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Trotz vieler Infektionen

Rosenheimer Chefarzt macht Hoffnung: So könnte die Corona-Pandemie enden

Prof. Dr. Stephan BudweiserChefarzt Pneumologie bei Romed
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Prof. Dr. Stephan Budweiser Chefarzt Pneumologie bei Romed

Da kommt was auf uns zu. Aber was eigentlich genau? Nach und nach stellen sich immer mehr Details heraus. Hilft Impfen gegen die Variante? Trifft Omikron die Gesellschaft härter als die meisten Infizierten? Wann ist die Pandemie vorüber? Darüber sprachen wir mit Romed-Chefarzt Prof. Dr. Budweiser.

Ist Omikron mit seiner Ansteckungskraft so etwas wie der Brandbeschleuniger der Corona-Pandemie?

Prof. Dr. Stephan Budweiser: Ja und nein. Die Lage ist insgesamt, was stationäre Patienten betrifft, noch nicht sehr angespannt. Zu den schlimmsten Zeiten Ende November, Anfang Dezember hatten wir im Verbund weit über 100 Patienten, die die hospitalisiert waren. Derzeit kommen wir etwa auf ein Drittel dessen, was zu den härtesten Zeiten hatten. Die Lage in der Klinik ist also weniger dramatisch, als man annehmen müsste, wenn man sich Inzidenzzahlen im Radio anhört. Das heißt aber nicht, dass es nicht noch anders kommt. Wir sind angespannt und erwarten, dass es noch schlimmer kommen kann.

Romed hat bereits erlebt, wie der Virus die Belegschaft treffen kann. Erwarten Sie derlei auch für andere wichtige Bereiche, etwa die Polizei?

Budweiser: Ich weiß nicht, was mit den anderen Bereichen der Infrastruktur los ist. Aber Sie sprechen einen wichtigen Punkt an. Das Problem ist nicht nur allein die Zahl der Patienten, es ist vielmehr auch die Zahl der kranken Mitarbeiter, beziehungsweise zumindest der Mitarbeiter, die nicht mehr zum Dienst erscheinen können. Wir hatten vergangene Woche bei Romed über 100 Mitarbeiter, deren Tests positiv ausgefallen waren. Das zeigt die Dimensionen, in denen Kliniken gerade geschwächt werden können. Auch wenn die Quarantänezeit für Kontaktpersonen mittlerweile abgekürzt worden ist.

Jedenfalls: Schneller ansteckend ist der Omikron-Typ, das wissen wir nun, oder?

Budweiser: Ja, wenn auch der genaue Faktor gar nicht so greifbar ist. Die Studien und die Populationen, die dem zugrunde liegen, sind gar nicht so ohne weiteres zu vergleichen. In Südafrika, dem Land, in dem Omikron zuerst registriert wurde, hat die Bevölkerung einen Altersdurchschnitt von knapp über 30. Möglicherweise waren die Menschen dort zuvor auch mehr durchseucht. Jedenfalls ist das schwer zu vergleichen, auch, was die Schwere der Verläufe betrifft. Aber wenn wir uns nur mal die Kurven anschauen, dann können wir sagen, jawohl, Omikron ist um ein Vielfaches ansteckender. Das erfordert Schutz auch mittels Masken, und zwar so viel wie möglich.

Was wissen wir über die Verläufe?

Budweiser: Es sind weniger Patienten, prozentual gesehen, die ins Krankenhaus müssen. Und die Patienten, die in eine Klinik kommen, müssen weniger häufig auf die Intensivstation. Der Anteil ist geringer. Aber wer auf der Intensivstation ist, der ist genau so krank wie der, der bei vorherigen Wellen auf der Intensivstation gelegen hatte.

Omikron ist weiter auf dem Vormarsch

Können wir annehmen, dass Omikron mittlerweile dominiert?

Budweiser: Zur Zeit ist das Verhältnis Omikron zu Delta, grob gesagt, schon etwa neun zu eins. Bald werden wir nur noch Omikron haben.

Was wissen wir über den Schutz, den die Impfung gegen Omikron gewährt?

Budweiser: Wir haben in der Klinik auch geboosterte Patienten. Doch die mit den ganz schweren Verläufen, die sind – bis auf einen Patienten – fast immer nicht oder nicht vollständig geimpft. Zum allergrößten Teile sind die ganz schweren Fälle nicht geimpft. Auf der Normalstation haben wir etliche geimpfte Patienten. Der Anteil ist dort sogar höher als der der nicht Geimpften. Aber die sind auch nicht unbedingt alle geboostert. Also, gegen Omikron braucht es den Booster. Und die Auffrischungsimpfung sollte nicht länger zurückliegen als drei Monate.

„Experten sagen, wir bräuchten einen spezifischeren Impfstoff“

Die Zeiträume zwischen den Impfungen werden ja immer kürzer.

Budweiser: Ja, man stellt fest, dass die Antikörperspiegel sinken. Gerade wird die vierte Impfung eifrig diskutiert. Sie kann wohl den Spiegel heben. Aber viele Experten sagen auch, dass wir einen spezifischeren Impfstoff benötigen.

Noch hält Corona die Kliniken auf Trab, doch aktuell ist die Belastung geringer als befürchtet. Szene auf der Romed-Intensivstation, wo sich eine Pflegekraft um einen auf Dialyse angewiesenen Patienten kümmert.

Ist dieser Impfstoff auf dem Weg?

Budweiser: Ja, daran wird gearbeitet, im März sollte er da sein.

Wie stark schützen Impfungen ältere Menschen gegen Omikron?

Budweiser: Grundsätzlich ist das Prinzip das gleiche. Je jünger, desto weniger wahrscheinlicher ist es an sich, dass man schwer erkrankt. Wir sehen aktuell aber mehr jüngere Patienten. Im Durchschnitt sind sie knapp über 70 Jahre alt, es sind aber auch Patienten unter 30 bei uns. Der Anteil der Jüngeren ist aber auch deswegen so relativ groß, weil in dieser Altersklasse Anteil der Geboosterten wesentlich geringer ist. Denn Ältere sind häufiger geboostert. Einige Jüngere sind zwar positiv, aber eigentlich nicht wirklich krank, sondern wegen anderen Erkrankungen in stationärer Behandlung.

Manche sagen, Omikron sei der Anfang vom Ende der Pandemie. Wird Omikron die Pandemie zumindest verändern?

Budweiser: Davon ist auszugehen, meine ich. Ich denke dass sich ein hoher Anteil der Menschen infizieren wird, und dadurch wird sich auch die Immunität verbessern. Das ist die Überlegung einiger Länder, die lassen die Infektionswelle ungebremst. Regierung und Experten in Deutschland sind da zurückhaltend, weil wir nicht wissen, ob wir das noch managen können, wenn es zu einem fulminanten Anstieg der Zahlen kommt. Aber wenn immer mehr Menschen Corona hinter sich haben, dann haben wir Herdenimmunität. Dann wird hoffentlich auch die Pandemie beendet sein. Wir wissen andererseits auch nicht, wie es mit Herbst möglicherweise mit einer neuen Mutante weitergeht. Ich glaube, dann könnte Corona uns auch im nächsten Winter noch auf Trab halten.

Leichter Verlauf? Muss nicht viel heißen

Gibt es Long Covid-Erfahrungen bei Omikron?

Budweiser: Seit Ende November erst verbreitet sich Omikron, in Deutschland sogar erst seit dem Jahreswechsel. Wir wissen also nicht, ob Long Covid oder Post Covid verstärkt auftreten. Ausgeschlossen ist es nicht. Es könnte sein, dass der Anteil der Patienten mit Long Covid steigt, obwohl wir weniger schlimme Fälle zählen. Der weniger schwere Verlauf sagt nichts über Langzeitfolgen.

Wie hängen Virenlast und Impfen zusammen?

Budweiser: Der Ungeimpfte hat in der Regel eine höhere Viruslast, ist dementsprechend auch eine höhere Gefahr, er scheidet den Erreger auch länger aus. Das ist der Grund, warum man den Leuten unbedingt empfiehlt, sich impfen zu lassen.

Ist das bei Omikron auch noch so ?

Budweiser: Es sind noch keine Erkenntnisse bekannt, aber es gibt auch keine Anhaltspunkte, dass das bei Omikron wesentlich anders sein sollte. Aber, und das hängt möglicherweise mit der Viruslast zusammen: Es gibt Hinweise, dass Schnelltests noch unzuverlässiger als sonst schon sind.