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Boom in problematischen Zeiten

„Ur-Angst“: Worüber bei der Wasserburger Eheberatung am häufigsten gestritten wird

Wenn nur noch gestritten wird, helfen Ehe- und Familientherapeutin Petra Honal (links) und Diplom-Psychologin Brigitte Hauner-Münch (rechts). Nicht im Bild Psychologin Nicole Katzung, die ebenfalls in der Wasserburger Beratungsstelle arbeitet.
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Wenn nur noch gestritten wird, helfen Ehe- und Familientherapeutin Petra Honal (links) und Diplom-Psychologin Brigitte Hauner-Münch (rechts). Nicht im Bild Psychologin Nicole Katzung, die ebenfalls in der Wasserburger Beratungsstelle arbeitet.

Hier wird geweint, gestritten und an oft jahrelang gereiften Konflikten gearbeitet: Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Erzdiözese München-Freising befindet sich in der Wasserburger Herrengasse. Gerade jetzt, in Zeiten immer neuer Krisen, ist sie gefragter denn je.

Wasserburg – 184 Personen haben 2021 die Beratungsstelle Wasserburg aufgesucht. 2022 werden es wohl noch mehr sein. „Inzwischen haben wir eine Warteliste“, erzählt Brigitte Hauner-Münch, die die Beratungsstellen in Rosenheim und Wasserburg leitet.

Vielfältige Themen werden bearbeitet

Die Themen, so vielfältig, wie das Leben selbst. „Es geht um Konflikte im Beruf, im Privaten“, erzählt Petra Honal, die gemeinsam mit Nicole Katzung die Beratungen in Wasserburg übernimmt. Auch Scheidung und Trennungsberatung werde hier geleistet. „Da geht es oft darum, wie können wir uns fair trennen. Wie kommen wir da gut durch. Oft spielen dort auch die Kinder und der weitere Umgang mit den Kindern eine Rolle“, erzählt Hauner-Münch. Den größten Teil nehme jedoch das Thema Partnerschaft und Sexualität ein.

Meist seien es Paare, im Alter zwischen 30 und 60 Jahren, die in die Herrengasse neun kommen, um an ihrer Beziehung zu arbeiten. Oft seien sie eingenommen vom Alltag und lange brodelnden Konflikten. „Wir streiten nur noch“, dieser Satz falle häufig während den Erstgesprächen.

Wenig Zeit für die Beziehung

„Das ist ja auch verständlich“, erzählt Hauner-Münch, „gerade in dieser Zeit hat man oft einen stressigen Alltag. Da sind Kinder, die Karriere, der Hausbau.“ Für die Beziehung bleibe da wenig Zeit. „Im Durchschnitt redet ein Paar sieben Minuten miteinander, in denen es nicht um Alltagsthemen, wie was essen wir heute, geht“, sagt Honal. Das sei zu wenig Zeit, um eine gesunde Partnerschaft zu führen. Bei vielen seien Affären und ständige Konflikte die Folge. „Eine Beziehung ist Arbeit“, erklärt Honal. Viele Paare würden das vergessen. „Wir sind dafür da, um das Bewusstsein dafür zu schaffen.“

„Momente sammeln“

Ein großer Teil der Beratung sei deshalb auch Ressourcenarbeit. Die Paare, sagt Honal, würden im Stress und im grauen Alltag vergessen, warum sie sich in den Partner verliebt haben. „Eine der ersten Fragen, die wir stellen, ist: Was schätzen Sie an Ihrem Partner?“, erzählt Honal. „Dann stellt man auch oft fest, wie viel da noch da ist. Etwas, was die Paare oft selbst gar nicht mehr wissen“, setzt Hauner-Münch hinzu.

Ein zweiter wichtiger Punkt sei, wieder Raum für positive Erfahrungen miteinander zu schaffen. „Momente sammeln“ habe es eine Klientin von ihr genannt, erzählt Honal. „Das finde ich eine sehr schöne und passende Bezeichnung.“

Die Beratungen seien kostenlos. „Wir arbeiten auf Spendenbasis“, erklärt Hauner-Münch. Denn auch Paaren, die wenig Einkommen haben, solle der Zugang zur Beratung ermöglicht werden.

Zudem seien die Beratungen für alle Konfessionen und sämtliche Personen und Paare offen. Knapp die Hälfte der Personen würden einzeln kommen. „Aber auch die stehen in Beziehung“, sagt Honal. Mit den Eltern, mit den Kollegen, mit den Geschwistern.

Die immer neuen Krisen zeigen sich dabei auch in ihrer Arbeit. Corona, Krieg und Inflation würden die Menschen herausfordern und verunsichern. „Während den Lockdowns hatten wir viel mit dem Thema Homeschooling und Homeoffice zu tun“, erzählen Honal und Hauner-Münch. Ohne Ablenkung und Ausweichmöglichkeiten seien Konflikte oft hochgekocht. „Hier in der Gegend haben wir ja noch das Glück, dass die meisten Familien einen Garten haben“, erzählt Hauner-Münch, „aber für Familien, die in kleinen Wohnung leben, war das eine große Herausforderung.“

Beziehungen werden zum Schutzraum

Seit diesem Jahr stehen die Beratungsstellen vor einer weiteren Herausforderung. „Der Krieg hat eine Ur-Angst hervorgerrufen“, so Honal. Für viele Familien komme noch die finanzielle Belastung durch die Inflation hinzu. „Die Menschen haben Angst, sie wissen nicht, wie es weitergeht.“

Eine Herausforderung, die aber auch Chancen biete, so die Überzeugung der beiden Therapeutinnen. „Ich habe das Gefühl, dass viele gerade jetzt festgestellt haben, wie viel Sicherheit ihnen ihre Beziehung geben kann“, erzählt Honal. Viele würden ihre Beziehung gerade jetzt als Schutzraum empfinden. Umso wichtiger sei es, auf gesunde Beziehungen zurückgreifen zu können. „Und das ist Arbeit.“

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