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Was im Ernstfall zu tun ist

“Vermisste Minderjährige” - Warum verschwinden in Bad Aibling immer wieder Jugendliche?

Wenn ein Kind verschwindet,  machen Vermisstenmeldungen schnell die Runde (Symbolfoto).
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Wenn ein Kind verschwindet, machen Vermisstenmeldungen schnell die Runde (Symbolfoto).

Vermisstenfälle sorgten zuletzt immer wieder für Aufregung in Bad Aibling . Nun erklärt die Polizei, was meist dahinter steckt. Was Eltern im Ernstfall beachten sollten und warum die Polizei zwischen Erwachsenen und Minderjährigen unterscheidet.

Bad Aibling – Wenn ein Kind verschwindet, verbreiten sich die Nachrichten meist rasant. Dann nämlich ruft die Polizei, auch mit Hilfe von Medienschaffenden, zur Mithilfe in der Bevölkerung auf. Immer wieder ist dann zu lesen: „Vermisste Minderjährige“ oder „wer hat die Person zuletzt gesehen?“. Gelegentlich tauchten solche Fälle in jüngerer Vergangenheit auch in Bad Aibling auf. So herrschte etwa am 19. Februar große Aufregung in der Kurstadt, als ein 15-jähriges Mädchen als vermisst gemeldet wurde.

Vermisstenfälle: Aufregung zuletzt im Januar und Februar in Bad Aibling

Glücklicherweise gab es schnell Entwarnung. Denn wenig später teilte die Polizeiinspektion Bad Aibling mit, dass man das Mädchen nach einem Hinweis aus dem familiären Umfeld in München unversehrt aufgreifen konnte. Einsatzkräfte aus München nahmen das Mädchen in Gewahrsam und übergaben es in die Obhut der Mutter. Bereits Ende Januar wurde eine 15-Jährige als vermisst gemeldet und – zusammen mit zwei weiteren abgängigen Mädchen – wenig später nach einem Hinweis aus der Bevölkerung durch Beamte der Polizeiinspektion Bad Aibling im Stadtgebiet wohlbehalten aufgegriffen.

Die Frage, ob gerade Bad Aibling besonders von Vermissten-Fällen betroffen ist, lässt sich jedoch schnell mit „Nein“ beantworten. Laut Johann Brumbauer, Leiter der Polizeiinspektion Bad Aibling, habe man hier definitiv kein grundsätzliches Problem mit vermissten Minderjährigen. „Es sind eigentlich immer die fünf, sechs gleichen Personen“, sagt der Polizeichef auf Nachfrage des Mangfall-Boten. Dabei gehe es meist darum, dass die Minderjährigen Streit mit ihren Eltern hatten und daraufhin von zuhause weggelaufen sind.

„Kontaktieren Sie sofort die Polizei“

Deshalb, so Brumbauer, sei Bad Aibling keineswegs ein Ort, an dem zahlreiche Minderjährige verschwinden. Für den Fall allerdings, dass das eigene Kind tatsächlich nicht mehr nachhause kommt, gibt Brumbauer dennoch eine klare Empfehlung an alle besorgten Eltern: „Kontaktieren Sie sofort die Polizei.“ Im Ernstfall gehe es immer auch um den Faktor Zeit und man sollte diese nicht verstreichen lassen, sondern erst danach im Freundes- und Bekanntenkreis herumfragen.

Johann Brumbauer, Leiter der Polizeiinspektion Bad Aibling, gibt in Sachen Vermisstenfälle Entwarnung.

Sollte es sich bei Vermisstenfällen tatsächlich um Straftaten handeln, dann ist häufig auch der „Weisse Ring“ mit im Boot. Er versteht sich als lokaler Ansprechpartner in Sachen Kriminalprävention und Opferhilfe. Gegenüber dieser Redaktion teilte Günter Schwarz, Präventionsbeauftragter für Bayern Süd, auf Nachfrage mit, dass es in Zusammenhang mit Vermisstenfällen in der Region glücklicherweise zu „sehr sehr wenigen“ Straftaten komme.

Weisser Ring empfiehlt „offenes Eltern-Kind-Verhältnis“

Er geht davon aus, dass Probleme im häuslichen Umfeld dazu führen, dass Minderjährige von sich aus von zuhause weglaufen. Grundsätzlich empfiehlt er Erwachsenen, ein „offenes Eltern-Kind-Verhältnis“ zu pflegen. Präventiv sei es demnach sinnvoll, Kindern generelle Verhaltensweisen mit auf den Weg zu geben, etwa dass man nicht mit fremden Menschen mitkommen sollte. Sollte das Kind tatsächlich verschwinden, dann sagt auch er: „Polizei informieren und logischerweise alle Kontakte abklappern“, so Schwarz.

Zu Hintergründen von häuslichen Konflikten, etwa wie es dazu kommen kann, dass Kinder von sich aus weglaufen, konnten verschiedene Jugendeinrichtungen auf Nachfrage, auch zum Schutze ihrer Klienten, keine Auskunft geben.

Klare Vorgaben des Bundeskriminalamtes

Für die polizeiliche Arbeit gibt es indes klare Handlungsvorgaben, wie mit Vermisstenfälle umzugehen ist. Laut dem Bundeskriminalamt wird eine Person in der Regel von den Angehörigen oder Bekannten bei der Polizei als vermisst gemeldet, wenn sie aus unerklärlichen Gründen von ihrem gewohnten Aufenthaltsort fern bleibt. Die Polizei leitet dann eine Vermissten-Fahndung ein, wenn die Person „ihren gewohnten Lebenskreis“ verlassen hat, ihr derzeitiger Aufenthalt unbekannt ist und „eine Gefahr für Leib oder Leben“ (beispielsweise Opfer einer Straftat, Unfall, Hilflosigkeit oder Selbsttötungsabsicht) angenommen werden kann. Dabei unterscheidet das Bundeskriminalamt zwischen Minderjährigen und Erwachsenen. Letztere haben demnach das Recht, ihren Aufenthaltsort frei zu wählen, auch ohne diesen Angehörigen oder Freunden mitzuteilen.

Anders ist es bei Minderjährigen. Laut Bundeskriminalamt dürfen Personen im Alter von bis zu 18 Jahren ihren Aufenthaltsort „nicht selbst bestimmen“. Bei ihnen werde grundsätzlich von einer Gefahr für Leib oder Leben ausgegangen. Sie gelten für die Polizei bereits als vermisst, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben und ihr Aufenthalt nicht bekannt sei. Vermisste Minderjährige werden, wenn die Polizei sie antrifft, so lange in staatliche Obhut (etwa in eine Jugendeinrichtung) genommen, bis eine Rückführung des Vermissten zum Sorgeberechtigten gewährleistet ist.

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