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Pfarrverband Vogtareuth-Prutting

Katholische Kirche fliegt aus Glaubensbekenntnis

Der Pfarrverband Vogtareuth-Prutting bekennt sich seit Sonntag zur heiligen christlichen Kirche, nicht zur heiligen katholischen Kirche. Klinger
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Der Pfarrverband Vogtareuth-Prutting bekennt sich seit Sonntag zur heiligen christlichen Kirche, nicht zur heiligen katholischen Kirche. Klinger

Ein Schritt voraus zu den Ursprüngen: Im Pfarrverband Vogtareuth-Prutting glaubt man nicht mehr an die heilige katholische Kirche, sondern an die heilige christliche Kirche. Das sind die Gründe.

Vogtareuth/Prutting/Schwabering – In Italien heißt es seit November im „Vater unser“ nicht mehr „... Und führe uns nicht in Versuchung ... “ sondern „... Lass uns in der Versuchung nicht im Stich ...“. Und in Vogtareuth, Prutting, Schwabering und Zaisering heißt es seit Sonntag im Glaubensbekenntnis nicht mehr „Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche...“ sondern „... die heilige christliche Kirche ...“. Nanu?

Pfarrer Guido Seidenberger lässt jedem die Freiheit zu wählen.

„Ich habe schon länger darüber nachgedacht“, sagt Pfarrer Guido Seisenberger am Tag danach. Und auch mit dem Seelsorgeteam und den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden des Pfarrverbandes darüber geredet. Es sei ein längerer Überlegensprozess gewesen, aber „ es fühlt sich für mich stimmig an.“

„katholikós“ heißt nicht katholisch

Nicht nur, weil einige Kirchenbesucher für sich ohnehin schon die christliche Variante beten. Nicht nur, weil immer wieder Protestanten im Gottesdienst sind. Sondern weil „katholikós“ griechisch für „allumfassend“ ist. „Konfessionen gab es damals noch nicht““, sagt Seidenberger trocken.

Die selbe Übersetzung von „katholikós“ führt das Erzbischöfliche Ordinariat als Begründung für die Variante „... die heilige katholische Kirche ...“ an. Das Apostolische Glaubensbekenntnis werde deshalb in der gesamten katholischen Kirche so gebetet, teilt Hendrik Steffens, Pressesprecher des Ordinariats, auf Nachfrage mit. Im Falle von Feiern, die das ökumenische Miteinander hervorheben, könne im Gottesdienst der Begriff der „christlichen“ Kirche eingesetzt werden.

Im Ordinariat haben Seelsorger und Pfarrgemeinderäte des Pfarrverbandes allerdings nicht lange nachgefragt. Ihnen war „katholisch“ mittlerweile zu konfessionell geprägt. „Ich fand die Idee super und war gleich dabei“, lacht Christine Eckl, Pfarrgemeinderätin in Schwabering.

Die Freiheit, selber zu entscheiden

Zumal Seidenberger jedem Gläubigen die Freiheit lässt, sich für seine Version zu entscheiden. Bewusst entschieden haben sich Hans und Resi Bauer aus Vogtareuth am Sonntag gar nicht, „es ist noch so Routine mit ‚katholisch‘, das ging ganz automatisch“, erzählt sie. Die andere Form sei noch ungewohnt, aber schlecht finde sie es nicht.

Über den ungewohnten Sprechrhythmus stolpert auch Christine Eckl noch. Und vermutlich nicht nur sie. Deswegen sei das Glaubensbekenntnis am Sonntag auch bedächtiger gesprochen, nicht – wie so häufig – heruntergeleiert worden. Bei Seidenberger kamen Rückmeldungen an, dass Pfarreimitglieder ob der ungewohnten Formulierung tatsächlich über ihr Glaubensbild nachdachten.

Das gefällt Seidenberger. Denn es sei ihm mehr um die Auseinandersetzung mit dem eigenen Kirchenbild und um das christliche Menschenbild gegangen, als um den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Beschleunigt habe der Skandal die Sache allerdings. „Jetzt war‘s genau der richtige Zeitpunkt, dass wir es ändern“, findet Elisabeth Thusbaß, Pfarrgemeinderätin in Prutting.

Kleine Gruppe tut sich mit Neuerung schwer

Bisher sind weder beim Pfarrer, noch bei Christine Eckl oder bei Elisabeth Thusbaß negative Rückmeldungen aufgelaufen. „Ich denke, es kommt generell gut an“, so Elisabeth Thusbaß. „Jedem wird‘s nicht gefallen“, vermutet Christine Eckl und ist sich mit Seidenberger einig, dass es eine kleine Gruppe gibt, die sich mit Veränderungen schwer tut, die zur Öffnung nicht bereit ist. Die immer noch Katholiken und Protestanten als Konkurrenten sieht. „Und das ist altersunabhängig“, so Seidenberger.

„Ich bin gespannt, was noch an Diskussionen kommt“, sagt Seidenberger. Der froh ist um seine Gemeinde, die „mutig und engagiert“ ihre Interessen und Wünsche vertritt. Der Pfarrer amüsiert: „Die Dynamik überrascht mich selber.“

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