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Stadtratsbeschluss

Helmut Cybulska ist Rosenheims neuer Stadtheimatpfleger: Warum es trotzdem Kritik gab

Helmut Cybulska ist der neue Stadtheimatpfleger.
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Helmut Cybulska ist der neue Stadtheimatpfleger.

Helmut Cybulska ist der neue Stadtheimatpfleger der Stadt Rosenheim – jedenfalls vorübergehend. Das haben die Stadträte in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen. Kritik gab es trotzdem. Nicht an Cybulska selbst, sondern vielmehr an der Art und Weise, wie die Stadt die Stelle besetzt hat.

Rosenheim – Für Karl Mair ist es ein Abschied auf Zeit. Seit 2009 ist er der Heimatpfleger der Stadt, interessiert sich seit vielen Jahren für die Rosenheimer Stadt- und Baugeschichte. Doch nachdem er seit einem Jahr auch Bürgermeister der Gemeinde Stephanskirchen ist, will er seine Funktion vorerst ruhen lassen. „Allein zeitlich ist die Ausübung des hauptamtlichen Bürgermeisteramts und des Ehrenamts des Heimatpflegers schwierig“, bestätigt Mair auf Nachfrage.

Karl Mair.

Keine einfache Entscheidung

Doch ein einfacher Abschied scheint es nicht gewesen zu sein. Das merkt man auch, wenn er über die vergangenen elf Jahre spricht. Er habe sich in seiner Funktion als Heimatpfleger auch als „Lobbyist in Sachen Stadtbild“ gesehen, bemühte sich immer wieder um neue Einträge in die Denkmalliste.

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Gelungen sei ihm das beispielsweise mit der ehemaligen Papierwarenfabrik Niedermayr oder dem Gasthaus Fischküche.

Die ehemalige Papierwarenfabrik Niedermayr ist ein gelungenes Beispiel für Denkmalschutz. Karl Mair hatte sich hier für einen Eintrag in die Denkmalliste eingesetzt.

Erhaltung des Mosaiks in der Bahnhofshalle

Er setzte sich zudem für die Erhaltung des Mosaiks mit den Innenstädten in der Bahnhofshalle ein und dokumentierte offene Fragen zur Bau- und Nutzungsgeschichte – beispielsweise der Kaltenmühle oder des ehemaligen Oberbahnamts am Südtiroler Platz.

Kulturgeschichte erlebbar machen

„Als Heimatpfleger war es mir außerdem stets ein Anliegen, die Rosenheimer Kulturgeschichte erlebbar zu machen“, sagt Mair. Aus diesem Grund habe er auch die Ausstellung „Made in Rosenheim“ initiiert, die im vergangenen Jahr in der Städtischen Galerie gezeigt worden war. „Als die Ausstellung am Nachmittag des 15. März 2020 wegen des ersten Lockdowns geschlossen werden musste, stand ich am Abend als Gewinner der Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Stephanskirchen fest – ein schicksalhafter Tag für mich.“

Idee spontan für gut befunden

Nicht nur für ihn, sondern auch für die Stadt. Denn die ist seitdem auf der Suche nach einem Nachfolger. Statt die Stelle – wie eigentlich üblich – auszuschreiben, habe man sich intern für den ehemaligen Baudezernenten Helmut Cybulska entschieden. „Wir haben die Idee spontan für gut befunden“, sagte Oberbürgermeister Andreas März (CSU) in der jüngsten Sitzung des Stadtrates.

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Zuvor habe es ein Gespräch zwischen Cybulska und Mair gegeben. Daraus sei dann die Idee entstanden.

Für viel Diskussionsstoff gesorgt

Es ist eine Idee, die in den vergangenen Wochen für viel Diskussionsstoff gesorgt hat. „Wir haben keinen Zweifel daran, dass Helmut Cybulska die Tätigkeit perfekt ausführen wird“, sagte Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP. Ihn störe vielmehr die Art und Weise, wie die Stelle besetzt worden sei. „Ich habe keinen Zweifel an der Person, sondern an der Vorgehensweise“, beschrieb seine Fraktionskollegin Christine Degenhart ihr persönliches Dilemma, in das sie durch das Vorgehen der Stadt geraten sei.

Bereiche sollten neu überdacht werden

Peter Rutz, Fraktionsvorsitzender der Grünen, schlug vor, die Stelle auszuschreiben, um für eine größtmögliche Transparenz zu sorgen.

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Stadtrat Markus Schmid (Republikaner) konnte die Kritik seiner Kollegen nicht verstehen: „Warum sollen wir die Stelle ausschreiben, wenn wir eine so kompetente Person wie Helmut Cybulska haben? Es muss doch nicht alles noch komplizierter werden.“

Lediglich eine Übergangslösung

Herbert Borrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU, sagte, dass man sich generell Gedanken über das Thema Heimatpflege machen müsse.

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So sei die Heimatpflege in Bayern auch eine kulturelle Aufgabe. Diesen Bereich übernehme im Moment aber allein das Kulturamt. Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD, hatte sich mit seiner Fraktion kritisch über das Thema ausgetauscht. Weil es sich aber nur um eine Übergangslösung handelt, stimmte er dem Vorschlag zu.

Abstimmungsergebnis: 28:15

Mit 28:15 sprach sich der Stadtrat schließlich dafür aus, dass Cybulska die Aufgaben des Stadtheimatpflegers übernimmt. Jedenfalls so lange, bis Karl Mair nach seiner Amtszeit als Bürgermeister zurückkehrt.

Interview mit dem neuen Stadtheimatpfleger Helmut Cybulska

Im Stadtrat ist die Abstimmung eher knapp ausgefallen. Das lag aber nicht an Ihnen, sondern vielmehr an der fehlenden Ausschreibung. Haben Sie dafür Verständnis?

Helmut Cybulska: Natürlich habe ich Verständnis für kritische Fragen zum Bestellungsverfahren. Aber es freut mich natürlich, dass die Verfahrenskritik ausdrücklich nicht verbunden war mit Zweifeln an meiner Eignung für die neue Aufgabe.

Warum wollten Sie Stadtheimatpfleger werden?

Cybulska: Heimatpflege soll erhalten und gestalten. Über viele Jahre konnte ich mich den planerischen Herausforderungen der Stadtentwicklung aus dem Aufgabenbereich der Verwaltung stellen. Als neue Herausforderung fasziniert mich die Verantwortung, aus dem Ehrenamt, dem „Dienst der Allgemeinheit“, die bestehenden Werte in der Stadt zu erhalten wie auch weiterzuentwickeln. Hier kann ich natürlich das über viele Jahre erworbene Wissen und die vielfältigen Verbindungen in eine hoffentlich konstruktive Arbeit einbringen.

Finden Sie es sinnvoll, dass die Funktion des Stadtheimatpflegers auf Denkmalpflege beschränkt ist, oder sollten auch andere Themenbereiche in Ihren Aufgabenbereich fallen?

Cybulska: In der Heimatpflegerichtlinie werden zwei große Themenfelder der Heimatpflege umrissen: Auf der einen Seite der Denkmalschutz und die Denkmalpflege sowie das Bauwesen, umfassend vom städtebaulich bedeutsamen Einzelvorhaben bis hin zum Schutz der Landschaft und zum Erhalt des Orts- und Siedlungsbildes. Auf der anderen Seite stehen die Pflege von Brauchtum, Dialekt und Tracht sowie Volkslied, Volksmusik und Volkstanz.

Die Heimatpflege war in Rosenheim bisher schon getrennt organisiert: die Aufgaben der Denkmalpflege und des Bauwesens wurden von einem Architekten wahrgenommen, die Pflege von Brauchtum und Volksgut lag in der Verantwortung der Kolleginnen und Kollegen im Kulturamt. Diese Aufteilung hat sich nach meiner Einschätzung bewährt. Mit meinen beruflichen Voraussetzungen werde ich mich auch gerne auf die baufachlichen Themen konzentrieren.

Was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre in Ihrer neuen Position?

Cybulska: Die Hauptaufgabe der Heimatpflege ist es, zum Erhalt und zur Vermittlung der historischen Dimensionen der Stadt beizutragen. Als persönliches Ziel sehe ich die Kommunikation dieser Werte und die kritische Begleitung von Veränderungsprozessen, damit sich Neuerungen und Vorhandenes zu einem überzeugenden Ortsbild zusammenfügen.

Wo sehen Sie gelungene Beispiele zum Thema Denkmalschutz in Rosenheim?

Cybulska : „Als gelungene Beispiele sehe ich den Lokschuppen, sowohl in der ersten Sanierung in den 80er Jahren, als auch in der aktuellen Erweiterung. Hier finden Vorhandenes und Ergänzung überzeugend zueinander. Mit einer neuen Funktionalität ist der Erhalt und die Nutzung des Denkmals nachhaltig gesichert. Ähnlich überzeugende aktuelle Beispiele sind die sanierte Papierwarenfabrik in der Brückenstraße oder die ehemalige Hofstelle Bauer in der Au.“

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