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Serie: Unterwegs mit...

Kühlbaguette-Erfinder Frank Salzer auf neuen Wegen

Frank Salzer: In der Lebensmittelbranche ging er neue Wege und wurde Vater des gekühlten Kräuterbutterbaguettes. Jetzt in der Rente erfindet er neue Wanderungen rund um Edling und die Region.Huber
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Frank Salzer: In der Lebensmittelbranche ging er neue Wege und wurde Vater des gekühlten Kräuterbutterbaguettes. Jetzt in der Rente erfindet er neue Wanderungen rund um Edling und die Region.Huber
  • Sophia Huber
    VonSophia Huber
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Frank Salzer: In der Lebensmittelbrachen ist er bekannt als der Erfinder der gekühlten Backwaren, jetzt erfindet er Wanderungen rund um Edling. Die Wasserburger Zeitung war mit ihm unterwegs.

Edling – Frank Salzers Lebensmotto lautet: Neue Wege gehen. So bin ich zum ungewöhnlichsten Termin meiner bisherigen beruflichen Karriere gekommen. Kein Telefoninterview, kein kurzer Treff – das war die Bedingung für die Verabredung mit einem der größten Innovatoren der Lebensmittelbranche. Frank Salzer möchte mit mir wandern gehen, seine neue große Leidenschaft mit mir teilen.

Zehn Kilometer zu Fuß

Der Edlinger Bahnhof ist an diesem Dienstagmorgen um 9 Uhr verlassen, die Pendler sind bereits auf dem Weg zur Arbeit. Nur ein lächelnder Mann mit blauer Jacke wartet hier, aber nicht auf den Zug, sondern auf mich. Wir sind verabredet, um die etwa zehn Kilometer von Edling nach Soyen zu Fuß zurückzulegen.

Seit 33 Jahren lebt der gebürtige Stuttgarter schon in Edling, ein bisschen von dem schwäbischen Akzent ist trotzdem geblieben. In der Gemeinde kennt man ihn als den Mann, der die Fotos macht. In der Lebensmittelbranche kennt man Salzer als Erfinder der gekühlten Backwaren.

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Viele Patente, Gebrauchsmuster und Erfindungen hat er in seinen 38 Jahren Tätigkeit in der Produktentwicklung gemacht. Darunter auch das berühmte Kräuterbutterbaguette. Was heute beim Grillen in fast jedem deutschen Haushalt nicht fehlen darf, war damals eine Innovation, denn noch nie zuvor hatte es Backwaren im Kühlregal gegeben.

„Ohne Widerstand ist es keine Innovation, sondern Evolution“

„Bäckerlehrlingen wird noch heute im ersten Lehrjahr beigebracht, dass Backwaren nicht gekühlt werden sollen“, sagt Salzer. Sie würden sonst schnell altbacken. Es war deshalb logisch, dass Salzer und sein Team mit ihrer Idee auf Widerstand stießen. Doch Gegenwind zu bekommen, hat Salzer noch nie gestört: „Wenn ich keinen Widerstand habe, ist es auch keine echte Innovation. Das ist Evolution.“ Und Innovation, ein neuer Weg, den noch niemand zuvor beschritten hat, ist genau das, was Salzer in seinem Leben immer gesucht hat.

So ist auch das Lächeln auf seinen Lippen zu erklären, als er sagt: „Die Wanderung heute, die bin ich auch so noch nie gegangen.“ Hinter jeder Ecke lauert für ihn ein Abenteuer. Hinter jeder Biegung gibt es Neues zu entdecken. Das Gehirn braucht Stimulation, sagt Salzer – konstant, sonst wird es dem Tüftler langweilig.

Nicht in Schubladen denken

Die Lebensphilosophie, er-zählt er, hat er sich bei einem Seminar angeeignet. Eine simple Übung hat ihn geprägt. „Wir sollten ein Papierflugzeug bauen und so weit wie möglich fliegen las-sen.“ Die Basteleien flogen allesamt gegen eine Wand. „Dann hieß es, warum habt ihr nicht das Fenster oder die Tür aufgemacht, der Gang ist 30 Meter lang?“ Viele Leute, sagt Salzer, würden in Schubladen denken, das große Ganze nicht sehen. „Dabei ist es doch so einfach, die Tür aufzumachen.“ Nichts anderes habe er beim gekühlten Kräuterbutterbaguette gemacht.

Dabei war eigentlich überhaupt nicht klar, dass Salzer studieren, geschweige denn in die Lebensmitteltechnologie einsteigen würde. „Meine Eltern hatten nicht viel“, erklärt der 64-Jährige. Mütterlicherseits war die Familie aus Böhmen geflohen, väterlicherseits wurde sie im Krieg ausgebombt. Seine Großeltern lebten deshalb zu viert in einer Wohnung zusammen.

Salzer selbst war bis zum 14. Lebensjahr auf der Hauptschule. „Dann kam ein Erlebnis, das eigentlich mein ganzes Leben geprägt hat.“ Von Nachbarn hörte die Familie von einem Aufbaugymnasium in Schwäbisch Hall, einem Internat. Salzer bewarb sich, wurde genommen und machte sein Abitur.

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Die Zeit dort hat ihn geprägt, nicht nur, weil er bereits mit 14 Jahren auf eigenen Beinen stand. „Es war ein wahnsinniger Zusammenhalt in unserer Gruppe“, erinnert er sich. Man habe aufeinander geachtet, sich gegenseitig unterstützt. Die Dankbarkeit, diese Zeit erleben zu dürfen, sitzt bei Salzer tief.

Umso größer war der Schock, als er dann an der Universität Hohenheim mit dem Studium anfing. „Da war plötzlich alles anders.“ Jeder Studierende hätte nur für sich gekämpft. Salzer fand dieses „Ellenbogen ausfahren“ schrecklich. Zweimal wechselte er den Studiengang. „Zuerst habe ich Verfahrenstechnik studiert“, sagt er. „Aber nur zwei Wochen.“ Der überfüllte Hörsaal, Studenten, die auf den Treppen sitzen: „Das ging gar nicht.“

Er wechselte zunächst ins Lehramt, dann in die Lebensmitteltechnologie. Nach dem Abschluss landete er zunächst in Heidelberg. Kurz bevor seine beiden Kinder in den Kindergarten kamen, nutzte Salzer die Chance und wechselte zu Meggle. „Es war einfach jetzt oder nie“, erklärt er. Schließlich habe er die Kinder nicht aus der Schule und ihrem Freundeskreis reißen wollen. Aber wie so oft in seinem Leben musste einfach ein neuer Weg her.

Neue Wege auch in der Rente

Auch jetzt noch, obwohl er mit seinen 64 Jahren schon die Rente genießt. Inzwischen sucht er sich die neuen Wege aber in der Heimat. Die meisten Wanderungen, die er geht, „erfindet“ er selbst. Über 70 Stück hat er bereits auf seiner Facebook-Seite „Wandern mit Frank in Edling und Umgebung“ gepostet. Sein Fokus auf die Heimat hat einen einfachen Grund: „Wanderführer für die Berge gibt es schon genug“, sagt er. An ein Angebot für Edling und Umgebung habe aber noch niemand gedacht.

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Das Wandern war schon immer Teil seines Lebens. Seine Eltern, die Mutter war Hausfrau und der Vater Schlosser, hätten ihn und seine beiden Brüder oft am Wochenende ins Auto gesteckt, um in die Natur zu fahren. Mit den Wanderungen zu Hause begann er aber erst vor zehn Jahren. Gemeinsam mit seiner Frau beschritt er damals den Jakobsweg von Edling zum Bodensee. „Da habe ich erst gemerkt, wie wenig ich von der Umgebung kenne“, sagt Salzer.

Bekannt ist Frank Salzer vor allem, als der Mann, der die Fotos macht.

Sechs Wochen nahm er sich daraufhin Zeit und wanderte in der Umgebung umher, schoss Fotos, die heute die Postkarten und Webseiten des Ortes zieren. Die Natur ist dabei für ihn Entspannung und Quelle der Kreativität zugleich. „Ich habe noch nie etwas erfunden, während ich am Schreibtisch saß“, sagt er mit Überzeugung. Das Gehirn brauche neue Eindrücke. Auch anderswo.

Ganzheitlichkeit ist von zentraler Bedeutung

In der Kunst zum Beispiel, die ist für ihn nicht so weit weg von seiner Tätigkeit als Erfinder. „Kunst ist, etwas zu machen, was keiner davor gemacht hat“, sagt er. Das habe er auch immer seinen Mitarbeitern mitgeben wollen. Mitarbeiterförderung sei wichtig für einen Chef. „Wenn ich meine Mitarbeiter nicht einbeziehe, dann gehen sie in die passive Kündigung“, das sei ganz logisch. Wenn sie aber mitwirken können, „dann hat jeder das Gefühl, Teil eines Erfolgs zu sein.“ Diesen Führungsstil hat er übertragen aus den Jahren als Jugendtrainer beim Fußballverein. „Da kann man auch nicht davon ausgehen, dass die Spieler bleiben“, sagt Salzer. „Wenn die unzufrieden sind, dann sind sie weg.“

Generell sei ihm Ganzheitlichkeit wichtig. „Ich wollte immer wissen, wo alles herkommt“, sagt er. Von seinem Team habe er des- halb auch immer erwartet, dass es sich mit den Rohstoffen befasst und bei der ersten Produktion von neuen Produkten mit an der Produktionslinie steht. „Nur so weiß man, wo es noch hakt, wo man noch etwas verändern muss.“ Damit man ganz sicher weiß, ob der neue Weg auch der richtige ist.

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