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Gewalt gegen Kinder: Das sagt eine Expertin

„Überforderung“? „Angst“? Was die Gründe für den Säuglings-Mord von Ruhpolding sein könnten

Idyll und Trauer: Am Fuße des Seekopfs bei Ruhpolding wurde ein toter Säugling entdeckt.
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Idyll und Trauer: Am Fuße des Seekopfs bei Ruhpolding wurde ein toter Säugling entdeckt.

Er lebte nur wenige Stunden, dann starb er an den Folgen von Gewalt. Wer hat den Säugling getötet, der bei Ruhpolding entdeckt wurde? Die Polizei steht am Anfang der Ermittlungen. Eine Expertin spricht Klartext über gestresste Eltern. Und Ruhpolding will gedenken.

Ruhpolding - Er durfte nur wenige Stunden leben: Ein kleiner Junge, gerade erst auf die Welt gekommen, erlebte Unerträgliches. Er starb an den Folgen von Gewalt, wie die Kripo Traunstein vermutet. Und wurde, kurz nach seinem Tod, bei einem Wanderparkplatz zu Füßen des Seekopfs bei Ruhpolding abgelegt.

Gewalt, wie sie beileibe kein Einzelfall mehr ist: Im Landgericht Traunstein müssen sich gerade eine Frau aus Haag und ihr Ex-Mann verantworten. Sie soll ihr sieben Monate altes Kind so schwer misshandelt haben, dass es mit Schädelbruch ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Und ihm wirft der Staatsanwalt vor, nichts gegen die Gewalt unternommen zu haben.

Menschen sind fassungslos - wer tut so was?

Wer tut so was? Wer tut Kindern Gewalt an? Und warum? Das sind die Fragen, die sich viele Menschen nicht nur in der Region Rosenheim stellen. Die Diplompädagogin Barbara Heuel ist stellvertretende Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes in Rosenheim. Sie sagt einerseits, dass Gewalt gegen Kinder kein neues Phänomen sei - doch es falle stärker ins Bewusstsein. Wegen der Informationsmöglichkeiten übers Internet gelangen Nachrichten schneller an die Öffentlichkeit. Und sie erreichten mehr Aufmerksamkeit.

Belastungen durch Corona?

Auf der anderen Seite stellen Heuel und ihre Mitarbeiter fest: Die Menschen sind genervt. „Wir merken an den Telefonaten, dass die Belastung durch die Corona-Folgen gestiegen ist“, sagt Heuel. Durch die Pandemie-Beschränkungen seien viele Familien gestresst worden. Und der Wegfall der sozialen Netzwerke in Schulen und Kitas habe vielen kleinen Menschen, aber auch ihren Eltern zu schaffen gemacht. „Und natürlich machen Inflation und Energiekrisen vielen Menschen Angst“, sagt Heuel.

Überfordert durch die Ankunft eines neuen Erdenbürgers

Aber reichen Stress und Zukunftsangst als Erklärung aus? „Es kommt schnell mal zur Überforderung“, sagt Heuel aus jahrzehntelanger Erfahrung als Pädagogin mit Kontakt zu Eltern. Da weine das Kind, wolle sich durchaus nicht beruhigen lassen.

Nichts helfe, und da geschehe es immer wieder, dass Mütter Neugeborene oder Kleinkinder nehmen und schüttelten. Nicht unbedingt mit der Absicht, das Kleine zu verletzten. Aber ohne Gedanken daran, dass ein Säugling noch keine ausgebildete Muskulatur im Bereich von Schultern oder Nacken besitze. Schwere Verletzungen könnten die Folge sein.

Je früher die Hilfe für die Eltern, desto besser fürs Kind

Stress oder Depression nach der Geburt, das Gefühl, überfordert zu sein: Gefühle, die man beim Kinderschutzbund versteht. „Da hilft oft ein einfaches Telefonat“, sagt Heuel. Und Vorkommnisse wie jüngst? „Das zeigt, wie wichtig es ist, Eltern und Familien so früh wie möglich zu entlasten und Unterstützungsangebote zu machen, bevor Probleme zu Krisen werden.“

Polizei noch am Anfang der Ermittlungen

Wer legte das tote Neugeborene auf dem Wanderparkplatz ab? War es die Mutter? Und wo kam es zur Welt? Noch weiß die Polizei nichts Genaueres zu berichten. Man ermittle auf Hochtouren, bediene sich aller Mittel der Kriminalistik, berichtet Alexander Huber, Sprecher der Polizeidirektion Oberbayern Süd. Zu Einzelheiten könne er sich nicht äußern, Hinweise seien bislang aber erst wenige eingegangen.

Andacht an Marienfigur

Währenddessen trauert Ruhpolding um den toten Säugling. „Ein junges Leben ging viel zu früh zu Ende“, postete Bürgermeister Justus Pfeifer via Instagram. Die Nachricht vom Tod des Säuglings berühre den Ort zutiefst. Weiter heißt es: „Die katholische und evangelische Kirchengemeinde laden am Freitag um 18.30 Uhr zur ökumenischen Gedenkandacht für den verstorbenen Buben in der Pfarrkirche St. Georg ein.“

Ausgewählt hatten die Stelle die beiden Ruhpoldinger Pfarrer Otto Stangl (katholisch) und Bernd Reuther (evangelisch) in einer gemeinsamen Sitzung gestern Vormittag. „Ich denke, hier wurde eine gute Form gewählt“, sagte Ruhpoldings Pastoralreferent Georg Gruber.

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