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Rosenheimer Bäckereien passen Preise an

Weizenpreis explodiert: Können wir uns bald nicht mal mehr die Brezen leisten?

Semmeln und Brezen werden in den Bäckereien in Rosenheim durch Lebensmittel-und Energiekrise immer teurer.
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Semmeln und Brezen werden in den Bäckereien in Rosenheim durch Lebensmittel-und Energiekrise immer teurer.

Die Kosten für Lebensmittel und für Energie steigen vor allem durch den Krieg in der Ukraine immer weiter an. Das wirkt sich auch auf das Bäckerhandwerk aus. Teilweise verdreifachen sich die Ausgaben der Bäckereien in Rosenheim. Das hat Folgen für die Kunden.

Rosenheim – „Ich schaue schon gar nicht mehr nach, was es kostet“, sagt Petra Maier von der Bäckerei Maier in Pang und lacht. Die steigenden Preise von Weizen, Zucker und Butter kann sie nur noch mit Humor nehmen. „Es ist alles teurer geworden, angefangen vom Mehl bis hin zur Papierverpackung“, sagt Maier.

Nicht zuletzt durch den Krieg in der Ukraine sind die Kosten für Lebensmittel in die Höhe geschnellt. Allen voran der Preis für Weizen hat sich teilweise mehr als verdoppelt. Das hat drastische Folgen für die Bäckereien in Rosenheim. Und auch für deren Kunden: Denn der Preis für Brezen, Semmeln und Krustenbrote steigt deutlich an.

Produktionskosten teilweise verdreifacht

„Vor einem Jahr lag der Preis für eine Tonne Weizen noch bei ungefähr 200 Euro“, sagt Manfred Miedl, Bäcker und Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckerei. Inzwischen würden über 420 Euro für die selbe Menge fällig werden. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. „Der Preis für Weizen ist aber schon vor Kriegsbeginn gestiegen“, sagt Christian Bauer, Geschäftsführer der Bäckerei Bauer aus Stephanskirchen. „2017 lag der Preis für eine Tonne zum Vergleich noch bei rund 150 Euro. Das ist ein immenser Unterschied“, sagt Bauer.

Durch den Angriff Russlands hätte der Weizenpreis aber noch einmal eine andere Dimension erreicht. Dies hat zum einen damit zu tun, dass Russland im vergangenen Jahr der größte Weizenexporteur war. Auch die Ukraine gehört zu den fünf größten Lieferanten von Getreide. Hinzu kommt, dass die Regierung von Indien, ebenfalls ein Großexporteur, die Ausfuhr von Weizen aufgrund von Ernteausfällen durch Hitzewellen verboten hat, um die Lebensmittelknappheit im eigenen Land zu stoppen. „Dadurch entsteht dieser hohe Preis für Weizen an der Börse“, stellt Bauer fest.

Dabei sei es dann auch kein Vorteil, wenn man auf regionale Produkte zurückgreife. „Den Preis müssen die regionalen Lieferanten mitgehen, dafür muss man nicht mal am Weltmarkt einkaufen“, sagt Miedl. Von drohenden Lieferengpässen und damit einem Produktionsausfall sind die Bäckereien in der Stadt allerdings noch entfernt.

Weizenspeicher sind voll, aber der Preis steigt

„Die Versorgungslage bei den Hauptzutaten ist nicht problematisch. Der Preis schon“, sagt Bauer. Ähnliches beobachtet auch Manfred Miedl. „Durch Verträge aus dem Vorjahr sind unsere Mehl- und Getreidespeicher bis mindestens September gut gefüllt“, erläutert Miedl. Wie die Zeit danach aussehe, wenn der Preis noch weiter steigt, könne man laut der beiden Bäcker noch nicht sagen. „Dazu bräuchte ich eine Glaskugel“, sagt Bauer.

Entscheidender für die Preissteigerung der Backwaren seien aber nicht nur der Weizen, sondern die weiteren Zutaten. „Der größte Faktor sind die höheren Kosten für Zucker, Öl und Milchprodukte“, sagt Karl Mooslechner von der gleichnamigen Bäckerei in Aising. Den Weizenpreis könne seine Bäckerei bisher noch ganz gut auffangen, aber die allgemeine Lebensmittelpreiserhöhung sei ein Problem. „Das ist brutal. Gefühlt steigt der Preis für Butter beispielsweise jeden Tag“, stellt Manfred Miedl fest.

Dadurch würden sich nur zwei Möglichkeiten ergeben. Entweder er steige auf Margarine um, die weniger Qualität als Butter in die Produkte bringt, oder er zahle den Preis. „Wenn die Qualität schlechter wird, habe ich keine Chance mehr“, sagt Miedl. Das gleiche Bild würde sich beim Zuckerpreis ergeben. „Der Preis ist explodiert“, stellt Christian Bauer fest. Auch dort sei eine Steigerung von über einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr zu erkennen.

Erschwerend kommt für die Bäckereien hinzu, dass nicht nur die Kosten für Lebensmittel gestiegen sind, sondern auch die Energiepreise. „Die Ausgaben für Gas und Strom haben sich verdreifacht“, sagt Miedl. Kein Wunder: Zum Backen braucht es Strom. Angefangen von den Öfen bis hin zu Kühlmöglichkeiten.

Das würde soweit reichen, dass sowohl Miedl als auch Maier um Kosten zu sparen die Lieferungen reduziert hätten, um zumindest die Benzinkosten so gering wie möglich zu halten. „Zusammengefasst haben wir zwischen 30 und 100 Prozent höhere Ausgaben“, stellt Bauer fest. Bei Miedl hätten sich die Kosten „verdoppelt“. Um die Spanne zwischen Ausgaben und Umsatz nicht zu groß werden zu lassen und in Existenznöte zu geraten, müssten alle Bäckereien die Erhöhung an die Kunden weitergeben.

Zwischen fünf und zwölf Cent mehr

So hätte Manfred Miedl die Preise in seiner Bäckerei seit Beginn der Krisen um fünf Prozent anpassen müssen. „Mehr trauen wir uns gar nicht“, sagt er „sonst kauft ja niemand mehr was“. Bei der Bäckerei Bauer würden für Semmeln und Brot zwischen drei und sieben Prozent mehr fällig werden. Wo 2021 die Breze noch 68 Cent gekostet hätte, ist der Preis bei Bauer inzwischen auf 80 Cent gestiegen.

Bei Petra Maier kostet die Breze mittlerweile 75 Cent. Noch vor paar Monaten hätte sie diese für 70 Cent anbieten können. „Und trotzdem kommen wir nicht an den Umsatz heran, den wir sonst haben“, sagt Maier. So sieht das auch Miedl. „Trotz all der Erhöhungen können wir niemals unsere jetzigen Ausgaben decken“, sagt er.