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Die Erinnerungen lasten schwer

Wie ukrainische Kinder in der Willkommensgruppe an der Kommunalen Realschule Prien zurechtkommen

Lehrerin Melina Zhogno (Mitte) unterrichtet die ukrainischen Kinder in der Willkommensgruppe an der Kommunalen Realschule Prien zusammen mit dem pensionierten Kollegen Roland Hinke (lins). Rechts im Bild ist Realschuldirektorin Andrea Dorsch.
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Lehrerin Melina Zhogno (Mitte) unterrichtet die ukrainischen Kinder in der Willkommensgruppe an der Kommunalen Realschule Prien zusammen mit dem pensionierten Kollegen Roland Hinke (lins). Rechts im Bild ist Realschuldirektorin Andrea Dorsch.

Sie stammen aus Mariupol, Kiew, Donezk – mindestens 60 Kinder sind mit ihren Müttern auf der Flucht nach Prien gekommen. Sie besuchen hier die Schule. Angesichts ihres Schicksals wird selbst den Lehrern oft schwer ums Herz.

Prien – Die Ukraine-Flüchtlinge gehören in Prien bereits zum Alltag. Die geflüchteten Menschen selbst sind weit von Normalität entfernt. Das wird im Gespräch mit Lehrerin Melina Zhogno deutlich. Sie ist aus ihrer Heimat nahe Lemberg vor dem Krieg geflohen und unterrichtet an der Kommunalen Realschule in Prien ukrainische Kinder in Deutsch. Weit darüber hinaus ist sie ihnen Vertrauensperson, verbunden durch das gemeinsame Schicksal. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen über die Kinder reagiert Zhogno sichtlich bewegt und kann nur mit Mühe die Tränen unterdrücken.

„Sie akzeptieren, was passiert ist“

Zhogno sagt: „Die Kinder sind hier in einer anderen Welt angekommen. Vielleicht haben sie auch verstanden, dass sie akzeptieren müssen, was in der Ukraine passiert ist.“ Sie kann das noch am besten einschätzen, denn die Kinder haben offensichtlich Vertrauen zu ihr gefasst und erzählen von ihren Erlebnissen.

Ein zehnjähriger Junge zum Beispiel habe immer noch Angst und sei eher zurückhaltend. Ein anderes Kind hat Zhogno von einer Explosion in der Nähe der Wohnung erzählt. „Für mich ist das alles emotional auch sehr schwer“, sagt Zhogno und kämpft mit Tränen.

„Die Kinder vermissen ihre Väter, sie sind fast nicht zu erheitern und sehr geknickt“, ergänzt Realschuldirektorin Andrea Dorsch und fährt fort: „Mann kann versuchen, die Kinder in der Schule abzulenken, aber man kann ihnen ihr Leid nicht nehmen. In den Nachrichten sehen sie, dass ihre Heimat nicht mehr existiert.“

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Die Kinder in der Willkommensgruppe an der Kommunalen Realschule kommen aus Familien, die zum Teil in der Flüchtlingsunterkunft in der Priener Turnhalle und zum Teil in privaten Wohnungen in Prien , Breitbrunn oder Halfing leben. Ehrenamtliche von der Ukraine-Hilfe kommen und unternehmen mit den Kindern Spaziergänge, zum Beispiel ins Eichental. Zhogno geht dann als Übersetzerin mit.

Einen Teil des Vormittags verbringen die ukrainischen Kinder an der Kommunalen Realschule in den regulären Klassen. Bis zu drei ukrainische Kinder sind dort zugeteilt, in jeder Klasse gibt es unter den deutschen Mitschülern zwei Paten, erklärt Realschuldirektorin Andrea Dorsch gegenüber unserer Zeitung. In erster Linie geht es darum, dass die ukrainischen Kinder Freunde finden und sich einleben.

Zwei erwachsene Frauen kommen täglich aus Seebruck zum Unterricht

Von 12.30 Uhr bis 14 Uhr treffen sie sich nach der Mittagspause, in der sie mit Lunch-Paketen versorgt werden, in der Willkommensgruppe. Sogar zwei erwachsene Frauen sind dabei, die täglich aus Seeon-Seebruck kommen. Melina Zhogno bringt ihnen die deutsche Sprache bei. „Sie möchten Arbeit finden“, erklärt Zhogno die Beweggründe dieser Frauen. Unterstützt wird sie im Unterricht von dem pensionierten Deutsch-Lehrer Roland Hinke aus Bernau, wofür sie sehr dankbar ist. Momentan sind es in erster Linie Wörter, kurze Sätze und einfache Texte, die auf dem Stundenplan stehen. „Heute geht es zum Beispiel um das Thema einkaufen“, schildert Zhogno. Auch Kleidung oder Essen gehören zum Grund-Wortschatz. „Wir waren alle in der Eisdiele und die Aufgabe war, dass sie sich selbst ein Eis kaufen“, erinnert sie sich lächelnd.

Das Lächeln verschwindet rasch von ihrem Gesicht, wenn sie auf die Schicksale der Kinder in der Gruppe angesprochen wird. Sie sind zwischen zehn und 17 Jahre alt und stammen aus den unterschiedlichsten Gegenden der Ukraine. Ein Junge lebte vor seiner Flucht in der hart umkämpften Stadt Mariupol, andere kommen aus der Nähe von Odessa, aus Donezk, Kiew.

Die Frauen möchten Geld verdienen

Auf die Frage, was die ukrainischen Familien dringend benötigen, antwortet Dorsch: „Die Frauen möchten gerne arbeiten und selbst auf die Füße kommen.“ Angesichts der Sprachschwierigkeiten seien die Möglichkeiten eingeschränkt, gibt sie zu. Doch kann sich eine Arbeit als Haushaltshilfe zum Beispiel gut vorstellen.

Interessierte können sich in jedem Fall an den Ukraine-Helferkreis wenden. Sämtliche Kontaktdaten sind auf der Internetseite der Marktgemeinde unter www.prien.de veröffentlicht.

Rasch und unbürokratisch hatten sich die Priener Schulleiter schon vor über einem Monat an einen Tisch gesetzt und geregelt, wie die ukrainischen Kinder betreut werden. In den Willkommensgruppen lernen sie Deutsch und verbringen zusätzlich Schulstunden in den Regelklassen. Die Schulleiter hatten sich darauf verständigt, eine Priener Schule nach der anderen zu belegen.

Die Waldorf- und die Franziska-Hager-Mittelschule machten den Anfang. Jetzt ist die nächste Gruppe an der Kommunalen Realschule mit 20 ukrainischen Kindern voll.

Italienische Opernarien zugunsten der Ukraine-Hilfe und des Sozialfonds:

Der Rotary Club Chiemsee veranstaltet zugunsten der Ukraine-Hilfe und des Sozialfonds in Prien am Samstag, 21. Mai, um 18.30 Uhr in der Evangelischen Kirche ein Konzert unter dem Titel „Sehnsucht nach Italien“ mit Opernarien. Diese werden vorgetragen von Sophia Hillert (Mezzosopran) und Christina Lemnitz (Klavier). Auf dem Programm stehen Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Vivaldi und Gioachino Rossini. „Zwischen virtuosen Koloratur-Arien und Belcanto-Partien wird erlebbar, was den besonderen Reiz der italienischen Oper ausmacht“, schreibt der Veranstalter und verspricht „Drama, intensive Gefühle und ein bisschen Fernweh“. Der Rotary Club unterstützt im Priener Jugendtreff „PrienaYou“ das Projekt „Food for Generations“. Jugendlichen aus diesem Projekt bereiten für die Konzertbesucher Häppchen vor. Eintritt und Verpflegung sind frei, Spenden für die karitativen Projekte sind erbeten.

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