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Vier der sechs Speicher Bayerns in Rosenheim und Mühldorf

Erschreckende Füllstände der Erdgas-Speicher in der Region: Was passiert, wenn Russland den Hahn zudreht?

Flammen sind an einem Gasherd zu sehen. Müssen die Deutschen aufgrund der Erdgas-Abhängigkeit von Russland zukünftig auf kleinerer Flamme kochen?
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Flammen sind an einem Gasherd zu sehen. Müssen die Deutschen aufgrund der Erdgas-Abhängigkeit von Russland zukünftig auf kleinerer Flamme kochen?

Trotz der Ankündigung Russlands, die Gaslieferung nach Deutschland durch die Nord-Stream-Pipeline um 40 Prozent zu reduzieren, sieht die Bundesregierung die Versorgung weiter gewährleistet. Vier der sechs Erdgasspeicher Bayerns stehen in der Region. Und die Füllstände sind teilweise erschreckend.

Rosenheim/Mühldorf – Wenn das Thema Erdgas in Bayern angesprochen wird, fällt der bange Blick auf die schwindenden Reserven vor allem in den Südosten Bayerns. Denn vier der sechs Erdgasspeicher des Freistaats liegen in der Region. Grund genug für Ministerpräsident Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, sich ein Bild von der aktuellen Lage zu machen und die Lagerstätte in Bierwang bei Unterreit zu besuchen. Doch wie steht es wirklich um die Energiereserven des Freistaats? Ein Überblick der OVB-Heimatzeitungen über das wertvolle Gas in der Region zeigt: Ohne das Gas aus Russland, das die Lieferung in die Bundesrepublik jüngst stark gedrosselt hat, wird es eng.

Füllstand weit weg von 90 Prozent

„Gut die Hälfte des hier eingespeicherten Gases kommt aus Russland“, berichtet Michael Buchmann, Betriebsleiter des Erdgasspeichers Inzenham-West, der in der Nähe von Großkarolinenfeld in Deutelhausen liegt. Er kümmert sich um den technischen Ablauf und hat somit jederzeit den Überblick über den täglichen Füllstand. Rund 75 Prozent des Speichers, der ein Gesamtvolumen von 880 Millionen Kubikmetern aufweist, sind demnach gefüllt. Eine gute Quote des slowakischen Betreibers „Nafta“ im Vergleich zu den anderen Lagerstätten im Landkreis.

Das Unternehmen ist dabei sogar bayernweit das Einzige, das selbst noch kleine Mengen an Erdgas fördern kann. „Das reicht allerdings gerade mal, um unsere eigenen Maschinen zu versorgen“, sagt Buchmann.

Von Breitbrunn bis Inzenham-West: So viele Erdgasspeicher gibt es noch in der Region.

Abgesehen davon ist laut einer Übersicht des Bayerischen Wirtschaftsministeriums die Förderung von Erdgas erschöpft. Seit dem Förderbeginn von eigenem Gas im Jahr 1952 wurden demnach lediglich 18 Milliarden Tonnen Erdgas aus dem Boden geholt. Zum Vergleich: Alleine um die Speicher in Bayern in diesem Jahr auf die von der Bundesregierung vorgeschriebenen 90 Prozent zu füllen, bräuchte es rund sechs Milliarden Kubikmeter.

Auf andere Länder angewiesen

Diese Zahlen zeigen, dass der Freistaat laut Buchmann auf andere Länder angewiesen ist. „Es wäre leichtsinnig zu sagen, wir könnten fehlendes Gas aus Russland einfach ersetzen“, betont er.

Auch neue Standorte für Speicher in Bayern zu finden, ist sehr schwierig, wie Wolfgang Rupp, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, auf OVB-Anfrage erklärt: „Genehmigung, Bau und Inbetriebnahme neuer unterirdischer Speicheranlagen sind angesichts hoher technischer und rechtlicher Anforderungen kaum kurzfristig zu realisieren.“ Daher seien auch in jüngster Zeit keine neuen Speicher hinzugekommen.

Aktuell werden die beiden größten Speicher der Region in Eggstätt/Breitbrunn und Bierwang bei Unterreit (Landkreis Mühldorf) noch aus Russland beliefert. „Derzeit gibt es keine Versorgungsengpässe mit Erdgas in Deutschland. Gazprom liefert die mit uns vereinbarten Mengen“, bestätigt Oliver Röder, Pressesprecher des deutschen Betreibers „Uniper“. Dennoch sind laut der Datenbank der Europäischen Union die beiden Speicher mit einem Volumen von insgesamt 4,5 Milliarden Kubikmetern nur zu rund einem Viertel gefüllt.

Der Porenspeicher in Schmidhausen bei Großkarolinenfeld ist gemäß der EU-Datenbank noch zur Hälfte voll. Wie viel Gas davon aus Russland kommt, wurde auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen nicht genannt.

Experte forderte eine Übergangslösung

Auf eine dauerhafte Lieferung aus Russland wolle man sich jedoch nicht verlassen. „Es ist unabdingbar, sich unabhängig von russischem Gas zu machen“, unterstrich Söder bei seiner Bestandsaufnahme in Bierwang. Dafür bräuchte es allerdings eine Übergangslösung, zumal beispielsweise Gas aus Katar erst ab 2024 bezogen werden könnte.

Ein wichtiger Faktor ist in dieser Hinsicht laut einer Sprecherin des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, dass der in Österreich liegende Gasspeicher Haidach, der größer ist als alle bayerischen Gasspeicher zusammen, ausreichend gefüllt wird. „Dafür steht die Staatsregierung im engen Kontakt mit Österreichs Bundeskanzler Nehammer.“

Doch auch hier wird es kompliziert. Denn die in Deutschland anvisierte Befüllung von 90 Prozent gilt für den Gasspeicher in Österreich nicht. Zudem obliegt der Betrieb des zweitgrößten Erdgasspeichers in Westeuropa laut Firmenangaben zu zwei Dritteln dem russischen Unternehmen Gazprom.

Wie viel bleibt für kommenden Winter?

Ob es in den Wohnzimmern Bayerns warm bleibt, wird somit wohl zunächst auch weiterhin vom russischen Erdgas abhängig bleiben. „Ich hoffe, dass auch im kommenden Winter weitere Lieferungen aus Russland eintreffen“, bilanziert Prof. Dr. Klaus-Dieter Maubach, Vorstandsvorsitzender von „Uniper“. Denn so schnell könne man sich mit den Speichern in der Region eben nicht unabhängig machen.