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Bayerischer Dialekt

Von „scheene Auszogne“ und „Schnaggla“: Mund-ART-Weg ist eröffnet – und „gar ned schiach“

Das Wirtshausspiel „Bierfuizlfanga“ fordert Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) und auch Kultusministers Prof. Dr. Michael Piazolo (FW), machte aber sichtlich Spaß. „Daloawed“ hat sich dabei glücklicherweise niemand.
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Das Wirtshausspiel „Bierfuizlfanga“ fordert Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) und auch Kultusministers Prof. Dr. Michael Piazolo (FW), machte aber sichtlich Spaß. „Daloawed“ hat sich dabei glücklicherweise niemand.

Nicht nur „Zuagroaste“ dürften auf dem Chiemgauer Lehrpfad der besonderen Art viel Interessantes entdecken. Kennen Sie denn Begriffe wie „daloawed“ oder „Pfinzda“?

von Petra Wagner

Prien – Am Mittwochvormittag des 19. Oktobers stand die Franziska-Hager-Mittelschule ganz im Zeichen der bayerischen Sprache – um genau zu sein, dem bayerischen Dialekt. In einer feierlichen Zeremonie wurden die Schautafeln des neuen Chiemgauer Mund-ART-Wegs, die von den rund 400 Schülern der Priener Schule kreiert worden waren, an die Bürgermeister und Touristik-Verantwortlichen der am Projekt teilnehmenden Gemeinden des Mittelschulverbands Prien, Bernau, Rimsting, Eggstätt, Breitbrunn, Gstadt und Aschau übergeben.

Kultusminister Piazolo spielt mit

Wie wichtig dieses Thema dem Land Bayern ist, zeigte die Teilnahme des Kultusministers Prof. Dr. Michael Piazolo (FW), der sich reichlich Zeit dafür nahm.

Das Projekt, das vor rund 18 Monaten seinen Anfang nahm, will mit 61 Schautafeln entlang sieben Wegen bayerische Redewendungen, Traditionen und schon längst in Vergessenheit geratene Worte den Vorbeischlendernden näherbringen. Zudem werden sie in von den Schülern originell gesprochenen Audio-Dateien erklärt; abrufbar übers Handy mittels eines QR-Codes.

Aus kreativer Beschäftigung wird Großprojekt

Wie die Lehrerinnen Andrea Fischer und Daniela Heß erläuterten, stamme die Idee von dem Aschauer Touristikleiter Herbert Reiter sowie dem Priener Lehrer der Praxisklasse Franz Wagner, die das Projekt angestoßen hätten. Was zunächst wie eine nette Idee und kreative Beschäftigung für die Schüler ausgesehen habe, habe sich zu einem Großprojekt entwickelt, so Fischer. Zunächst habe man die bayerischen Begriffe nur ins Hochdeutsch übersetzen wollen, dann aber die ersten Entwürfe komplett verworfen.

1 000 Begriffe standen zur Auswahl

Dazu hatte man im Vorfeld Listen in der Schulaula ausgehängt, in die besondere Mundart-Begriffe notiert werden konnten. Rund 1 000 Worte seien so zusammengekommen, die an die Gemeinden zur Auswahl gegangen seien, so Fischer. Rund 70 seien schließlich übrig geblieben. Jeder Ort habe sich für ein Thema wie Genuss (Aschau), Landwirtschaft (Prien), Am Bach (Breitbrunn), Brauchtum (Rimsting), Musik (Bernau) und Feste (Eggstätt) entschieden. Um dies auch optisch anschaulich zu präsentieren, wurde der Breitbrunner Grafiker Sebastian Huber für humorvolle Illustrationen beauftragt.

Dialekt als Zeichen der Heimatverbundenheit

Wie Rektor Marcus Hübl mit seinen Schülersprechern Linus Hamberger, Sophia Bless und Philipp Stöhr zu Beginn der Feier erklärte, wolle die Schule mit diesem kreativen Engagement „dem Mittelschulverband für seine große Unterstützung etwas zurückgeben“. Sie dankten Prof. Piazolo für sein Kommen, das sie als ein Zeichen der Wertschätzung erachteten. Dieser bezog in sein Grußwort die Kinder Mia und Lara mit ein.

Dass der Dialekt an Schulen wieder mehr gepflegt werden soll, sei im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Warum sei der Dialekt so wichtig? „Weil man damit merkt, wo man herkommt und wo man sich zuhause fühlt, und damit bedeutet er Heimat.“ Das Projekt sei deshalb „cool“, übernahm er die Rückmeldung der Jüngsten für sich.

Mit solchen Meilensteinen gedeiht die Gemeinschaft

Die Leiterin der Staatlichen Schulamts Rosenheim Angelika Elsner erklärte, für sie bedeute Dialekt Identität, „mir san mir, auch weil wir so reden“. Der Spaziergang über die sieben Wege solle in den Lehrplan aufgenommen werden, so ihre Anregung, damit jeder Schüler ihn einmal laufe. Die Jugendlichen hätten mit dem Projekt „Meilensteine“ gesetzt.

Mittelschulverbands-Vorsitzender und Erster Bürgermeister Andreas Friedrich bezog sich darauf, indem er sagte, es sei wichtig, dass man etwas selbst tue. Denn „wer solche Meilensteine setzt, engagiert sich auch in der Gemeinde und im Verein“. Nur so könne eine Gemeinschaft gedeihen.

Was bedeutet wohl „Schnaggla“?

Im Anschluss übergaben die jeweiligen Klassen die Schilder an die Bürgermeister der Gemeinden und unterbreiteten dazu – untermalt von Blasmusik – bayerisches Brauchtum mit „Schuhplattn“, „Dirndlndrahn“ und „Gstanzl-Singen“, Spielen wie das „Nageln“ und das „Bierfuizlfanga“ sowie einem Fragespiel, bei dem „daloawed“ (erschöpft), „Schnaggla“ (Schluckauf oder leichtes Motorrad) oder „Pfinzda“ (Donnerstag) erraten werden mussten – unter Einbeziehung von Prof. Piazolo sowie den einzelnen Bürgermeistern.

„Trauen wir es uns“

Zuvor hatte Dr. Dr. Helmut Wittmann ein Grußwort vom Bayernbund überbracht und dies teils in Gstanzln vorgetragen. Mit diesem Projekt brächten die Schüler Einheimische und Gäste sowie Jung und Alt zusammen. Zudem unterstützten sie damit die Kooperation und den Zusammenhalt unter den sieben Gemeinden. „Mundart ist unsere Kraft, sie lebt vom Sprechen – ‚Bankerl‘ und solche Wege laden dazu ein. Trauen wir es uns und sprechen wir so, wie wir es gelernt haben“, schloss er seinen Vortrag. Die offizielle Einweihung der Wege erfolgt ab den kommenden Wochenenden.

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