rosenheim24 hat nachgefragt:

Wie geht es der Gastronomie in Rosenheim: „Söder und Merkel sind die treibenden Negativen für die Wirtschaft“

Wirtshaus Johann Auer und Betreiber
+
Toni Sket an seiner Zapfanlage im Wirtshaus Johann Auer.

Rosenheim - Am 28. Oktober war rosenheim24 in der Stadt unterwegs und befragte lokale Gastronomen zu ihren Ängsten und Befürchtungen bezüglich des Lockdowns:

Wirtshaus zum Johann Auer


Zu Beginn befragte rosenheim24 den Inhaber Toni Sket zu seiner Haltung gegenüber den Maßnahmen in der Gastronomie. „Der größte Fehler ist, dass Politiker nur ,Gastronomie‘ kennen, darunter fallen aber auch Nachtlokale und Schankwirtschaft“, teilte er mit. Er ist für eine klare Unterscheidung zwischen „Wirtshauskultur“ und Nachtclubs und Shishabars. Seiner Meinung nach können in Clubs Abstände und Hygieneregeln nicht gut eingehalten werden. Da dies aber in Restaurants und Wirtshäusern nicht der Fall ist und sehr auf die Vorschriften geachtet wird, wünscht er sich eine starke Differenzierung und kann Maßnahmen (wie auch die Sperrstunde) nicht verstehen. Über die Sperrstunde war er empört, da man die Gäste dann rauswerfen müsste, auch wenn sie vielleicht noch ein Glas Wein zu trinken haben.

Herr Sket erklärte, dass normalerweise Platz für 120 Personen in seinen Räumlichkeiten wäre, aber durch die Auflagen erheblich weniger bewirtet werden können. Wenn nur einzelne Gäste kommen, die einen ganzen Tisch in Anspruch nehmen, kann es auch mal passieren, dass nur 40 Menschen in das Wirtshaus passen. Dies ist mit erheblichen Einbußen verbunden, Fixkosten müssen aber auch noch gezahlt werden, darunter fällt beispielsweise die hohe Pacht der Stadt.


„Söder und Merkel sind die treibenden Negativen für die Wirtschaft“, verdeutlichte er seinen Unmut. Trotz des guten Sommers, mit Tagestouristen und Führungen zum Thema „Rosenheim Cops“, die bei ihm enden, erzielt das Wirtshaus gute Einnahmen, ein erneuter Lockdown wäre jedoch nicht tragbar. Sollte es wieder soweit kommen, gibt es für das Wirtshaus wenig Alternativen, ein Lieferservice wurde in der Vergangenheit nicht angenommen.

Toni Sket geht davon aus, dass sich die Situation noch mindestens ein Jahr ziehen wird. Er hofft deshalb auf eine klare Unterscheidung zwischen Nachtleben und Wirtshäusern/Restaurants seitens der Politik: „Wir sind keine Bar! Wir sind eine gute Gastronomie!“

Betreiberin und Mitarbeiter des Restaurants Hong Long in der Heilig-Geist-Straße

Restaurant Hong Long

Als nächstes befragte rosenheim24 die Betreiberin des Restaurants Hong Long am Busbahnhof. Schnell zeigte sich, dass auch hier der Lockdown schwer zusetzte. Anders als andere Gastronomen, die einen Biergarten bewirten, konnten die Verluste im Sommer nicht wieder vollständig hereingeholt werden. Dennoch findet die Chefin die Maßnahmen sinnvoll und notwendig, da die Gesundheit vorgeht. Die Hygienevorschriften werden fest eingehalten, es wird auf Abstand geachtet, was den Buffet-Betrieb betrifft und hierfür werden extra Einweghandschuhe verteilt. Die Gäste halten sich an die Vorschriften vorbildlich. Es sei wichtig, dass es allen gut geht, so die Betreiberin. Man kämpft aufgrund von Corona mit vielen Veränderungen.

Der Chef vom Nenas in Rosenheim

Das nenas in Rosenheim

Abschließend war rosenheim24 noch im nenas in Rosenheim, das im Mai diesen Jahres erst eröffnet hat. Auf die Frage, was Josef Zeilinger, der Betreiber, von einem erneuten Lockdown halten würde, antwortete er, dass die Situation jetzt schon „scheiße“ sei. „Ein Lockdown macht die Kosten aber kalkulierbarer, das ist immer noch besser als die Sperrstunde ab 21 Uhr“. Er hält es für sinnvoll die Sperrstunde aufzuheben, da die Gastronomie ohnehin ein sehr striktes Hygienekonzept aufweist und starken Kontrollen unterzogen wird: „Nur 0,5 Prozent der Neuinfektionen sind auf die Gastronomie zurückzuführen“.

Außerdem fügte Zeilinger, der auch der Chef des Arte Vino ist, hinzu, dass in einem Restaurant auf die Regeln geachtet wird und alles nachvollzogen werden kann, zuhause hingegen ist die Situation unkontrollierbar. Zu seinen Wünschen merkte Josef Zeilinger an, dass er sich mehr Vertrauen in die Gastronomie erhofft, da er das Gefühl hat, dass Restaurants und Wirtshäuser während der Pandemie oft als „Buhmänner“ dargestellt werden.

„Ebenso leiden Partner und Zulieferer der Restaurants, auch sie sind davon stark betroffen“, so Zeilinger gegenüber rosenheim24.

Phil Schramm / Franziska Schradstetter

Kommentare