Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Plötzlich wohnten dort andere

Während Sanierung: Rosenheimer Familie von Vermieter ausgetrickst und auf die Straße gesetzt?

Sind inzwischen in einer Pension untergekommen: Anel Redzic, seine Partnerin Vanessa Müller und die Kinder der beiden.
+
Sind inzwischen in einer Pension untergekommen: Anel Redzic, seine Partnerin Vanessa Müller und die Kinder der beiden.

Für eine Renovierung sollten Vanessa Müller und Anel Redzic aus ihrer Wohnung ausziehen. Wieder einziehen konnten sie nicht. Andere wohnen jetzt dort. Ein Trick des Vermieters? Die Sache könnte ihn nun jedenfalls teuer zu stehen kommen.

Rosenheim – Als Vanessa Müller und Anel Redzic im Sommer vergangenen Jahres ihre neue Wohnung bezogen, war klar, dass eine Renovierung bevorstand. Mit ihrem Vermieter trafen sie eine Vereinbarung, den Mietvertrag zu beenden, verbunden mit dem Angebot, einen neuen abzuschließen. In ihre Wohnung konnten beide dennoch nicht zurück.

Eigentlich war alles klar und geplant: Im Oktober, berichtet Vanessa Müller, habe sie mit ihrem Lebensgefährten Anel Redzic Nachricht von ihrem Vermieter bekommen, dass ihre Wohnung an der Westerndorfer Marienberger Straße renoviert werden muss. Ende April sollten sie ihre Drei-Zimmer-Wohnung verlassen, damit die Handwerker anpacken können. Schon zum Einzug im August war klar, dass der Vermieter die Räume renovieren will.

Mängel in der Wohnung gerügt

Dem jungen Paar mit inzwischen zwei jungen Mädchen kam die Ankündigung eigentlich nicht ganz unrecht. Denn seit ihrem Einzug im August 2020 habe sich der ein oder andere Mangel in der Wohnung gezeigt. Unter anderem habe es Schwierigkeiten mit der Heizung gegeben, berichtet Vanessa Müller.

Lesen Sie auch: Zweite Chance mit Second Stage: So hilft das Rosenheimer Frauenhaus, wenn Frauen in Not sind

Auch die Klospülung sei ständig gelaufen. Diese Mängel habe ihr Vermieter schon vor der Sanierung abstellen wollen. „Wie Pingpong ging es hin und her“, berichtet sie, wie der Vermieter auf den Hausmeister verwies und umgekehrt.

Wenig Platz für die Familie

Während sie ihre Geschichte erzählt, sitzt die 25-Jährige auf dem Doppelbett in jenem Pensionszimmer, in dem sie inzwischen mit ihrer Familie lebt. Links neben ihr steht die Babykrippe, in der ihre sechs Wochen alte Tochter liegt. Alles recht eng beieinander. Eine Küche haben sie nicht, sie müssen sich mit einer Kochnische begnügen. Auch wenn die Pension an sich gepflegt ist, genügend Platz für eine Familie gibt es hier schwerlich.

Lesen Sie auch: Rosenheim muss Mietspiegel erstellen: Warum die Meinungen über den Beschluss konträr sind

Dass es so weit kam, liegt in den Augen Vanessa Müllers daran, dass sie sich zu oft bei ihrem Vermieter über Mängel beklagt haben. Als sich bis Februar in ihrer Wohnung noch immer nichts getan hatte, stellten sie ihrem Vermieter in Aussicht, ihr Recht notfalls gerichtlich durchzusetzen. Entsprechend vermuten sie hinter dem Vorgehen ihres Vermieters einen juristischen Trick.

Lesen Sie auch: Teuerste Mittelstadt Bayerns: In Rosenheim bleiben Eigentumswohnungen ein Luxusgut

Sie habe in guten Glauben eine Vereinbarung unterschrieben, mit der das Mietverhältnis beendet wurde. In der gleichen Vereinbarung war jedoch auch der Passus zu finden, dass ihr Vermieter dem Paar die Wohnung erneut zu Miete anbietet. Diese Vereinbarung will Vanessa Müller extra eingefordert haben.

Unterlagen kurzfristig eingefordert

Doch nach Ende der Arbeiten an ihrer Wohnung sei an einen Einzug nicht mehr zu denken gewesen. Die Wohnung sei bereits anderweitig vermietet worden. Zuvor, im Juni, soll der Vermieter eher kurzfristig Unterlagen des Sozialhilfeträgers eingefordert haben, der die Kosten für die Miete der Familie trägt. Innherhalb von vier Tagen hätten Vanessa Müller und ihr Partner die Dokumente vorlegen müssen. „Jeder, der mit einem Amt zu tun hat, weiß, es dauert, bis solche beantragten Dinge auch durchgehen“, klagt Müller, dass dies so schnell nicht zu schaffen gewesen sei.

Lesen Sie auch: Steigende Mietpreise in Rosenheim: Zweitteuerste Stadt in ganz Bayern

Ihr Vermieter sei stur geblieben, der Konflikt schaukelte sich hoch – damals, als die Parteien noch direkt miteinander sprachen. Auch Drohungen, gesteht Vanessa Müller, sollen von ihrer Seite gefallen sein. Die Fronten verhärten sich, inzwischen kommunizieren Vanessa Müller und ihr Vermieter ausschließlich über ihre Anwälte. Und: Die Wohnung wurde anderweitig vergeben.

Formfehler lässt Vertrag weiterbestehen

Derzeit ist die Sache bei Gericht anhängig, wenngleich die streitenden Parteien noch nach einer Einigung suchen, ohne dass ein Urteil fallen muss. Vanessa Müller und Anel Redzic können sich wohl auf einen Formfehler berufen. Denn besagte Vereinbarung hat nur Müller unterschrieben, unter dem Mietvertrag hatten aber beide ihre Unterschrift gesetzt.

Lesen Sie auch: „Pauschal und überheblich“: Rosenheimer Politik reagiert auf Kritik am Städtebaukonzept

Infolge können auch nur beide gemeinsam die Wohnungen kündigen. Der Mietvertrag des Paares besteht mithin weiter. Diesen Formfehler erkennt auch der Vermieter der beiden an, der sich auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen aber nicht weiter zu dieser Sache äußern wollte.

Besser, als auf der Straße zu stehen

Aber die Neuvermietung der Wohnung macht einen Wiedereinzug der Familie rechtlich unmöglich. Schließlich hat der Vermieter auch mit den neuen Bewohnern genauso einen gültigen Vertrag wie mit Vanessa Müller und Anel Redzic.

Juristen sprechen in diesem Fall von „rechtlicher Unmöglichkeit“: Die Verträge binden den Vermieter in beiden Fällen, auch wenn er seine Wohnung nur einmal vermieten kann. Für denjenigen, der ohne Wohnung bleiben muss, kommt im deutschen Zivilrecht Schadensersatz ins Spiel, den das Paar nun gerichtlich geltend macht.

Lesen Sie auch: Wie in Berlin: Soll in Rosenheim die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen begrenzt werden?

Eine Lösung für die beengte Situation der vierköpfigen Familie ist dies freilich nicht. Auch wenn sich Vanessa Müller eine bessere Situation für ihre Familie vorstellen könnte: Die Enge im Zimmer der Pension sei allemal besser, als auf der Straße zu sitzen. Sie ist dankbar, dass es dort allen gut geht, auch wenn es schwer sei, wenn alle in einem Raum schlafen müssen.

Kommentare