Herz für zutrauliche Tuxer-Rinder

Albert Latein züchtet in Kerschdorf fast ausgestorbene Rinderrasse

Albert Latein ist begeistert von seinen Rindern, die über Eigenschaften wie Leistungsfähigkeit, Genügsamkeit, Zähigkeit, Ausdauer, Anpassungsfähigkeit und Trittsicherheit in schwierigem Gelände verfügen.
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Albert Latein ist begeistert von seinen Rindern, die über Eigenschaften wie Leistungsfähigkeit, Genügsamkeit, Zähigkeit, Ausdauer, Anpassungsfähigkeit und Trittsicherheit in schwierigem Gelände verfügen.

Fällt im Wasserburger Raum der Name Latein in Verbindung mit Kerschdorf, so denkt man sofort an den ortsansässigen Holzbau- und Zimmerei-Betrieb.

Eiselfing - Dass mit dem Namen aber auch Deutschlands größter Zuchtbetrieb für eine schon mal fast ausgestorbene Rinderrasse verbunden ist, wissen bisher dagegen eher nur die Eingeweihten. Vor gut acht Jahren hat nämlich Albert Latein seine Leidenschaft für Tuxer-Rinder entdeckt und seither seinen Bestand, derzeit 15 Tiere, kontinuierlich aufgebaut.

Auch im Winter auf der freien Wiese

Auf acht Hektar verteilt sich der Auslauf der zutraulichen Tiere, die auch in den Wintermonaten draußen bleiben können und sich ihrer Freiheiten sichtlich erfreuen.

Ins Schwärmen gerät Züchter Albert Latein, wenn er von seinen Tieren berichtet. Die ersten zwei Tuxer Jungrinder habe er bei einer Wanderung im Karwendelgebirge bei Karl Mair gekauft, welcher seit 35 Jahren intensiv mit der Zucht befasst sei, berichtet er. Und da sich die eigene, langjährig betriebene Pferdezucht im landwirtschaftlichen Nebenerwerb nicht mehr so gerechnet habe, sei er 2013 umgestiegen.

Streicheleinheiten, die dem Tier und dem Züchter guttun.

Aus dem Pferdestall sei ein Kuhstall geworden und nach und nach habe er sich in die Feinheiten der Tux-Zillertaler Zucht eingearbeitet. Zudem hätten ihn die Eigenschaften dieser Rasse begeistert, denn die Tiere seien vor allem nicht nur friedlich, sondern auch pflegeleichter als andere Rassen.

Besonders freut Latein, dass seine Landwirtschaft im Moment als Bio-Umstellungsbetrieb geführt wird, das heißt unter anderem, weder Kunstdünger noch Spritzmittel werden verwendet. Ab 2022 kann somit auch Bio-Fleisch produziert werden. Dazu komme, so Latein, dass die Tuxer bei der Ausschlachtung im Vergleich mehr Fleisch hergäben. Dies erweise sich heutzutage als besonderes Plus in der Zucht.

Auch die Begeisterung, eine solch besondere Rinderrasse zu betreuen, merkt man Albert Latein an. Denn vor etwa 50 Jahren, so erzählt er, galten die Tuxer, eine im 19. Jahrhundert vor allem im Zillertal, Pustertal und Unterinntal verbreitete Tiroler Rinderrasse, beinahe schon als ausgestorben, obwohl sie schon immer als besonders zäh galten. So berichten Geschichtsbücher von 13 Tux-Zillertalern, die 1848 sogar einen rekordverdächtigen 2.300 Kilometer langen, mehr als zwei Monate dauernden Viehtrieb ins russische Sysran schadlos überstanden.

Neugierig beäugen die Tuxer-Rinder den Fotografen. Rieger

1971 wurde vermeintlich die angeblich letzte Tuxer Kuh geschlachtet und als Besonderheit im Haus der Natur in Salzburg ausgestellt. Dank des öffentlichen Interesses fanden sich aber in der Folge doch noch weitere Exemplare der Rasse auf verschiedenen Tiroler Höfen. Unter anderem mithilfe des Tierparks Hellbrunn gelang es vor 40 Jahren durch Einkreuzungen dann, die Tux-Zillertaler Rinder wieder langsam zu vermehren. Die ab 1935 allein zählenden wirtschaftlichen Interessen und militärischen Versorgungsstrategien hatten jedoch den Bestand fast gänzlich zum Verschwinden gebracht.

Heute spielen, im Gegensatz zu früher, die besonderen, alten Eigenschaften der Tiere, wie Leistungsfähigkeit, Genügsamkeit, Zähigkeit, Ausdauer, Anpassungsfähigkeit oder Trittsicherheit auch in schwierigem Gelände wieder die Hauptrolle. Auch die optimale Futterverwertung und die Ausgewogenheit in Milch- und Fleischleistung zählen im Zuchthof Latein.

Durch den ganzjährigen Weidezugang, das Leben im Herdenverband und die späte Trennung der Kälber vom Muttertier im Alter von sechs Monaten zeichnet sich die Haltung vor allem aus, verrät Albert Latein. Dadurch erhält besonders das Ochsenfleisch seine optimale Marmorierung und die gewünschte, feine Faserstruktur, schwärmt er. Obendrein erhöhten ganzjährige Zufütterung von Heu und das langsamere Wachstum zusätzlich die Qualität des Fleisches.

Weiterer Nachwuchswird erwartet

Latein erwartet demnächst auch wieder Nachwuchs auf seiner Weide. Dass die richtigen Eigenschaften und klassische Körpermerkmale wie gedrungene Kopfform und gerade Rückenlinie passen, dafür sorgen die Gene Südtiroler Stiere. Und besonders freut den Züchter dann, wenn sich beim Nachwuchs auch die typische, weiße Fleckzeichnung an den richtigen Stellen zeigt.

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