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Was die Gemeinde zu dem „Umweltdesaster“ sagt

Fischer in der Region sind sauer: Geht in Soyen einer der letzten Laichplätze für die Nase verloren?

Die Fischart Nase ist bedroht, auch in der Region, denn einer der letzten Laichplätze in Soyen droht verloren zu gehen.
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Die Fischart Nase ist bedroht, auch in der Region, denn einer der letzten Laichplätze in Soyen droht verloren zu gehen.

Der Landesfischereiverband sieht einen der letzten Laichplätze für die Nase in Gefahr. Und wirft den zuständigen Behörden Untätigkeit vor. Doch die Problematik ist komplex. Es geht auch um die Frage, was wichtiger ist: Die grüne Stromerzeugung oder der Artenschutz?

Soyen – Udo Steinhörster ist sauer: „Wir zeigen mit dem Finger auf andere, etw auf Brasilien mit der Abholzung des Regenwalds, und bei uns ist es nicht besser.“ Steinhörster ist Fachbeirat für Natur- und Artenschutz beim Landesfischereiverband Bayern und beschäftigt sich unter anderem mit der Fischart Nase. Diese Tiere waren bis vor einigen Jahrzehnten die Leitfische im Inn, inzwischen gelten sie in Bayern als gefährdet. Nun, so sind viele Angler der Region überzeugt, drohe ein weiterer Laichplatz in Soyen verloren zu gehen. In einer Pressemitteilung machte der Fischereiverband Oberbayern auf das „Umweltdesaster“ aufmerksam.

„Die Behörden handeln nicht“

„Einer der letzten Laichplätze der mittlerweile in Bayern gefährdeten Fischart Nase droht durch Wasserentzug und Gewässerverschmutzung jetzt endgültig verloren zu gehen“, heißt es in der Mitteilung. „Die zuständigen Behörden handeln nicht.“

Speziell geht es dabei um eine Stelle im Nasenbach, in der Nähe vom Soyener Ortsteil Königswart. Ein wichtiger Laichplatz für die bedrohte Art, der seit Jahren unter notorischem Wasserentzug leide. Denn seit der Inbetriebnahme des Soyenseekraftwerks im Jahr 1923 werde der Nasenbach vollständig in den Soyensee abgeleitet und von dort durch einen Stollen über die Innleite dem Kraftwerk Vorderleiten zum Zwecke der Stromerzeugung zugeführt. „Das führt zu Niedrigwasser, wodurch die Fische hier nicht mehr ablaichen können“, erklärt Steinhörster auf Anfrage.

Verband klagt gegen Genehmigungsbescheid

Das allein sei ein gravierendes Problem, hinzu komme aber, dass sich das noch vorhandene Restwasser vor allem aus der Soyener Kläranlage und aus dem Altdorfer Mühlbach, der ebenfalls mit Abwasser vorbelastet sei, speise. Eine Situation, die für Verwirrung beim Fischereiverband sorgt. „Normalerweise dürfen Kläranlagen nur in Gewässer einleiten, die über ein ausreichendes Aufnahmevermögen verfügen“, erklärt der Verband in seiner Pressemitteilung. Aus diesem Grund habe der Landesfischereiverband Bayern als anerkannter Naturschutzverband im Frühjahr 2021 Klage gegen den Genehmigungsbescheid der Kläranlage Soyen (Mühltal) vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht in München erhoben. Ziel der Klage sei die behördliche Festlegung einer angemessenen Restwassermenge im Nasenbach. „Das ist eine Kloake“, findet auch Jürgen Hucul, Vorsitzender des Anglerbunds Isaria, dessen Gebiet sich bis zum Nasenbach erstreckt, zu, „anders kann man das gar nicht beschreiben.“

Hucul setzt sich ebenfalls für den Erhalt der Nase ein und das nach eigenen Angaben nicht aus eigennützigen Gründen. „Aus Sicht der Fischerei bringt uns das nichts“, betont er, schließlich sei die Nase geschützt und könne nicht gefischt werden. „Hier geht es um Naturschutz.“ Es sei ihm schlicht wichtig, Arterhalt zu betreiben. „Die Nase war bis vor dreißig Jahren eine der Leitfische im Inn, die gehört da einfach hin.“ Die „Kloake“ am Nasenbach bereite ihm große Sorgen, denn sie könnte, so glaubt Hucul, gravierende Folgen haben. „Auch wenn das Wasser hoch genug wäre und die Fische Zugang zum Laichplatz hätten, kann dieser aufgrund der schlechten Wasserqualität kaum genutzt werden.“

Bestand nimmt Jahr für Jahr ab

Das macht auch die Pressemitteilung des Fischereiverbands Oberbayern deutlich: „Der Bestand laichender Nasen nimmt Jahr für Jahr ab. Im letzten Jahr waren es vielleicht noch 100 Laichfische.“ Sollte das Laichgeschäft heuer aufgrund der geringen Wasserführung ausfallen, so bestehe die Gefahr, dass die lokale Nasenpopulation am Nasenbach erlösche. Denn: „Wenn die Fische einmal weg sind, dann sind sie weg und kommen auch nicht wieder“, erläutert Steinhörster. Der Bestand könne nicht wieder erneuert werden. „Sie finden die Laichplätze niemals wieder.“ Es drohe die Gefahr, dass die Nase aus dem Inn verschwinde. Denn der Fisch brauche die wärmeren Nebenflüsse, um zu laichen. „Der Inn ist durch das Schmelzwasser zu kalt“, erklärt Steinhörster.

Wunsch: Wasserstand ausgleichen

Dabei sei die Lösung des Problems relativ einfach, so Steinhörsters Überzeugung. „Man müsste den Zulauf vom Soyenersee öffnen“, dadurch könne der Wasserstand ausgeglichen werden und eine Verdünnung des Abwassers erfolgen. Ein solcher Zulauf müsse auch nicht das ganze Jahr über erfolgen. Lediglich zur Laichzeit zwischen März und Mai. „Danach ziehen die Jungfische sowieso zurück in den Inn.“

Interessen höher als Naturschutz?

Doch, obwohl die Situation schon lange bekannt sei, würden die zuständigen Behörden nichts unternehmen, so der Fischereiverband Oberbayern. Zuständige Sachbearbeiter vom Wasserwirtschaftsamt und dem Landratsamt in Rosenheim hätten bereits 2016 eine Verbesserung der Situation am Nasenbach für erforderlich gehalten. Geschehen sei nichts. „Offensichtlich wiegen die wirtschaftlichen Interessen der Kraftwerksbetreiber höher als die naturschutzfachlichen Belange“, ist der Verband überzeugt.

Niedrigwasser aufgrund einer Ableitung des Nasenbachs, macht den Laichplatz für Fische unzugänglich, finden Fischer.

Das sagt Soyens Bürgermeister

Soyens Bürgermeister Thomas Weber verweist auf die komplexe Situation rund um den Soyensee und den Nasenbach. „Hier wird der Hochwasserschutz geregelt. Da hängt viel dran, auch für den Ort Soyen. Und auch die Stromerzeugung mit dem Kraftwerk spielt eine Rolle.“ Vor einigen Wochen habe es eine Begehung des Nasenbaches mit Zuständigen vom Wasserwirtschaftamt gegeben, um zu klären, wie die Situation verbessert werden könne. „Aber das wird dauern. Es gibt keinen Schalter, den ich einfach umlegen kann, um Wasser einzuleiten.“ Bei der Kläranlage, deren Restwasser laut Fischereiverband keine ausreichende Qualität habe, sieht Weber keinen Handlungsbedarf. „Unsere Werte sind gut“.

Die Stellungnahme des Landratsamtes Rosenheim zur Kritik lag bis Redaktionsschluss, Freitagabend, 6. Mai, noch nicht vor. Weiterer Bericht folgt.

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