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Kuren werden wieder Kassenleistung

Die Kurorte in der Region hoffen auf einen neuen Gästeboom

Ambulante Kuren, wie hier eine Anwendung mit Moor in der Bad Aiblinger Klinik Wendelstein, müssen die Krankenkassen künftig wieder als Regelleistung anbieten.
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Ambulante Kuren, wie hier eine Anwendung mit Moor in der Bad Aiblinger Klinik Wendelstein, müssen die Krankenkassen künftig wieder als Regelleistung anbieten.

Am Freitag vergangener Woche hat der Bundestag beschlossen: Krankenkassen müssen Kuren wieder als Pflichtleistung anbieten. Sollte der Bundesrat dem Gesetz am 18. Juni ebenso zustimmen, gilt die neue Regel. Die Kurorte in der Region freut’s schon mal.

Rosenheim – Es ist nur der kleine Teil eines umfassenden Gesetzespakets mit dem sperrigen Namen: „Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“. Doch gerade dieser Passus macht viele Kurdirektoren in der Region glücklich. Denn die Sammlung an Neuregelungen macht es für Kassenpatienten künftig leichter, in Kur zu gehen.

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Bislang lag es im Ermessen der Versicherer, ob sie ihren Mitgliedern diese Leistung gewähren oder nicht. In der Regel geht es dabei um ambulante Kuren. Sprich: Der Patient muss sich um Unterkunft und Verpflegung selbst kümmern, die Kosten für die Anwendungen vor Ort übernimmt seine Krankenkasse. In Ausnahmefällen tragen die Kassen aber auch stationäre Kur-Aufenthalte.

Wiederentdeckung einer Therapieform

Für den Bad Aiblinger Kurdirektor Thomas Jahn ist diese Entwicklung ein Grund zur Freude. Denn: „Wir gehen davon aus, dass wir vor dem Hintergrund der Gesetzesänderung wieder eine zunehmende Zahl an Patienten für den Bereich ambulante Badekur in Bad Aibling begrüßen können“, vermutet Jahn. Er rechnet vor: Seien 1995 noch rund 880.000 ambulante Badekuren pro Jahr in Deutschland verordnet worden, sei diese Zahl im Jahr 2019 auf einen Wert von 34.000 gesunken.

Homöopathische Dosis

„Das reicht noch nicht mal für eine homöopathische Dosis“, schildert er, warum seitdem viele Kur-Anwendungen wieder vom Markt verschwunden seien. Entscheidend für „Wiederentdeckung“ der ambulanten Kur seien aber künftig die Hausärzte. Jüngere Generationen der Zunft hätten diese Therapieform längst nicht mehr auf dem Schirm.

Dabei sei ein solches Angebot durchaus sinnvoll, wie der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim, Fritz Ihler, findet.

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Bislang sei die Regel gewesen, eine Kur wird erst dann bewilligt, wenn das Kind schon längst in den Brunnen gefallen war und die Krankheit schon ihren Lauf nehmen konnte. Mit dem neuen Ansatz will die Politik indes die Vorsorge stärken. Wann Ihler und seine Kollegen die ersten Gutachten Richtung Krankenkassen schicken können, kann der Mediziner indes noch nicht sagen. Noch fehlten die Ausführungsbestimmungen zur neuerlichen Gesetzgebung.

Aufbruchsstimmung macht sich breit

Doch die Aufbruchsstimmung ist auch den Bürgermeistern der Kurorte anzumerken „Auf diese wichtige Entscheidung hat Bad Aibling lange gewartet“, sagt Stephan Schlier, Erster Bürgermeister der Stadt, für die sich nun wieder ganz neuen Perspektiven ergäben. Ebenfalls positiv äußert sich Bürgermeister Anton Wallner aus Bad Feilnbach: „Für den Gesundheitsstandort Bad Feilnbach sind Kassenleistungen für ambulante Kuren ein wichtiger Baustein der Zukunftssicherung.“

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„Die Prävention in den Fokus zu nehmen, ist der richtige Schritt. Unsere Einrichtungen in Bad Endorf bieten ambulante Kur- und Medizindienstleistungen an, welche der Gesundheit der Menschen besonders zuträglich sind“, meint Bad Endorfs Bürgermeister Alois Loferer. Auch der Kurdirektor der Stadt, Peter Helfmeyer, verspricht sich von der neuen gesundheitspolitischen Richtung einen Aufschwung – auch touristisch.

Gäste bleiben wieder länger

Die Aufenthaltsdauer werde sich mit der neuen Regelung wieder über den Durchschnitt von einer Woche einpendeln, glaubt er. Besonders freut ihn jedoch, dass Kurgäste auch jenseits der üblichen Saison nach Bad Endorf kämen: „Der Kurgast schätzt den Altweibersommer“, sagt Helfmeyer. Und damit die Ruhe, wenn sich der Trubel während der Hauptreisezeit gelegt hat, wenn es nicht mehr so überfüllt, aber auch nicht mehr so heiß ist.

Meilenstein für Prävention

Für die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) ist der Beschluss im Bundestag ein „Meilenstein für Heilung und Prävention“. Versicherte hätten damit einen gesetzlichen Anspruch auf Vorsorge. „Wir legen das Hauptaugenmerk damit auf den Menschen und den Erhalt seiner Gesundheit, nicht erst auf die Heilung der Krankheit“, findet die Christsoziale.

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