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Noch keine „Entwarnung“ bei Inzidenz

Corona-Lockerungen: Stadt Rosenheim lässt einen Tag verstreichen

Start der Herbstferien in Bayern
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In welche Richtung geht es? Die Inzidenzzahlen sinken. Doch die steigende Zahl der Infektionen mit der Omikron-Variante vor allem bei Reiserückkehrern macht Sorgen.

Ist es das Ende des Lockdowns oder doch nur eine Pause? Stadt und Landkreis verkünden das Aus für die Hotspot-Notbremse. Unter anderem die Gastronomie darf damit ab Dienstag, 7. Dezember, wieder öffnen. Noch herrscht große Zurückhaltung.

Rosenheim – Abwärtstrend, das bedeutet in diesem Falle eine gute Nachricht: Den fünften, beziehungsweise sechsten Tag in Folge bewegen sich Landkreis und Stadt Rosenheim unter einer 7-Tage-Inzidenz von 1000. Oberbürgermeister Andreas März (CSU) äußerte sich hoch erfreut: „Ein Lichtblick.“

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Damit wurde am Montag (6. Dezember) das Aus für die härtesten Hotspot-Regeln verkündet. Gastronomen beispielsweise dürfen ab Dienstag (7. Dezember) wieder öffnen, ebenso Sportstätten und Kultureinrichtungen wie Museen. Weihnachtsmärkte allerdings bleiben untersagt.

Stadt Rosenheim lässt einen Tag verstreichen

Die Grundlage dafür gibt die amtliche Bekanntmachung der gesunkenen Inzidenzzahl, zu der die Gesetzeslage die kommunalen Behörden anhält. Das Landratsamt Traunstein hatte bereits am Sonntag, 5. Dezember, Entwarnung gegeben.

Die Stadt Rosenheim hätte dem Beispiel folgen können, sie zählte am Sonntag bereits den fünften Tag hintereinander mit einem Wert von unter 1000. Die Verzögerung ist insofern ungewöhnlich, da die bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung bei schlechter wie bei guter Kunde keinen Spielraum vorsieht. Das Überschreiten der 1000er-Marke sei „unverzüglich“ amtlich bekanntzumachen. Beim Unterschreiten dieser Marke an fünf Tagen hintereinander sei „in gleicher Weise“ zu verfahren.

Thomas Bugl, Sprecher und Wirtschaftsdezernent der Stadt Rosenheim, bezeichnete auf Nachfrage die sofortige Meldung als „nicht entscheidend“. Die Lager der Wirte seien leer und bei den Fitnessstudios sei die Frage, ob sie so schnell ihre Trainer aus der Kurzarbeit hätten holen können. Vor diesem Hintergrund fiel die „sehr einhellige Entscheidung“, den stark geforderten Mitarbeitern der Stadtverwaltung einen „ungestörten zweiten Adventssonntag“ zu gönnen.

Ebenfalls interessant: Omikron-Variante breitet sich in Dänemark rasend schnell aus

Die Frage ist nun, wie lange geöffnet bleiben darf. Experten halten die neue Omikron-Variante des Corona-Virus für noch ansteckender als die Delta-Variante. Nach einer Einschätzung des Robert-Koch-Instituts ist davon auszugehen, dass über kurz oder lang die neue, in Südafrika vor wenigen Wochen zuerst festgestellte Variante Delta weitgehend verdrängt.

Der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamts Rosenheim hält es ohnehin für zu früh, von einer Trendumkehr zu sprechen.  „Keinesfalls dürfen wir uns hinreißen lassen, aufgrund der sinkenden 7-Tage-Inzidenz Entwarnung zu geben“, sagte Dr. Wolfgang Hierl.  

Region Rosenheim: Ein sehr brüchiger Trend, Gastronomen zweifeln

Seit 22. November hatten Stadt und Landkreis die Marke von 1000 in der 7-Tage-Inzidenz täglich überschritten – bis 1. Dezember (Stadt), beziehungsweise 2. Dezember (Landkreis). Am Montag lag der Landkreis bei 885, die kreisfreie Stadt bei 792. Der Abstand zur Tausendermarke wirkt deutlich - doch schnellte die Inzidenzzahl in der letzten Novemberwoche oft an einem Tag um 100 und mehr nach oben. Gerade in der Stadt mit ihrem wesentlich geringeren Gewicht im Zahlenwerk kann schon ein Massenausbruch in einer Pflegeeinrichtung oder einer Schule die Zahl über die 1000 springen lassen. Schließlich warnt auch Oberbürgermeister März vor dem Corona-Flächenbrand: Das Infektionsgeschehen im November sei „brutal“ gewesen,

Betrachtet man diese Dynamik, beachtet man aber auch die Prognosen, was die Variante Omikron betrifft, kann man einen Jojo-Effekt befürchten. Zumal sich die Situation auf den Intensivstationen nach Auskunft des Romed-Verbundes nicht wesentlich entspannt. Gesundheitsamtschef Hierl spricht von einer „dramatischen Situation“,

Die Gastronomie, die alle Voraussicht nach Dienstag sowohl in der Stadt als auch im Landkreis wieder öffnen darf, bleibt abwartend. Korbinian Vogl vom Flötzinger Bräustüberl spricht für viele. „An sich eine gute Nachricht“, meint er, „aber warten wir mal ab, ob an Donnerstag oder Freitag die Inzidenzen nicht wieder steigen.“ Eine rasche Rückkehr des Lockdowns wäre „verheerend“, sagt er. „Ein Betrieb unserer Größe benötigt drei Tage Vorlauf.“

Rainer Pastätter, Vorsitzender vom City-Management Rosenheim, vermisst die Gastronomie. „Handel und Gastronomie gehören zusammen“, sagt er. Der Einzelhandel in Rosenheim habe teilweise „dramatische Rückgänge“ beim Umsatz verzeichnet. Aber als Kollege versteht er auch die Unternehmer im Gastgewerbe und ihre schwierige Lage. Auch, was die Finanzen betrifft - erst ab einem Minus von 30 Prozent greift die staatliche Unterstützung im vollen Umfang.

Aufmachen oder nicht, das ist die Frage

Insgesamt äußern sich viele Kollegen skeptisch. Beispielsweise Theresa Albrecht, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, mit Hotel und Gaststätte in Rohrdorf. „Wir haben überhaupt keine Planungssicherheit“, sagt sie. „Wenn wir knapp unter 900 sind, dann können wir ruckzuck auch wieder bei 1000 und mehr sein.

Bevor der Gast weiß, dass wir offen haben, müssen wir dann schon wieder zumachen.“ Für die Mitarbeiter sei diese Unsicherheit auch nicht gut. Sie müssten praktisch auf Standby bereitstehen. „Als Hampelmann fühle ich mich bereits, da muss es meinen Mitarbeitern nicht genau so gehen.“ Folge: die „Post“ in Rohrdorf bleibt wohl diese Woche erstmal geschlossen.

Auch der Rosenheimer Gastronom Giuseppe Tedesco, Chef von über 80 Mitarbeiten, klingt beim Anruf der OVB-Heimatzeitungen leicht verzweifelt. „Eine Riesenkatastrophe“, sagt er. Den Zahlen vom Montag traut er ohnehin nicht - zu Recht. Oft waren am Montag noch nicht alle neuen Infektionen beim Gesundheitsamt gemeldet worden. Die kommunalen Behörden melden folgerichtig immer wieder eklatant niedrigere Zahlen, bevor dann am Dienstag die Zahlen wieder steigen.

Kurz aufmachen, dann wieder schließen? „Ein Riesenchaos“, sagt er, „das wäre für uns wirklich nur ein Draufzahlgeschäft“, sagt Tedesco. Er will abwarten. „Eine Steigerung am Dienstag, und sei es nur um zehn - dann mache ich erstmal nicht auf.“

+++ Update: Reiserückkehrer in der Region tatsächlich mit Omikron infiziert +++

Am späten Montagnachmittag kam die Meldung aus dem Landratsamt: Der am 25. November aus Südafrika zurückgekehrte Reisende, dessen PCR- und vPCR-Tests positiv ausgafellen war, ist tatsächlich mit der Omikron-Variante infiziert. Das war das Ergebnis einer Genom-Sequenzierung, die bei der Bestimmung verschiedener Viren-Varianten als endgültig sicheres Verfahren gilt. Aller Voraussicht nach seien die beiden positiv getesteten Familienangehörigen ebenfalls mit der in Südafrika erstmals festgestellen Variante infiziert, hieß es aus dem Staatlichen Gesundheitsamt Rosenheim.

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