylvesternacht seinen Zimmergenossen mit einer Bratpfanne erschlagen? In dem Fall, der sich in der Burghauser Asylbewerberunterkunft abgespielt haben soll, fällt am heutigen Montag (25. Oktober) wohl das Urteil am Traunsteiner Landgericht. Bisher schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen. Zur Last gelegt wird ihm der Straftatbestand des Totschlags. Der Prozess wird um 9 Uhr in Traunstein fortgesetzt.

Zimmergenossen in Asylheim Burghausen erschlagen? Heute Urteil

Viel Alkohol soll im Spiel gewesen sein, sehr viel: Das Opfer, ein 49-jähriger Ukrainer, habe etwa drei Promille Alkohol im Blut gehabt, beim Angeklagten könnten es sogar bis zu fünf Promille gewesen sein. In den Abendstunden des 31. Dezember 2020 seien die beiden in Streit geraten, so die Staatsanwaltschaft. Beleidigungen fielen, dem Angeklagten sei mit dem Abstechen gedroht worden. Als sich der 49-Jährige dann schlafen legte, habe der Russe zugeschlagen - mit einer Bratpfanne, über 900 Gramm schwer.

Die Schläge sind laut Staatsanwaltschaft so massiv gewesen, dass der Griff der Pfanne dabei abbrach. Mehrfach sei dem Geschädigten gegen den Kopf geschlagen worden, mehrere Schädelfrakturen wurden festgestellt. Der Ukrainer sei nicht sofort tot gewesen, sondern verblutete in den Stunden nach der Tat. Der Angeklagte berief sich im Prozess bisher auf einen Filmriss, äußerte sich sonst kaum. Zeugen der Tat gibt es nicht.

Bevor am Montag das Urteil fällt, wird auch noch der psychiatrische Sachverständige gehört und die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung werden gehalten. innsalzach24.de wird aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht berichten.

xe

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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