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Verbindungen zur Reichsbürger- und Freilerner-Szene?

Querdenker-Schule bei Schechen: Welche Rolle spielt ein Zauberkünstler aus Österreich?

Der Bauernhof in Deutelhausen, in der der Schulbetrieb stattgefunden hatte. Wie das Foto zeigt, war dort in den vergangenen Tagen mächtig Betrieb.
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Der Bauernhof in Deutelhausen, in der der Schulbetrieb stattgefunden hatte. Wie das Foto zeigt, war dort in den vergangenen Tagen mächtig Betrieb.

Schechen/Landkreis Rosenheim – Die geschlossene Querdenker-Schule in Deutelhausen bei Schechen hatte über die Leiterin Kontakte zur sogenannten „Freilerner-Szene“. Dort spielt der österreichische Zauberkünstler Ricardo Leppe eine Hauptrolle.

Update 25. Oktober – Club der Zauberer Rosenheim distanziert sich

Der Rosenheimer Club der Zauberer distanziert sich von dem, was in Deutelhausen vor sich geht. „Wir haben damit nichts zu tun“, stellt der Ortszirkelvorsitzende Günther Schmitt klar. Seitdem berichtet worden war, dass bei der mutmaßlichen Querdenker-Schule offenbar ein Zauberkünstler involviert ist, sei er mehrmals darauf angesprochen worden.

Update, 22. Oktober 10.24 Uhr - Welche Rolle spielt ein Zauberkünstler aus Österreich?

Über die Querdenker-Schule in Deutelhausen, die Kontakte zur Reichsbürger-Szene hatte, gibt es weitere neue Erkenntnisse. Nach BR-Informationen war die Leiterin der illegalen Schuleinrichtung in der sogenannten „Freilerner“-Szene aktiv. Diese soll nach Experten-Aussagen besonders problematisch sein. Eine Hauptrolle in der Szene spielt der österreichische Zauberkünstler Ricardo Leppe.

Der Gedächtnistrainer, Zauberkünstler und sogenannter „Freilerner“ verbreitet seine Lehren über Vorträge und seinen YouTube-Kanal. Laut BR fordert der Mann die „freie Entscheidung in allen Bildungsfragen“. Leppe hält wenig von der Schulpflicht oder der staatlichen Verantwortung, pädagogische Inhalte zu vermitteln. Eltern, die als Gegner die Corona-Maßnahmen ablehnen oder ihre Kinder nicht in die Schule schicken wollen, nennen immer wieder den Namen von Leppe als Vordenker.

Lesen Sie auch: Leserforum zur Querdenkerschule in Deutelhausen: „Das stille Leiden der Kinder“

Die Leiterin der zwischenzeitlich geschlossenen Schule in Schechens Ortsteil Deutelhausen im Landkreis Rosenheim soll in einer Telegram-Chatgruppe des Leppe-Netzwerks aktiv gewesen sein. Sie will sich über Verbindungen zu Ricardo Leppe und seine schulkritische Sicht nicht äußern. Leppe selbst will sich nicht als „rechter Esoteriker“ bezeichnen lassen.

Die Freilerner-Szene verbreitet nach Meinung von Experten problematische Inhalte. „Leppe greift problematisches rechtes esoterisches Gedankengut auf, das vor allem in der Anastasia-Bewegung vorhanden ist“, sagt der Sektenbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Matthias Pöhlmann, im BR-Interview. Die Bewegung beruft sich demnach auf eine Buchreihe, in der sich „antidemokratische, antisemitische und auch rassistische Aussagen“ finden, so Pöhlmann. Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz ermittelt inzwischen auch deshalb im Fall der geschlossenen Schule.

Ricardo Leppe führt einen Verein als Präsident, auf dessen Homepage sich eine Karte mit mehr als einem Dutzend Orten in Bayern findet. Die entsprechenden Links führen zu Telegram-Chatgruppen. In den Gesprächen dort soll es um die Vernetzung von Gleichgesinnten zu alternativen Lernkonzepten für Schülerinnen und Schüler gehen. Aber auch um mögliche Schulgründungen. Schon lange gibt es Vermutungen, dass sich die geschlossene Querdenker-Schule in Deutelhausen ein neues Domizil suchen könnte. Leppe schreibt auf BR-Anfrage, dass er mit hunderten Schulen weltweit im Kontakt stünde. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo will weitere alternative Schulgründungen verhindern. „Schule ist eine staatliche Angelegenheit“, erklärt Piazolo im BR-Interview. Auf Rechtsverstöße werde man zügig reagieren.

Erstmeldung, 20. Oktober

Viele Autos am ehemaligen Schulbauernhof am Wochenende; am Montag das Gerücht, die Truppe hätte ein neues Domizil in einer Nachbargemeinde gefunden. Die Reichsbürgerschule in Deutelhausen ist nach langer Funkstille wieder im Gespräch. Und unter Beobachtung des Landesamtes für Verfassungsschutz.

Das bestätigt dessen Sprecher Dr. René Rieger. Das Landesamt für Verfassungsschutz habe einen Bezug zur Szene der Reichsbürger und Selbstverwalter festgestellt. Der – in Deutschland nicht anerkannten – Stiftung „Freiheit braucht Mut“ konnten laut Landesamt für Verfassungsschutz gewichtige Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung nachgewiesen werden.

Federführung liege bei Schulbehörden

„Dies haben wir den zuständigen Schulbehörden unverzüglich mitgeteilt“, so Rieger. Denn die Federführung liege bei den Schulbehörden, mit denen man in Kontakt stehe.

Vermehrtes Autoaufkommen in Deutelhausen ist auch der Regierung von Oberbayern bekannt. „Hinweise, dass der Schulbetrieb wieder aufgenommen wurde, gibt es aber keine“, so Wolfgang Rupp, Sprecher der Regierung von Oberbayern. Es steht zu vermuten, dass die Räume leergeräumt werden oder wurden.

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Denn die Gruppe rund um die verbeamtete Lehrerin „Veronika“ aus Glonn hatte über Telegram angekündigt, dass die Schließung der Schule in Deutelhausen nicht das Ende der Geschichte sei. Davon ging auch die Polizei von Anfang an aus. Und tut das noch, wie Martin Emig, einer der Sprecher des Polizeipräsidiums, durchblicken lässt.

Anfang der Woche hieß es, die Schule habe als „Lerngruppe“ in einer Nachbargemeinde wieder eröffnet. In dem Ortsteil, in dem das laut der Gerüchte der Fall sein sollte, war nach Recherchen der OVB-Redaktion allerdings keine Spur einer Schule oder Lerngruppe zu finden.

Eher mehr als weniger Lerngruppen

Lerngruppen gab es schon vor Corona, jetzt werden es eher mehr als weniger, so Rupp. Die weitaus meisten seien dazu da, den im Fernunterricht zu kurz gekommenen Stoff gemeinsam nachzuholen. „Aber die Grenzen sind fließend und von außen schwer nachzuvollziehen“, so der Sprecher der Regierung von Oberbayern.

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Was sich laut Rupp bemerkbar macht: Seit Anfang Oktober gilt Testverweigerung nicht mehr als Entschuldigungsgrund. Damit reagierte das Kultusministerium, nachdem die Reichsbürgerschule in Deutelhausen bekannt geworden war. Wer sich nicht testen lässt, verstößt nun gegen die Schulpflicht und gilt als Schulschwänzer. Die Zahl der Kinder und jugendlichen, die der Schule fern blieben, habe das Kultusministerium vor zwei Wochen mit 0,29 Prozent und fallender Tendenz beziffert, so Rupp. Dabei seien aber auch alle Kinder und Jugendlichen, die klassische krank seien oder ein ärztliches Attest haben. Michael Kern vom Kultusministerium beziffert den aktuellen Stand mit 0,25 Prozent aller Schüler.

Aus dem Umfeld der Stiftung „Freiheit braucht Mut“, Betreiber der Reichsbürgerschule in Deutelhausen, hieß es schnell, man werde die Schließung durch die Regierung von Oberbayern nicht akzeptieren. Schließlich handele es sich bei dem Bauernhof um „russisches Hoheitsgebiet“. Aus Moskau gingen jetzt Briefe an alle Kultusminister und dann werde man ja sehen, was passiere... Trockene Reaktion des Kultusministeriumssprechers Michael Kern: „Ein Brief aus Moskau hat uns nicht erreicht.“

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