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Vom Futter bis zur Butter

Wie ein Bad Aiblinger Biobauer Kinder an Natur und Landwirtschaft heranführt

Xaver Gartmeier zeigt den Schülern den Säuge-Reflex beim Kalb.
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Xaver Gartmeier zeigt den Schülern den Säuge-Reflex beim Kalb.

Auch in unserer ländlichen Gegend gibt es Kinder, die noch nie ein Kälbchen oder eine ausgewachsene Kuh aus der Nähe gesehen haben. Das will Biobauer Xaver Gartmeier aus Bad Aibling ändern. Bei ihm auf dem Hof lernen Besucher aber noch viel mehr kennen.

Von: Uwe Hecht

Bad Aibling – Hochbetrieb herrschte jüngst auf dem „Ziegler-Hof“ an der Grassingerstraße. Im Rahmen eines Projekts der Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand Wendelstein besuchten an zwei Tagen insgesamt sechs Schulklassen der Jahrgangsstufen 5 und 6 des Gymnasiums Bad Aibling den Bio-Hof von Xaver Gartmeier, der den Betrieb mit seiner Ehefrau Renate und Sohn Georg bewirtschaftet.

Sie wollten erleben, wo gesunde Lebensmittel entstehen, was es dazu braucht und was den Unterschied zwischen Bio-Landwirtschaft und konventioneller Erzeugung ausmacht.

Schüler waren gut vorbereitet

Dass das Thema bereits im Unterricht erarbeitet wurde, belegte, dass die Kinder nicht nur wussten, dass die Rinder bei der Bio-Haltung mehr Platz im Stall haben und im Sommer auf der Weide sind, sondern auch darüber, dass ausschließlich Futter aus biologischem Anbau verwendet werden darf.

Mit der „Bauernhofrallye“, die es zu absolvieren galt, wurde ein zusätzlicher Anreiz geschaffen, die Erfahrungen und das Erlernte zu dokumentieren. An einer großen Wandtafel wurde nicht nur das Verdauungssystem einer Kuh als „Wiederkäuer“ mit ihren vier Mägen erklärt, auch Art und Menge des Futters sowie die Inhaltsstoffe der Milch.

Erstaunt waren die Kinder über die Tatsache, dass ein Landwirt 135 Personen ernährt. Überhaupt waren bei der Führung mehrfach Stimmen zu hören wie: „Das wusste ich ja noch gar nicht.“ Begriffe wie „Biestmilch“ (Milch der Mutterkuh nach der Geburt, welche ein neugeborenes Kalb als erstes zu sich nimmt) hörten die meisten ebenfalls zum ersten Mal. Eine Schülerin stand voller Bewunderung vor einer ausgewachsenen Kuh und meinte „So groß habe ich mir Dich gar nicht vorgestellt“.

Ein erst wenige Tage altes Kalb sowie etwas ältere Kälber verdeutlichten, dass es um die Nachzucht auf dem Ziegler-Hof bestens bestellt ist. „Ui, wie süß, und daraus wird mal eine Kuh, die Milch und Fleisch gibt?“, so der Kommentar eines Mädchens.

Spielerisch bekamen die jungen Besucher ein Gefühl für die Wassermenge (bis zu 150 Liter), die eine Kuh am Tag trinkt.

Das Kind hatte gut aufgepasst, als Xaver Gartmeier eingangs erklärte, dass auf seinem Hof Fleckvieh gehalten wird, welches eben ein „Zweitnutzungstier“ ist. Derzeit gibt es 38 Kühe auf Gartmeiers Hof, mit Nachzucht können es auch mal bis 50 Stück in der Spitze sein, die täglich bis 80 Kilo Gras fressen und bis zu 150 Liter Wasser trinken.

Überrascht waren die Kinder auch darüber, dass ein Kalb in den ersten 3 Lebensmonaten etwa 600 Liter Milch trinkt. Ein Gefühl für diese Menge bekamen die Kinder dadurch, dass im Stall ein entsprechender Grashaufen zu sehen war und zum Ende der Führung zwei große Tröge bereitstanden, welche per Gießkanne mit Wasser befüllt werden durften.

Keinerlei Pestizide auf dem Bio-Hof

Den größten Teil des Futters stellt der Landwirt selbst her, seine 35 Hektar Land sind zu 2/3 Grasland und zu 1/3 Ackerland. Die Kinder erfuhren dabei nicht nur was die „Fruchtfolge“ (jährliche Abfolge der Nutzpflanzen auf einem Feld) bedeutet, sondern lernten auch die verschiedenen Getreidearten, Hafer, Weizen und Gerste kennen, die neben dem Mais zur Fütterung verwendet werden dürfen. „Auf einem Bio-Hof dürfen keinerlei Pestizide verwendet werden“, machte Xaver Gartmeier deutlich und zeigte hier den Kreislauf auf, wo die Tiere zunächst das Futter zu sich nehmen, die Ausscheidungen als Dünger auf die Felder kommen und dafür sorgen, dass neues Futter wachsen kann, welches dann wieder von der Kuh gefressen wird. Mit diesem Futter wird die Qualität der Milch gewährleistet, von der die Kühe beim „Ziegler-Bauern“ durchschnittlich etwa 25 Liter am Tag geben.

Den Schülerinnen und Schülern wurde mit der Hof-Führung bewusst gemacht, wie viel Arbeit hinter einem Endprodukt wie etwa Butter. Joghurt, Käse, Quark und Sahne steckt und was erforderlich ist, um gesunde Lebensmittel in höchster Qualitätsstufe herstellen zu können.

Gewachsen war damit auch das Verständnis für die höheren Preise gegenüber Ernährungs-Produkten, die aus konventioneller Betriebsführung kommen.

Etwa 80 Kilo Gras frisst eine Kuh am Tag, erfuhren die Schüler. Einer versuchte sich fast an einer Geschmacksprobe.

Bevor es wieder zurück zur Schule ging, gaben Xaver und Georg Gartmeier neben Informationsmaterial auch eine Gratis-Kostprobe „Schoko-Milch“ mit auf den Weg. Am Nachmittag wurde das Projekt dann mit der Aufarbeitung des Bauerhof-Besuches sowie mit einem von der ehemaligen Weltcup-Skifahrerin Viktoria Rebensburg ausgearbeiteten Bewegungs-Parcours weiter vertieft.

Nicht nur körperliche Arbeit

Biobauer Xaver Gartmeier ist mit Leib und Seele Landwirt und möchte mit seinem Engagement die Natur für Kinder greifbar machen und dafür sorgen, dass sie deren Jahreslauf besser verstehen. Ihm ist es ein Anliegen, damit das Bewusstsein für den Beruf des Landwirts zu schärfen und deutlich zu machen, dass dieser Berufszweig nicht nur aus körperlicher Arbeit besteht, sondern dass man sich auch das nötige Wissen aneignen muss.

Das Projekt mit den Schülern soll nach seiner Vorstellung nicht das letzte gewesen sein. Vielmehr sollte es seiner Meinung nach den Schulklassen jedes Jahr ermöglicht werden, landwirtschaftliche Betriebe kennenzulernen. Das ist auch der Wunsch der Öko Modellregion.

3 Fragen an Barbara Pelkian, Lehrerin am Gymnasium Bad Aibling

Frau Pelikan, Sie begleiten als Lehrkraft das Projekt „Gesunde Ernährung und Fitness“. Was gehört alles dazu?

Barbara Pelikan: Neben dem Bauernhof-Besuch sind das ausreichend Bewegung mit einem von Viktoria Rebensburg ausgearbeiteten Parcours und die gesunde Ernährung. Im Grunde gehört alles zusammen.

Was sind die wichtigsten Dinge, die die Schüler auf dem Hof lernen sollen?

Barbara Pelikan: Wir wollen das Bewusstsein dafür schärfen, was überhaupt gesunde Lebensmittel sind und wo diese herkommen. Und deutlich machen, dass es gesunde Alternativen zu Chips oder Süßigkeiten gibt.

Wie haben sich die Kinder in das Projekt eingebracht?

Barbara Pelikan: Wir haben das Thema Bauernhof gemeinsam im Unterricht erarbeitet, wobei alle sehr interessiert waren. Zum Thema Ernährung gab es ein gemeinsames gesundes Frühstück.

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