„Gewisse Fehler gibt es bei jedem analytischen Test“

Ein falsch-positiver Coronatest - wie gibt‘s das? Dr. Thomas Schulzki klärt auf

Dr. Thomas Schulzki vom Medizinischen Labor Rosenheim zu falsch positiven Coronatest
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Dr. Thomas Schulzki ist seinen Mitarbeitern sehr dankbar, die seit Monaten extrem hart arbeiten, um Coronatests so schnell wie möglich zu bearbeiten. Dabei können Fehler passieren.

Rosenheim - Falsch-positiver Coronatest - eine Tatsache, die für einen Laien undenkbar klingt, ist für einen Mediziner nicht unwahrscheinlich. rosenheim24.de hat bei Dr. Thomas Schulzki vom Medizinischen Labor Rosenheim nachgefragt.

„Bei jedem analytischen Test gibt es eine gewisse Fehlerquote“, beginnt Dr. Thomas Schulzki seine Erklärung gegenüber rosenheim24.de. Mehrere Fälle von falsch-positiven Coronatests haben die Frage aufgeworfen, wie so etwas passieren kann. Der Leiter des Medizinischen Labors Rosenheim versucht es anhand eines Beispiels zu veranschaulichen.


Fehlerquote bei Coronatest bei 0,01 Prozent

„Nehmen wir die Bestimmung des Leberwertes. Ein niedriger Leberwert zeigt, dass ich gesund bin, ein hoher Leberwert tritt im Normalfall auf, wenn ich krank bin. Aufgrund von Analysen hat man mal einen Bereich festgelegt, wenn der Leberwert sich darin bewegt, wird es kritisch und man gilt als krank. Manch einer hat aber einen hohen Leberwert und ist trotzdem gesund. Das fällt bei uns unter die Fehlerquote von zwei bis fünf Prozent.“


In Bezug auf den Coronatest kann die Fehlerquote teilweise auf 0,01 Prozent reduziert werden. „Der PCR-Test reagiert schon bei einer Mindestmenge an Erregern und gibt somit klare Auskünfte“, bekräftigt Schulzki die „quasi hundertprozentige Sicherheit“. Doch auch hier gebe es Ausreißer, für die es Gründe gebe.

Verwechslungen können auch beim Coronatest nicht ausgeschlossen werden

„Zum einen sind im Labor oder davor Verwechslungen möglich. Das passiert kaum, kann aber nicht ausgeschlossen werden“, beginnt der Laborarzt seine Aufzählung. Es könnte sich zudem Material bei der Testung zum Beispiel von den Abstrichtupfern lösen und somit den benachbarten Test verfälschen. „In Grenzfällen kann es da zu Reaktionen kommen, die keine sind.“

Schulzki ist es wichtig zu betonen, dass die beiden genannten Gründe wirklich nur in Ausnahmefällen vorkommen würden. Anders stelle es sich mit der Tatsache dar, wenn eine Infektion schon zwei bis drei Wochen zurückliege, dann könne ein erster Test noch schwach positiv anschlagen und ein weiterer bereits negativ sein.

Antikörper-Bluttest kann sichere Aufklärung bringen

Diesen Fall vermutet das Gesundheitsamt Berchtesgadener Land bei den Tests von Cengiz Öztunc. Der Bad Reichenhaller Kabarettist wurde innerhalb von 24 Stunden einmal positiv und danach nur noch negativ getestet. „Hier kann nur ein Antikörper-Bluttest nach ein paar Wochen eine sichere Aufklärung liefern“, gibt Dr. Thomas Schulzki als Anregung.

Ob dieser Fall auch bei Serge Gnabry vom FC Bayern gegeben war, kann der Laborarzt nicht sagen. „Dafür bräuchte ich genauere Informationen.“ Der Fußballspieler war nach einem positiven Test viermal hintereinander negativ getestet worden. Dass hierbei keinerlei Infektion mit dem Coronavirus vorliege, sei in ganz seltenen Fälle auch möglich, so der Mediziner. „Bei einer geringen Zahl an Erregern kann die unspezifischen Körperabwehr eine Infektion verhindern. Es liegen keine sicheren Zahlen vor, wie viele Erreger für eine Infektion gebraucht werden.“

Diese Wahrscheinlichkeit könne im Labor durch einen zweiten spezifischen Test eigentlich ausgeschlossen werden. „Zuerst findet immer ein Gruppentest auf SARS-Viren statt. Der war vor allem zu Beginn der Pandemie ausreichend, weil man sich sicher war, dass keine weiteren SARS-Viren im Umlauf sind. Das ist man jetzt auch, aber dennoch empfiehlt sich der zweite Test, der noch einmal genau überprüft, erwische ich den Erreger, den ich haben will.“

Genaue Arbeit ist beim Coronatest am wichtigsten

Für Dr. Thomas Schulzki ist am wichtigsten, dass in allen Bereichen vom eigentlichen Test bis zum Ergebnis im Labor genau gearbeitet wird. „Bereits das Abnehmen kann das Testergebnis ungünstig beeinflussen.“ Natürlich würde das vor allem im Bereich der negativen Test greifen. Denn wenn bei der Entnahme des Testmaterials durch Mund oder Nase nicht sauber gearbeitet werde, sei der Test negativ, obwohl nicht gesichert sei, ob Erreger im Körper des Getesteten vorhanden sind.

Eine andere Panne ist einem bayerischen Labor passiert. Dort hätten sich 58 von 60 positiven Tests als falsch herausgestellt, berichtete unser Partnerportal „Münchner Merkur“ am Mittwoch (28. Oktober). Die Geschäftsführerin des Augsburger MVZ-Labors erklärte die Fehler mit der Knappheit an Reagenzien.

Das Labor habe wegen des Lieferausfalls eines Herstellers auf ein anderes Nachweismittel zurückgreifen müssen, das offenbar nicht kompatibel gewesen sei. „Aufgrund des hohen Probenaufkommens und des fehlenden Zubehörs war eine Kontrolle positiver Ergebnisse nicht in allen Fällen zeitnah möglich“, zitierte die Zeitung die Geschäftsführerin.

cz

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