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OVB-Leserforum

„Satansbraten, ich schäme mich für dich!“ Ex-Papst und Kirche wegen Missbrauch in der Kritik

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. steht in der Kritik. Er hat zugegeben, in Bezug auf Missbrauchsfälle in der Kirche nicht vollständig zur Aufklärung beigetragen zu haben.
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Der emeritierte Papst Benedikt XVI. steht in der Kritik. Er hat zugegeben, in Bezug auf Missbrauchsfälle in der Kirche nicht vollständig zur Aufklärung beigetragen zu haben.

Das Gutachten über die Missbrauchsfälle in Kirche erregt viele OVB-Leser. Im Zentrum steht der ehemalige Papst aus Bayern.

Ursula Resch (Oberaudorf): Mit großem Entsetzen und großer Scham müssen wir wenigen noch praktizierenden katholischen Gläubigen das Missbrauchsgutachten hinnehmen. Wenn man beten kann, muss man für die Opfer und die Angeklagten beten. Es gibt nichts zu verbergen. Vergesst bitte nicht die Mehrheit der Geistlichen und Laien, die sich nichts zuschulden haben kommen lassen. Bevor sie uns den Mund verbieten, erlaube ich mir auch auf den Missbrauch seit der 68er-Generation (die sexuelle Befreiung) hinzuweisen! Vor allem in den Kommunen, wo Unzucht mit Kindern ganz normal war.

Wo bleibt da der Aufschrei, alles schon vergessen? Auch in den sozialen Netzwerken. Angefangen bei der Video-Spielsucht, Gehirnwäsche bis zur Kinderpornografie. Ein breites Spektrum.

Die Kirche ist in ihrem Fundament so beschädigt – und eine Reform ist bitter nötig. Hardliner haben ausgedient. Letztendlich muss sich jeder für sein Tun vor dem „Obersten Richter“ verantworten, egal auf welcher Seite man steht.

„Tief erschüttert“

Erwin und Hannelore Dürr (Bad Feilnbach): Wir als praktizierende Christen waren auf einiges gefasst und sind nach dem veröffentlichten Missbrauchsgutachten erneut tief erschüttert. Wir befürchten, dass weitere Kirchen-Austritte folgen und die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Betätigung weiter sinken wird. Betreffende sollten jedoch bitte Folgendes bedenken: In Automobil-, Finanz- und sonstigen Unternehmen gab es große Skandale, und die Nazi-Vergangenheit wird dauerhaft ein Makel bleiben. Hat es seinerzeit bedeutende Kündigungen oder gar Staats-Austritte gegeben? Wurden Unternehmen und Institutionen aufgelöst? Wo ist das „gelobte Land“ mit vollkommenen Menschen?

Bei moralpredigenden Kirchen ist die Messlatte entsprechend hoch anzulegen. Geistliche haben in diverser Weise gesündigt und Christen heftig enttäuscht. Sie sollten sich öffentlich bekennen und (alle) um Vergebung bitten.

Der Staat braucht funktionierende Betriebe und Institutionen. Übeltäter müssen in allen Bereichen zur Rechenschaft gezogen, Missverhältnisse beseitigt und Institutionen gemeinwohlorientiert ausgerichtet werden. Amtskirchen haben stellenweise versagt, aber die Glaubensinhalte bleiben fortbestehen. Krisen beinhalten auch Chancen. Die Amtskirchen sollten dies beherzigen und sich „hörend, dienend und lebensbezogener“ zum Segen für alle entwickeln.

In vielen kirchlich geführten Kindergärten, Seniorenheimen, Krankenhäusern, karitativen Einrichtungen sowie Pfarreien wird Vorbildliches geleistet. Der Staat hätte große Mühe, entstehende Lücken zu füllen.

Wir bleiben engagiert, konstruktiv kritisch und orientieren uns am „halb vollen Glas“. Wenn auch „Wut im Bauch“, aber Kirchenaustritte halten wir für keine ideale Lösung.

Johann Nußbaum (Rimsting) Kardinal Gerhard Ludwig Müller sieht den emeritierten Papst fälschlicherweise in der Kritik: „Ich habe das Gutachten nicht gelesen; aber für mich ist klar, dass Erzbischof Ratzinger nicht vorsätzlich etwas Falsches getan hat“, sagte der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation dem „Corriere della Sera“.

Gerhard Ludwig Kardinal Müller war von 2002 bis 2012 Bischof von Regensburg und wurde 2012 von Papst Benedikt XVI. zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre nach Rom berufen. Müllers Amtszeit endete abrupt nach fünf Jahren. Papst Franziskus verzichtete auf eine mögliche Verlängerung. Kardinal Müller hat das Missbrauchsgutachten für das Münchner Erzbistum Gutachten zwar nicht gelesen. Sein Motto: „Ich weiß zwar nichts, ich weiß trotzdem alles!“ So einfach ist es, wenn man Kardinal und Freund des „Bayerischen Papstes“ ist!

„Missbrauchsfälle unentschuldbar“

Nikolaus Oppenrieder (Rosenheim): Die Missbrauchsfälle und der Umgang damit in den kirchlichen Hierarchien und von einzelnen Würdenträgern sind ohne jeden Zweifel unentschuldbar. Gerade das Verhalten von Benedikt XVI. richtet jetzt maximalen Schaden an. Es ist die Steilvorlage mit katalytischer Wirkung für unzählige folgende Kirchenaustritte.

Die Opfer sind ohnehin für ihr gesamtes Leben massiv beschädigt. Jedes der Opfer hätte mindestens einen persönlichen Brief des greisen Papstes mit einem Eingeständnis seiner persönlichen Schuld verdient.

Gerade weil diese Verbrechen innerhalb der eigentlich höchsten moralischen Instanz, nämlich der Kirche, geschehen sind und aktiv vertuscht wurden, potenziert sich die verheerende Wirkung.

Was mich aber noch viel mehr umtreibt, das ist die offensichtlich riesige Anzahl von Menschen aller Gesellschaftsschichten, die von pädophilen Neigungen betroffen sind. Das Leid der Opfer muss ungeahnte Größenordnungen haben, und es ist stumm.

Es bleibt mir ein Rätsel, denn derartige sexuelle Neigungen kann man sich doch nicht angewöhnen. Wohnen sie etwa Menschen inne, wie die verschiedenen Spielarten von Sexualität? Wenn das so ist, wie sollen wir als Gesellschaft damit umgehen? Etwa wie in der Antike, wo es meines Wissens ein eher übliches Verhalten war? Fragen, auf die ich bisher keine Antwort fand.

Richard Hofbauer (Rosenheim): Statt dem Blumengruß an den emeritierten Papst, den Gauweiler seinem Freund im Münchner Dom verehrt hat, wurde schon einen Tag später ein Plakat mir der Aufschrift „Satansbraten, ich schäme mich für dich“ an gleicher Stelle angebracht. Meiner Ansicht nach trifft Letzteres für Sittenstrolche besser zu, als der Affront des Nüßlein-Tandler-Maskenmannes Gauweiler.

„Katholische Kirche als 1000-jährige Lügenburg“

Ilse Sixt (Oberpframmern): Wenn auch das Gutachten der Missbrauchsfälle schwere Vorwürfe gegen Papst Benedikt XVI. erhebt, bin ich wirklich der Meinung, dass er sich das Ausmaß der Verfehlungen nicht vorstellen konnte. Im streng katholischen Elternhaus wurde er weltfremd erzogen. Sein Bruder Georg schrieb einmal in einem Forum: „Mein Bruder und ich waren noch nie verliebt.“ Antwortete ein Teilnehmer: „Da haben wir ja den Salat.“

Vom Gedanken, Sexualität sei ein Geschenk Gottes, war er durch Erziehung und Lehre der katholischen Kirche meilenweit entfernt. Nicht in erster Linie die Missbrauchs-Täter, es sind nicht lauter Schwerverbrecher, sondern die Institution katholische Kirche als 1000-jährige Lügenburg trägt mit ihren unmenschlichen Rahmenbedingungen die Hauptschuld. Gnade den Verantwortlichen.

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