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Ausschuss stimmt dagegen

Resolution für „wolfsfreien Landkreis“ Rosenheim wird vorerst abgeschmettert

Bei uns wurde zuletzt ein Wolf in der Nähe von Sachrang gesehen.
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Bei uns wurde zuletzt ein Wolf in der Nähe von Sachrang gesehen.

Die Resolution für einen „wolfsfreien Landkreis“ Rosenheim ist in einem Ausschuss vorerst abgeschmettert worden. Dabei hatten Landwirte zuvor wegen gerissener Schafe und der vermeintlichen Gefahr für die Menschen genau das gefordert.

+++ Update vom 20. Oktober 17:45 Uhr +++

Der Ausschuss für Umweltangelegenheiten, Landwirtschaft, räumliche Entwicklung und Natur- und Klimaschutz sowie Mobilität hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem Dauer-Streitthema Wolf beschäftigt.. Grund war ein Antrag des CSU-Kreisrates Josef Paul, der die Verfassung einer Resolution für einen „wolfsfreien Landkreis“. Landwirte hatten zuvor (siehe anhängender Originaltext) wegen Zwischenfällen mit Wölfen einen Eingriff in den Schutzstatus des bedrohten Tieres gefordert.

Laut einer Pressemitteilung des Landratsamtes Rosenheim stimmten die Ausschussmitglieder mit 7 zu 4 stimmten gegen den Antrag und damit auch gegen den Vorschlag der Verwaltung, die Resolution auf den Weg zu bringen. Allerdings bleibt offen, wie der Kreistag in seiner Sitzung im Dezember über den Antrag abstimmen wird.

Resolution sollte Bestandsregulierung möglich machen

Mit der Resolution sollte bei der EU-Kommission darauf gedrängt werden, eine schadensunabhängige Bestandsregulierung des Wolfes über eine Absenkung des Schutzstatus zu erreichen. Außerdem sollte gefordert werden, den Erhaltungszustand grenzüberschreitend zu bewerten sowie ein staatenübergreifendes Monitoring zu etablieren. Die Resolution sollte an die höheren politischen Ebenen wie den Landtag, Bundestag sowie das EU-Parlament geschickt werden. Derzeit ist der Wolf europaweit besonders und streng geschützt und darf nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Regierung von Oberbayern entnommen werden.

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„Kann nicht mehr von bedrohter Art sprechen“

Wie Josef Paul sagte, habe er den Antrag gestellt, weil die Landwirte spüren, dass sie mit Schutzmaßnahmen nicht weiterkommen. Er wolle die Diskussion zum Wolf von unten nach oben tragen. Der Schutzstatus des Wolfes müsse gelockert oder aufgehoben werden. In Deutschland leben derzeit etwa 1.300 Tiere. „Man kann hier nicht mehr von einer bedrohten Art sprechen, bei jährliche Steigerungszahlen von 30 Prozent.“ Viele Landwirte im Landkreis Rosenheim würden die rapide Zunahme der Wolfspopulation in ganz Deutschland mit großer Sorge beobachten.

Paul befürchtet, dass Almbauern ihr Vieh zukünftig nicht mehr auf die Almen treiben und di eWeidehaltung einstellen. Dies hätte in vielen Bereichen negative Auswirkungen. Die Beweidung der Flächen beugt Verbuschung vor, sorgt für Artenvielfalt und ist eine Haltungsform, die dem Tierwohl dient. Die geförderten Schutzmaßnahmen durch den Staat wie Zäune oder Herdenschutzhunde bezeichnete er als nicht zielführend. Mit den Zäunen werde die Kulturlandschaft durchschnitten und auch der Lebensraum für Wildtiere massiv eingeschränkt. Herdenschutzhunde müssten aggressiv sein und könnten damit auch zur Gefahr für Wanderer werden, so Paul in seinem Antrag.

Keine bestätigten Wolfsrisse im Landkreis Rosenheim in letzten zwei Jahren

Bei der anschließenden Diskussion drehte sich die Frage vor allem um die Sinnhaftigkeit und di eChancen einer solchen Resolution. Wie Alexandra Burgmaier von der SPD sagte, sehe sie keine spezielle Betroffenheit des Landkreises. Anders als beim Brenner-Nordzulauf oder dem Steinbruch in Nußdorf sei hier die Region nicht speziell betroffen. Martina Visser von den Grünen vertrat die Meinung, dass die Natur die Population regele. Sie favorisierte ein Wolfsmanagement ähnlich wie dem Bibermanagement im Landkreis Rosenheim. Außerdem wurde argumentiert, dass im Landkreis Rosenheim aktuell keine Wölfe leben.

Das bestätigte auch Quirin Zallinger, Leiter der Abteilung 3 im Landratsamt Rosenheim, zu der auch der Bereich Naturschutz gehört. In den vergangenen zwei Jahren habe es keine bestätigten Fälle von Wolfsrissen im Landkreis Rosenheim gegeben. 2020 gab es die letzte Sichtung eines Wolfes in der Region.

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Aktuell regelt der „Bayerische Aktionsplan Wolf“ als Managementplan den Umgang mit Wölfen in Bayern. Der Plan wurde vom Bayerischen Landesamt für Umwelt erarbeitet. Die Grundlagen kamen von der Arbeitsgruppe „Wildtiermanagement/Große Beutegreifer“.

+++ Originaltext +++

Samerberg – In bewehrter Tradition haben sich die Landesvorsitzenden des Bayernbundes, Sebastian Friesinger aus Albaching und des Bayerischen Trachtenverbandes, Max Bertl aus Wildsteig am Ende des Almsommers zu einem Gedankenaustausch auf der Feichteckalm der Bauersfamilie Batholomäus Mayer vom Samerberg getroffen. Thema des heurigen Alm-Gesprächs war in erster Linie der Wolf sowie die Gefahr und der Schaden, die von ihm ausgehen.

Um Weidetiere vor einem Angriff des Wolfes zu schützenkönnen Zäune aufgestellt werden.

Gefahr auch für Menschen

„Wer die Bilder von gerissenen Schafen im benachbarten Tirol gesehen hat, der kann kein Wolfsschützer sein“, sagt Max Bertl, der als erfahrener Jäger hinzufügt: „Wenn für den Wolf Paarungszeit ist, dann sieht dieser auch den Menschen als Gegner und ein Angriff auf den Menschen ist nicht auszuschließen“.

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Für Kreisrat Sebastian Friesinger, selbst Landwirt, war folgender Gedanke wichtig: „Wer argumentiert, dass nach einem Wolfsriss der Schaden finanziell geregelt wird, der hat kein Gefühl. Ein Bauer hat eine innige Beziehung zum Tier und Mutterschafe sind nicht einfach eine Ware“.

Abschussprämie für Wolf

Sowohl Bertl als auch Friesinger begrüßten einen jüngst bekannt gewordenen offenen Brief von Pfarrer und Jäger Georg Gilgenrainer aus Höhenmoos, der in seinem Schreiben an die Bayerische Staatsregierung Prämien für den Abschuss von Wölfen forderte. Sein Vergleich, dass eher eine Hängebrücke zum Mond gebaut werden kann, als dass man die Almen wolfssicher einzäunen kann, fand ebenfalls Zustimmung.

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Für Hans Auer, Ehrenvorsitzender des Tourismusvereins Samerberg, der sich bei seinem Feicheckalm-Besuch dem Alm-Gespräch anschloss, bedeutet der Rückzug der Bauern von ihren Almen aufgrund der Wolfs-Gefahr einen Rückschlag für den Tourismus generell. Für Katharina Kern, Kreisbäuerin für Rosenheim und selbst Almerin, ist gerade das Thema „Einzäunen“ wichtig, sie sagt: „Unsere Almgebiete mit vielen Buckeln und Felsvorsprüngen lassen sich einfach nicht einzäunen. Allein schon wegen der notwendigen Abstände der stromführenden Zaundrähte, was gerade im Winter vollkommen unrealistisch ist“.

Beim Almgespräch auf der Feichteckalm von links: Max Bertl, Sebastian Friesinger und Ehrenvorsitzender Hans Auer vom Tourismusverein Samerberg.

Die Kosten für den Weidezaun, so Katharina Kern weiter, sind enorm. Die Förderung ist auf 12 Jahre ausgerichtet. Wenn aus welchen Gründen auch immer, eine Almbewirtschaftung aufhört, bleibt der Almbauer auf den Kosten sitzen. Und sie erklärt weiter: „150 Jahre konnten wir ohne Wolf leben, die Gesellschaft akzeptiert Kosten für die Wolfs-Abwehr in Höhe von 100.000 Euro und mehr, doch ohne Abschuss-Erlaubnis bleibt die Gefahr groß und es werden nach meinen Kontakten und Kenntnissen Almen stillgelegt“.

Jagdrecht soll genehmigt werden

Für Kreisrat Josef Paul aus Neubeuern, dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Ernährung-Landwirtschaft-Forsten (ELF), war die Sorge um die weitere Entwicklung zum Thema „Wolfs-Gefahr“ Anlass eine Resolution vom Kreistag Rosenheim für einen wolfsfreien Landkreis Rosenheim zu fordern. Die ELF-Forderung für die Resolution lautet abschließend:

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„Der Kreistag fordert die höheren politischen Ebenen Landtag, Bundestag und EU Parlament per Resolution auf, das Naturschutzrecht zu ändern und den Schutzstatus des Wolfes aufzuheben, ihn in das Jagdrecht aufzunehmen und so den Abschuss zu ermöglichen, um einen wolfsfreien Landkreis Rosenheim zu erhalten“.

Die Wolfspopulation in Bayern

Das erste Einzeltier registrierte die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) im Jahr 2015/16, zuvor gibt es keine bestätigten Nachweise über Wölfe in Bayern. 2016/17 gab es kein Einzeltier mehr, stattdessen wurde ein Paar sesshaft. 2017/18 wurden daraus zwei Paare und ein Rudel. Dazu kamen 2018/19 drei Einzeltiere. Zwei Rudel, zwei Paare und drei Einzeltiere gab es 2019/20. Die Paare und zwei Einzeltiere verschwanden 2020/21 wieder, ein Rudel kam dazu. Ein sogenanntes Monitoring-Jahr geht von 15. April bis zum 30. April des Folgejahres. Dadurch berücksichtigt die DBBW die Biologie und Fortpflanzungsrhythmik des Säugetiers. Im Landkreis Rosenheim wurde zuletzt im Juli und Oktober 2020 ein Wolf gesichtet, ein Rudel gibt es laut dem Bund Naturschutz nicht. Das LfU registrierte im vergangenen Jahr acht Übergriffe auf Nutztiere oder Gehegewild in Bayern, 28 Tiere starben.

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