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Kein „zeitgemäßes Bild von Pferden als Lebewesen“

Rosenheimer Politikerin fordert Verbot für Ponyreiten auf dem Herbstfest

Seit 1953 gibt es, mit Unterbrechungen, eine Ponyreitbahn auf dem Rosenheimer Herbstfest. Jetzt könnte damit bald Schluss sein.
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Seit 1953 gibt es, mit Unterbrechungen, eine Ponyreitbahn auf dem Rosenheimer Herbstfest. Jetzt könnte damit bald Schluss sein.

Das Ponyreiten auf Volksfesten steht in der Kritik. In München hat man sich deshalb darauf geeinigt, dass ab dem 1. Januar 2024 keine Reitgeschäfte mehr auf städtischen Flächen und Veranstaltungen zugelassen werden. Auch in Rosenheim gibt es Politiker, die sich für eine solche Regelung stark machen.

Rosenheim – Seit zehn Jahren sind Virginia und Ronny Kaiser auf dem Rosenheimer Herbstfest zu Gast. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern betreibt das Paar die Pferdereitbahn. Die beiden stammen aus einer Schaustellerfamilie, haben schon immer mit Tieren zu tun gehabt. „Für uns sind die Pferde Familienmitglieder“, sagt Virginia Kaiser.

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Sie lebt für ihre Arbeit, freut sich, den „Kinder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“. Viele hätten, so sagt sie, weder das Geld noch die Möglichkeit, einmal auf einem Pferd zu sitzen. Die Pferdereitbahn, die das Paar auf insgesamt sechs Volksfesten anbietet, würde Kindern genau diese Möglichkeit bieten.

Viel Kritik für ihre Arbeit

Doch in den vergangenen Jahren haben Virginia und Ronny Kaiser immer mehr Kritik für ihre Arbeit bekommen. In Rosenheim demonstrieren jedes Jahr Tierschützer vor ihrem Karussell und setzen sich für eine Abschaffung ein. Ende 2020 wurden in einer Petition zudem 2531 Unterschriften gegen Ponykarussells auf dem Rosenheimer Herbstfest gesammelt.

Ehepaar erfüllt alle Auflagen

„So was macht mich wahnsinnig traurig“, sagt Virginia Kaiser. Unter anderem auch deshalb, weil sie die Kritik nicht nachvollziehen kann. „Wir erfüllen alle tierrechtlichen Auflagen“, sagt sie.

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Die 30 Pferde würden viele Pausen bekommen und zwischen den Auftritten auf einer großen Koppel beherbergt werden. „Wir haben nichts zu verbergen und bieten während der Volksfeste auch immer wieder die Möglichkeit an hinter die Kulissen zu schauen“, sagt Kaiser.

Verbot in München

Ein Blick nach München verrät, dass all diese Maßnahmen nicht auszureichen scheinen. Grüne, SPD und Linke hatten sich hier für ein Verbot ab 2024 ausgesprochen. In der Landeshauptstadt werden ab diesem Zeitpunkt weder auf dem Frühlings- noch auf dem Oktoberfest Manegen-Ausritte möglich sein.

Antrag an Oberbürgermeister März

Die Rosenheimer Stadträtin Ricarda Krüger (Die Partei) will genau so ein Verbot jetzt auch in Rosenheim durchsetzen. In einem Antrag an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) fordert sie die Verwaltung auf, Pony- und Pferdereiten auf dem Herbstfest und anderen Festen, die im Stadtgebiet stattfinden, ab 2022 zu untersagen.

„Pferde sind Fluchttiere“

„Pferde sind Fluchttiere und leiden daher unter der permanenten Lärmbeschallung durch Musik, Lichter und Besucher auf Jahrmärkten“, sagt Krüger. Das „stupide Laufen im Kreis“ würde kein „zeitgemäßes Bild von Pferden als Lebewesen“ vermitteln, sondern vielmehr das „Bild eines Konsumgutes“. „Es gibt keine Interaktion zwischen Kindern und Tieren“, kritisiert Krüger. Stattdessen schlägt sie vor, dass die Kinder den Kontakt zu Pferden und Ponys auf einem der zahlreichen Höfe im Stadtgebiet suchen.

Kein Ausbleiben von Besuchern befürchtet

„Ich glaube nicht, dass ein fehlendes Ponykarussell zu einem Ausbleiben von Besuchern auf dem Herbstfest führen wird“, sagt Krüger. Im Gegenteil. Sie glaubt, dass der Ruf des Herbstfestes unter dem Ponykarussell leidet und „Rosenheim als rückschrittliche Stadt ohne Tierschutzbemühungen“ zeigt.

Ausschreibeverfahren ab Mitte August

Ob das Ponyreiten in Rosenheim untersagt wird, liegt jetzt in den Händen der Stadt, die es rechtlich verbieten kann. Der andere Weg wäre, kein Reitgeschäft aufs Herbstfest einzuladen.

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Das wiederum liegt in der Verantwortung des Wirtschaftlichen Verbandes als Veranstalter. Das Ausschreibeverfahren für das Herbstfest 2022 läuft voraussichtlich von Mitte August bis Ende September 2021.

Wirtschaftlicher Verband ist sich seiner Verantwortung bewusst

„Der Wirtschaftliche Verband ist sich seiner Verantwortung gegenüber allen das Volksfest betreffenden Sachverhalten, bewusst und der im Verband für die Zulassungsvergabe zuständige Festausschuss handelt und entscheidet dementsprechend nach festgelegten Kriterien“, teilt Geschäftsführer Klaus Hertreiter mit.

Schaustellerbund äußert keinerlei Bedenken

Er weist zudem auf ein Positionspapier des Deutschen Schaustellerbundes hin. Darin heißt es, dass keinerlei Bedenken gegen den Betrieb eines Ponyreitgeschäfts bestehen, solange die tierschutzrechtlichen Bestimmungen beachtet werden.

Für Virginia und Ronny Kaiser heißt es jetzt abwarten. Eins wissen sie schon jetzt: „Ein Verbot würde für unsere Familie große finanzielle Verluste bedeuten.“

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