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Ein Abschied, der schwerfällt

Warum der Vorsitzende des Rosenheimer Seniorenbeirats, Josef Kugler, sein Amt niederlegt

Verlässt Rosenheim nach 37 Jahren: Josef Kugler, der ehemalige Vorsitzende des Seniorenbeirats, zieht nach Oberösterreich.
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Verlässt Rosenheim nach 37 Jahren: Josef Kugler, der ehemalige Vorsitzende des Seniorenbeirats, zieht nach Oberösterreich.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Es ist ein Abschied, der ihm schwer fällt: Josef Kugler (84) legt sein Amt als Vorsitzender des Seniorenbeirats aus persönlichen Gründen nieder. Ein Gespräch über Familie, die vergangenen elf Jahre und warum Rosenheim für immer einen besonderen Platz in seinem Herzen hat.

Rosenheim – Josef Kugler sitzt auf gepackten Koffern. Die Wohnung in der Rosenheimer Innenstadt ist ausgeräumt, die Möbel sind zwischengelagert und ein Großteil der Versicherungen bereits umgemeldet. In 79 Tagen wird der 84-Jährige gemeinsam mit seiner Frau nach Traun ziehen – die fünftgrößte Stadt in Oberösterreich mit knapp 25 000 Einwohnern. Hier wohnt ein Großteil seiner Familie. Der Sohn, die drei Enkel und die Geschwister.

Vorbereiten auf das, was kommt

„Wir haben dort eine behindertengerechte Eigentumswohnung gekauft“, sagt Kugler. Eine Verwendung dafür habe er zwar noch nicht, aber er will vorbereitet sein. Auf die Zukunft und das, was kommt. Und so verlässt er Rosenheim, die Stadt, der er in den vergangenen 37 Jahren seinen Stempel aufgedrückt hat – als Unternehmer und Vorsitzender des Seniorenbeirats, aber auch als Bürger.

Von der Oberpfalz nach Nigeria

Geboren in der Oberpfalz, machte Kugler nach dem Abitur eine Ausbildung zum Handelsfachmann. Es folgten Jobs in der Schweiz, Österreich und im afrikanischen Nigeria. Oft in leitenden Positionen für Unternehmen wie Kaufhof oder Karstadt. 1984 übernahm Kugler schließlich die Geschäftsführung des HZ-Einkaufzentrums in Rosenheim.

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Nebenbei engagierte er sich sozial, unterstützte unter anderem die Nachbarschaftshilfe. Als er 2002 in Rente ging, stand schnell fest, dass er auch weiterhin aktiv bleiben will. „Zuhause bleiben und Rosen schneiden ist für mich von Anfang an nicht in Frage gekommen“, sagt er. Stattdessen gründete er die „Aktiven Wirtschaftssenioren“, beriet Interessierte bei Existenzgründung, Geschäftsübergaben oder half ihnen bei der Entwicklung eines Businessplans.

Wahl zum Vorsitzenden 2014

Sechs Jahre später, schloss er sich dem Seniorenbeirat an und wurde 2014 zum Vorsitzenden gewählt. Seitdem kämpfte er für die Senioren, unterstützt sie und trägt ihre Wünsche an die Politik heran.

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Er ist ein Sprachrohr, Vermittler und Berater. Hartnäckig ist er, gerade bei Dingen, die ihm am Herzen liegen. Und er weiß auch, dass er die städtischen Mitarbeiter, wie er selbst sagt, mehr als einmal „so richtig genervt hat“.

Barrierefreie Gestaltung des Max-Josefs-Platz

Wie beispielsweise, als es um die barrierefreie Gestaltung des Max-Josefs-Platzes ging. Ein Thema, für das sich der Seniorenbeirat bereits seit Jahren stark gemacht hat. „Das hat sich letztendlich ja auch gelohnt“, sagt er. Denn auch die Stadträte haben sich mittlerweile für eine Neupflasterung ausgesprochen. 2022 könnte es soweit sein. Ein Zeitpunkt, zu dem sich Josef Kugler zwar bereits in Traun befindet, den Fortschritt verfolgen wird er wohl aber auch von dort.

Der neue Vorstand: (von links) Dieter Hofrath, Ludwig Reitmair, Irmengard Oppenrieder und Theo Auer.

Seniorenfrühstücke im Mehrgenerationenhaus

Und auch sonst hat sich in den vergangenen elf Jahren für die Senioren so einiges getan. Es gibt regelmäßige Seniorenfrühstücke im Mehrgenerationenhaus der Arbeiterwohlfahrt, Sprechstunden für die älteren Mitbürger und seit 2015 sogar eine Seniorenmesse, die – wenn nicht gerade Corona ist – alle zwei Jahre im Kultur- und Kongresszentrum stattfindet.

Fahrstunden durch die Innenstadt

Es sind die Dinge, die Josef Kugler, angesprochen auf seine Erfolge und das Erreichte, spontan einfallen. An was er sich auch erinnert sind die Menschen, die ihm in den vergangenen Jahren begegnet sind. Da wären die zahlreichen Jubilare, denen er zum Geburtstag gratuliert hat.

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Die Menschen, die er zuhause besucht hat, um ihnen zu erklären, wie der Computer funktioniert und wie man aus abgeschlossenen Verträgen wieder rauskommt. Und die 250 Senioren, denen er in einer gemeinsamen Aktion mit einer Fahrschule eine Übungsstunde im Auto beschafft hat, damit sie ihr Wissen auffrischen können.

Zu 100 Prozent aufeinander verlassen

All das sei nur mit dem Seniorenbeirat möglich gewesen. Darauf legt er Wert. Auf seine Stellvertreterin Brigitte Kutka habe er sich „zu 100 Prozent verlassen können“, die stellvertretende Schriftführerin Maria Francese sei „sein Gewissen“ gewesen, die jeden Fehler entdeckt habe. Und auch die Zusammenarbeit mit der Stadt habe hervorragend funktioniert.

Herbstfest-Besuche auch weiterhin

Vielleicht fällt Josef Kugler der Abschied auch deshalb so schwer. Zwar freut er sich auf die zusätzliche Zeit mit einer Familie, aber er weiß auch, dass ihm Rosenheim fehlen wird. Aus der Welt aber sei er nicht. Seiner Nachfolgerin, Irmengard Oppenrieder, stehe er weiterhin beratend zur Seite, und auch mit der Stadt will er Kontakt halten.

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Und sobald das Herbstfest oder die Seniorenmesse wieder stattfindet, wird er sich in sein Auto setzen und nach Rosenheim fahren. Zurück in die Stadt, die wohl immer einen besonderen Platz in seinem Herzen haben wird.

Neuwahlen beim Seniorenbeirat:

Mit Josef Kugler scheiden auch seine Stellvertreterin Brigitte Kutka und die stellvertretende Schriftführerin Maria Francese aus. Oberbürgermeister Andreas März würdigte in seiner Rede die Verdienste des Seniorenbeirats: „Sie organisieren gemeinsame Ausflüge und regelmäßige Frühstückstreffen, sie sind einfühlsamer Ansprechpartner und Interessenvertreter für unsere Senioren, ohne Sie gäbe es den Mehrgenerationenpark und vieles andere nicht. Und das leisten Sie alles ehrenamtlich aus Überzeugung – Respekt!“ Die Wahlen zum neuen Vorstand brachten folgendes Ergebnis: Neue Vorsitzende ist Irmengard Oppenrieder, stellvertretender Vorsitzender ist Ludwig Reitmair, Schriftführer Dieter Hofrath und stellvertretender Schriftführer Theo Auer. Martin Wollny, Leiter des Sozialamts, gratulierte dem neuen Vorstand: „Ich wünsche Ihnen ein glückliches Händchen in Ihren neuen Ämtern. Und dass nach den schwierigen Corona-Zeiten bald wieder mehr gemeinsame Aktivitäten möglich sein werden.“

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