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„Naturwunde(r)“

Ausstellung: Von Wundern und Wunden in den Nußdorfer Innauen

Glasgestalter Florian Lechner mit seiner Skulptur „Trauer“.
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Glasgestalter Florian Lechner mit seiner Skulptur „Trauer“.
  • VonElisabeth Kirchner
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Mit Kunst Wunden und Schönheit der Natur darstellen – dieser Spagat gelingt den 15 Künstlern der Gruppe Au eindrücklich in ihrer Ausstellung „Naturwunde(r)“ in der gläsernen Galerie der Sporthalle in Nußdorf am Inn.

Nußdorf – Schnell habe sich nach den Rodungsmaßnahmen in derNußdorfer Innau im Frühjahr die Gruppe formiert, sagte Initiator, Kulturpreisträger und GlasgestalterFlorian Lechnerin seiner Begrüßung. Aus dem Diphthong „au“ könne man viele Worte bilden: Au, Innau, Traum, Raum, Trauma, Trauer, Raubbau. Harter Tobak als Aufruf zum Mitdenken und Mitgestalten.

Eröffnung als politische Versammlung

Da passte es perfekt ins Bild, dass die Veranstaltung aufgrund der geltenden Corona-Maßnahmen als „politische Versammlung“ genehmigt worden war imd die anwesenden Künstler sich als Kunst-Ordner mit Armband ausweisen mussten.

Gedanke Albert Schweitzers

Albert Schweitzers Formulierung „soviel wie möglich Schäden, die wir anrichten, zu minimieren und auszugleichen“ haben sich die Künstler zu eigen gemacht. Und damit hat Lechner – soviel sei hier schon verraten – nicht zuviel versprochen: Ansprechende Kunstwerke, die – wenn in die gerodete Landschaft der Innauen platziert – ihrer innewohnenden Schönheit und Anmut selbst widersprechen. Da steht eine edel wirkende geschnitzte hölzerne Büste auf einem Podest, doch als quasi toter Mann auf gefällten Bäumen versinnbildlicht Josepha Grubers „Totholz“ den Raubbau an der Natur.

Bei der Tonfigur von Ursula und Alois Linder muss man nicht einmal Titel lesen. Die „Erschütterung, im Gedenken an Ernst Barlach“ steht der Figur ins Gesicht geschrieben. „Wir sind Natur“ spiegelt in einer Wasserblase nicht nur Fotografin Renate Petzold, sondern lässt gleichsam sehenden Auges die Schönheit der Farben Blau und Grün in allen Schattierungen leuchten.

„umgschnien und drübagfahn“

Die Holzskulptur aus einem Eichenstumpf hat Christian Staber mit Kettensäge bearbeitet, „umgschnien und drübagfahn“ ist Widerspruch zur Wertschätzung des Wert-Stoffes Holz. Mehr Farbe bringt Stefanie Stohwasser ins Spiel. Ihr Stilleben, eine schön gedeckte Picknicktafel, lädt zum Verweilen ein, aber ob die gerodeten Innauen dafür die geeignete Umgebung bieten? Das Ölbild „Zerstörung“ von Elisabeth Schmähling spricht mit seinen düsteren Farben Bände. Das Universum in Acryl auf Leinwand von Renate Pröbstl verändert sich je nach Umgebung von der Sternengeburt zum Planetentod.

Apfelbaum blühend und verdorrt

Die beiden Bilder von Volker Bauernfeind-Weinberger zeigen einen Apfelbaum - einmal in Blüte vor einer heilen Bergwelt und einmal verdorrt vor einem abgeholzten Erdhügel und mit einem Fragile-Sticker versehen. Schief aufgehängt und der rote Aufkleber – mehr braucht es nicht, um die Zerbrechlichkeit der Natur zu kennzeichnen. Das Foto „Wertewandel“ von Veronika Lechner zeigt Klopapierrollen auf einem abgeschnittenen Baumstumpf und trägt den Titel: „Was uns wirklich wichtig ist…“

Blattgold an Baumrinde

Andreas Kuhnlein ist mit einer hölzernen Eichenfigur vertreten, Maresa Jung wartet mit „Schnitt-Menge“, einer Fotocollage verschiedenster Baumstümpfe, auf und Klaus Kehl hat „valuable ad originem“ mit Blattgold an Baumrinde auf handgeschöpftem Büttenpapier geschaffen. Der Panoramadruck von Rudi Bartsch „Habitat erkannt?“ zeigt rote (Entnahme) und grüne (Erhalt) Forstmarkierungen auf einem einzigen Stamm – was nun also?

Florian Lechners Trauer, eine aus „Schmelzglas“ über Innsand geformte zwei Meter hohe Statuette, mutet seltsam an in grüner Natur und ist in der gläsernen Halle doch anmutiges Kunstobjekt. Die 14-jährige Clara Feigl hat vor dem Hintergrund des Heubergs ihre Gedanken zum Raubbau aufgeschrieben. „Naturwunde(r)“ – Schönheit und Mahnung zugleich.

Bis 6. Juni

Bis 6. Juni ist die Ausstellung „Naturwunde(r)“ der Gruppe Au in der gläsernen Galerie der Sporthalle Nußdorf am Inn (Flintsbacher Straße 8) tagsüber zu besichtigen. Die Besichtigung ist coronabedingt ausschließlich über den Außenbereich mit Blick in die gläserne Galerie möglich. Weitere Infos unter www.florianlechner.de/naturwunder

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