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Zwei Herzstücke in einem Umgriff

Bald geht es los in Bad Aibling: „Lichtspielhaus“ und „Wohnen am Mühlbach“ wird ab 2022 gebaut

Eine Visualisierung stellt die beiden Projekte „Lichtspielhaus“ (Mitte) sowie „Wohnen am Mühlbach“ und wie sie sich ins Stadtbild einfügen vor. Im Bauausschuss wurden die Vorhaben noch einmal zurückgestellt.
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Eine Visualisierung stellt die beiden Projekte „Lichtspielhaus“ (Mitte) sowie „Wohnen am Mühlbach“ und wie sie sich ins Stadtbild einfügen vor. Im Bauausschuss wurden die Vorhaben noch einmal zurückgestellt.

Es kommt wieder Bewegung in das Projekt „Lichtspielhaus“ im Aiblinger Stadtzentrum. Maximilian Werndl, Geschäftsführer von Werndl & Partner, erläuterte gegenüber dem Mangfall-Boten die aktuellen Pläne.

Bad Aibling – „Der geplante Eingriff umfasst zwei Gebäude, die zwar als separate Projekte geplant und vermarktet werden, aber jedoch wegen der räumlichen Nähe gleichzeitig errichtet werden. Zudem entlaste es das Umfeld, wenn sich die Gesamtbauzeit durch die Gleichzeitigkeit reduziert.

Kirchzeile 7 bleibt erhalten

Bei dem Projekt handle es sich um das sogenannte Lichtspielhaus am Marienplatz, das aus dem Bürgerentscheid vom Dezember 2018 bekannt ist, sowie das Projekt „Wohnen am Mühlbach“ von lbgo-Architekten, das nördlich dahinter am Mühlbach den Holzschuppen und die Kirchzeile 7A ersetzen wird. „Die Kirchzeile 7 bleibt wie versprochen stehen und wird im gleichen Zuge saniert und modernisiert“, so Werndl.

Geltendes Baurecht wird genutzt

Der Geschäftsführer betont zugleich, dass alle Bauvorhaben dem geltenden Baurecht entsprechen. „Der ursprüngliche Siegerentwurf des von der Stadt Bad Aibling geforderten Wettbewerbs zum Lichtspielhaus, welcher vom Münchner Architekturbüro abp stammt, wurde 2018 von den Bürgern im Bürgerentscheid abgelehnt“, erinnert er.

Und gesteht ein: „Diese Zurückweisung wollte erst einmal verdaut werden. In der folgenden Zeit wurde gemeinsam mit der Bürgerinitiative ein Kompromiss verhandelt, der vor allem die Ostseite des Lichtspielhauses betraf.“

Südseite weitgehend wie Siegerentwurf

Der Forderung, die Kirchzeile nicht mit einem hohen Gebäude zu konfrontierten, seien die Architekten mit einer niedrigeren Traufe nachgekommen. Dies bewirke den Effekt, dass das Gebäude von der Ostseite wirkt, als hätte es ein Geschoss weniger. „Die zum Marienplatz gewandte Südseite wurde weitestgehend im Siegerentwurfstand belassen, was für uns eine wichtige Voraussetzung für den Kompromiss war“, erläutert Werndl.

Die beiden Bauanträge wurden in der Stadt Bad Aibling abgegeben und in der jüngsten Bauausschusssitzung behandelt und vertagt, „nun starten wir die Planung der praktischen Umsetzung.“ Werkpläne würden erstellt, Ausschreibungen versandt, Bauverträge geschlossen und detailliertere Zeitpläne aufgestellt. „Rund drei Jahre wird der Bau dauern, wovon wir die meiste Zeit und Energie jedoch in die zwei Untergeschosse für die Herstellung der geforderten Kfz-Stellplätze investieren“, schlüsselt Werndl zudem auf.

Hoher Grundwasserstand zu berücksichtigen

Aufgrund der Nähe zu den Nachbargebäuden und dem hohen Grundwasserstand werde das eine technische Herausforderung. Im Vorfeld dazu erfolge der Abriss des Bestands im Frühling 2022.

Davor würden noch schützenswerte Teile – wie das alte Kassenhäuschen des ehemaligen Kinos – gesichert und gegebenenfalls Übungen der Feuerwehr und Polizei durchgeführt.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz beginne im Bauwesen schon mit der Abwägung für oder gegen den Erhalt einer bestehenden Substanz.

Architektonische Besonderheiten

„Der Name Werndl ist weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt für den Kampf um den Erhalt von schützenswerten Bauwerken, was zeigt, dass wir uns niemals leichtfertig für einen Abriss entscheiden“, so Werndl. Das über die Jahre mehrfach umgebaute, nicht unterkellerte, sogar einst gesamtheitliche, nun geteilte Gebäude ohne handwerkliche oder architektonische Besonderheiten konnte seiner Funktion an dieser wichtigen Stelle im Ort nicht mehr nachkommen. „Mit der Entscheidung des Abrisses muss vorweg eine Schadstoffanalyse prüfen, ob beim Abriss besondere Maßnahmen getroffen und eventuell Bauteile gesondert entsorgt werden müssen“, so Werndl weiter.

Denn vor allem die ordentliche Entsorgung sei ein wichtiger ökologischer Bestandteil. Dass für die Neubauten besondere Energieeffizienzen angestrebt würden, sei gesetzlich streng geregelt. „Interessanter sind andere Konzepte zur Nachhaltigkeit, die mehr auf die Gegebenheiten der Umgebung eingehen.“

Alle neuen Dächer entweder begrünt, oder mit Sonnenenergiesystemen bestückt

Zum Beispiel werde der Ort von den Stadtwerken Bad Aibling bereits sehr vorbildlich mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt, weshalb das Unternehmen sich auf die Beheizung und Warmwassererzeugung konzentriere. Hier gelte der Vorsatz: „Es sollte Pflicht sein, dass alle neuen Dächer entweder begrünt, oder mit Sonnenenergiesystemen bestückt sind. Bestenfalls beides“.

Und das werde hier umgesetzt: Auf beiden extensiv begrünten Dächern der Gebäude werden zahlreiche Sonnenkollektoren errichtet. Diese versorgen das Lichtspielhaus und „Wohnen am Mühlbach“ ganzjährig mit Wärme von der Sonne. Lediglich zu Spitzenlastzeiten in den kalten Monaten schalte sich ergänzend ein kleiner Spitzenlastkessel dazu.

Außerdem würden Elektrofahrzeuge für professionell betreutes E-Car-Sharing bereitgestellt, was den Bewohnern die Erfordernis eines Zweit-, oder Drittfahrzeugs ersparen soll. „Das reduziert das ungenutzt gebundene Kapital der Bewohner und bringt uns ,auf dem Land‘ das gemeinschaftliche nutzen von Strukturen näher, was in den Großstädten bereits erfolgreich praktiziert wird. Denn auch das erzielt weitreichende Effekte im nachhaltigen Denken“, so Werndl.

Nachhaltigkeit ein wichtiger Faktor

Die Kfz-Stellplatz-Thematik war einer der Hauptkritikpunkte der Bürgerinitiative bei dem Vorhaben von Werndl & Partner. „Deswegen haben wir alles daran gesetzt dieser Forderung nachzukommen“, so Werndl. Tatsächlich grenze es an ein Wunder, dass es die Planer geschafft hätten, auf diesem kleinen Grundstück 210 Pkw-Stellplätze und 142 Fahrradabstellplätze unterzubringen. Damit würden alle bestehenden Stellplätze wiederhergestellt, alle geforderten Tiefgaragen-Stellplätze und fast alle oberirdischen Besucherstellplätze hergestellt. „Das ist wirklich eine unfassbare planerische Leistung gewesen“, betont der Geschäftsführer.

Klassische Ausstattung

„Es macht uns eine große Freude bei diesen beiden Projekten mit so unterschiedlichen Themen spielen zu können. Das Lichtspielhaus bekommt eine sehr klassische Anmutung und Ausstattung. Hier haben wir wieder die Kassettentür für uns entdeckt, weiße, hohe Sockelleisten, stehende Armaturen, Kupfer, Messing, Stein, Holz… alles bodenständig, aber zeitlos schön“, findet Werndl. Zusätzlich sei das Thema „Lichtspiel“ vielfach zitiert. Zum Beispiel werde das Treppenhaus mit Standbild-Projektoren, die alte Filmtitel aus der Zeit des Kinos zeigen, beleuchtet. Der Innenhof werde zur Maximierung des Lichttransports mit reflektierenden Materialien, einer lichtverteilenden Skulptur eines regionalen Künstlers und Heliostaten (Sonnenlichtlenker) ausgestattet.

Pflanzgefäße im Innenhof

Das „Wohnen am Mühlbach“ hingegen wirke sehr leicht und elegant. „Der südliche Gebäudebereich ragt knapp zwölf Meter stützenfrei aus. Im Innenhof hängen riesige Pflanzgefäße herab, die an die schwebenden Berge des Films ‚Avatar‘ erinnern.“ Die zweite Fassade lege sich zum Schutze der Privatsphäre um die Terrassen und Balkone.

Bauausschuss: Vertagung zur Klärung von Eigentumsverhältnissen bei Stellplätzen

Über beide Tagesordnungspunkte diskutierte das Gremium des Aiblinger Bauausschusses – und beide wurden vertagt. Denn es müssen erstmals die Dienstbarkeiten geklärt werden. Kurz: Notariell muss das erst einmal besiegelt werden. Das entschied das Gremium in seiner jüngsten Sitzung.

Es geht um zwei Gebäude, die sich quasi eine Tiefgarage teilen: Zunächst ging es um einen Neubau an der Kirchzeile 7a samt Tiefgaragenerweiterung. Auf diesem Areal direkt am Mühlbach hat Werndl & Partner den Antrag gestellt, das Mehrfamilienhaus „Wohnen am Mühlbach“ zu realisieren. Läuft alles nach Plan, könnte laut Geschäftsführer Florian Eisner das bis jetzt bestehende Gebäude im Frühjahr abgerissen werden und anschließend mit dem Neubau – 22 Wohnungen sollen dort entstehen – begonnen werden.

Probleme mit Massivität

Die Meinungen waren unterschiedlich: „Mit dem massiven Baukörper habe ich meine Probleme“, sagte beispielsweise Florian Weber (Bayernpartei). Als „schön, aber nicht entscheidungsreif“ befand es Richard Lechner (SPD) und Anita Fuchs (Grüne) erklärte, dass man eventuell auch Nistplätze für die Mauersegler am Gebäude integrieren könne. Eingezeichnet in die Pläne waren auch die Stellplätze – von denen gehören auch welche der Stadt. Ob denn nicht einige wegfielen, hieß es. „Nein, der Stadt geht nichts verloren“, erklärt Eisner dem Gremium. Lange Rede, kurzer Sinn: Bevor die Position und Lage der Stellflächen nicht exakt geklärt seien, wolle man nichts entscheiden – diesen Antrag, den Punkt zurückzustellen, hatte Lechner gestellt. Und der wurde einstimmig angenommen. Damit es aber zügig vorwärts ginge, soll alles bis nächsten Bauausschuss geklärt werden.

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