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„Pseudoverfügbarkeit von möglichen Partnern“

Tschüss Tinder und Elitepartner - Buchautorin spricht in Kolbermoor über analoges Dating

Die Buchautorin Dr. Anne Dreesbach.
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Die Buchautorin Dr. Anne Dreesbach.

Viele Menschen flirten lieber erst über Online-Plattformen bevor sie sich im „wahren Leben“ begegnen. Dabei bringt die Möglichkeit des „analogen“ Kennenlernens wie früher viele Vorteile mit sich. Buchautorin Dr. Anne Dreesbach erklärt im Interview, warum sich man kaum noch ins Gespräch kommt und warum Dating-Portale wie Spielautomat funktionieren.

Kolbermoor – Tinder, Eliteparnter, Parship. In der heutigen Zeit gibt es endlose Möglichkeiten, einen Partner oder eine Partnerin über das Internet kennenzulernen. Dabei ist es viel wahrscheinlicher, den Traummann oder die Traumfrau im „wahren Leben“ zu finden, meint zumindest Dr. Anne Dreesbach (50). Die Autorin und Verlegerin aus München ist an diesem Freitag (20. Mai) zu Gast in der Stadtbücherei Kolbermoor, um über ihr Buch „Liebe lieber analog – 99 Offline-Dating-Ideen“ zu sprechen. Vorab erzählt sie im Interview, wie und wo das Kennenlernen im klassischen Sinne stattfinden kann.

Dr. Anne Dreesbach: Nach dem Ende meiner Ehe war ich selbst Single und fand mich irgendwann im Dschungel der Online-Dating-Plattformen wieder. Dort habe ich zwar nette Menschen kennengelernt, aber es kam mir auch aussichtslos vor. Vor lauter Durchklicken und zur Seite Wischen blieb im Kopf immer ein Zweifel. Kommt vielleicht noch etwas Besseres?

Deshalb sind Sie zum analogen Kennenlernen zurückgekehrt?

Dreesbach:Ja. Ich habe mich irgendwann besonnen und überlegt, wie eigentlich unsere Eltern und Großeltern Leute kennengelernt haben. So entstand auch die Buchidee. Ich will Menschen wieder Mut machen, sich zu trauen und andere einfach mal anzusprechen. Ich glaube, in Deutschland haben wir es verlernt, mit jemandem locker ins Gespräch zu kommen. Das ist mir gerade erst wieder im Italienurlaub aufgefallen, als das deutlich einfacher klappte. Beispielsweise nach der MeToo-Debatte wissen Männer hier oft gar nicht mehr, was sie einer Frau überhaupt sagen dürfen. Ein Kompliment kann oft schon falsch verstanden werden. Das Online-Dating verspricht da natürlich eine gewisse Sicherheit, da man dort weiß, dass auch die anderen nach einer Partnerin oder einem Partner suchen. Das weiß man auf einer Party nicht automatisch.

In der heutigen Zeit lernen sich zahlreiche Paare über Online-Plattformen kennen.

Warum hat das Kennenlernen im wahren Leben dennoch Vorteile?

Dreesbach:Weil man da eine Person eher in seiner natürlichen Lebensumgebung, etwa im Beruf, im Studium oder in seiner Freizeit, sieht. So kann man schneller abschätzen, wer zu mir passt und wer nicht. Nehmen wir beispielsweise die Dating-Plattform Tinder: Dort ist gefühlt jeder sportlich, fährt gerne Fahrrad und wandert in den Bergen. Natürlich will sich jeder positiv darstellen. Aber so ist es schwer, den Richtigen oder die Richtige zu erkennen. Denn der größte Fehler ist es, nur nach Äußerlichkeiten zu gehen.

Spielen Äußerlichkeiten beim analogen Kennenlernen keine Rolle?

Dreesbach:Doch, aber man kann dort auch mit anderen Stärken punkten, etwa mit seinem Charme oder seinem Humor. Es spricht nichts dagegen, sich auch auf den Online-Portalen umzusehen. Beschränkt man sich jedoch darauf, dann sehe ich dort eine Gefahr in dem Suchtpotenzial, in einer Spielautomaten-Situation. Denn diese Plattformen suggerieren eine Pseudoverfügbarkeit von unzähligen möglichen Partnern. Dabei wäre es sinnvoll, sich auch mal unter den Menschen umzusehen, die es bereits im eigenen Bekanntenkreis gibt.

Welche Tipps geben Sie Menschen, die analog Partner kennenlernen möchten?

Dreesbach:Sehr hilfreich finde ich alle Arten von Kursen. Wer etwa einen Italienisch-Kurs belegt, der sieht andere Menschen über einen längeren Zeitraum und man lernt sich in gewisser Weise automatisch kennen. Hilfreich kann es zudem sein, seine Freunde gezielt anzuzapfen und zu sagen: Leute, ich bin auf der Suche, wer kennt jemanden? Außerdem könnte man einfach mal anfangen, in der S-Bahn sein Handy wegzulegen und sich die Mitmenschen anzusehen. Dadurch, dass jeder in sein Bildschirm starrt, hat man kaum die Möglichkeit, mal jemanden anzulächeln.

Eine Frau tippt in Zeiten des Online-Datings auf einem Smartphone eine Nachricht.

Jemanden aber anzusprechen kostet dennoch Überwindung, oder?

Dreesbach:Ich denke, das ist auch eine Übungssache. Wer schon etwas älter ist und plötzlich wieder einen Partner sucht, der ist natürlich völlig aus der Übung. Es ist wichtig, wieder reinzukommen. Ein Ziel kann zunächst sein, überhaupt mal mit Menschen ins Gespräch zu kommen, auch ohne Hintergedanken. Alleine das kann schon helfen. Dabei tun sich ältere Menschen ohnehin leichter, da sie anders sozialisiert wurden. Ich habe das Gefühl, dass Jüngere viel größere Schwierigkeiten haben, überhaupt mit Fremden ins Gespräch zu kommen.Interview: Nicolas Bettinger

Infos zur Lesung am 20. Mai in Kolbermoor

Die Lesung findet an diesem Freitag, 20. Mai, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Kolbermoo r statt. Veranstalter ist die afa (Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der Evang.-Luth. Kreuzkirche Kolbermoor) in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei. Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse für fünf Euro.