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Trend durch Corona verstärkt

Der Wohnmobil-Verleih in der Region Rosenheim und Wasserburg boomt

Sein Fuhrpark ist ausgebucht: Peter Reiser, Geschäftsführer der Bayerischen Wohnmobile GmbH mit Sitz in Weng bei Griesstätt.
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Sein Fuhrpark ist ausgebucht: Peter Reiser, Geschäftsführer der Bayerischen Wohnmobile GmbH mit Sitz in Weng bei Griesstätt.

Es ist vor allem die Flexibilität, die die Menschen reizt, mit dem Wohnmobil wegzufahren. Ein Ziel ansteuern, dort ein paar Tage bleiben und dann ein neues suchen. Nicht erst seit Beginn der Pandemie boomt die Branche – ob im Verkauf oder im Verleih. Zwei Unternehmer aus Kiefersfelden und Griesstätt sind deswegen im Stress.

Griesstätt/Kiefersfelden – Sich ein Reisemobil anzuschaffen und zu unterhalten, ist nicht günstig. Da kann mieten eine gute Alternative sein. So kann man sich herantasten.

Das Modell Rent-a-Wohnmobil ist gefragt. So sehr, dass die Verleiher im Stress sind. Wählt man die Nummer einer Vermietungsfirma, hängt man oft genug in der Warteschleife fest – ob in Raubling oder Rosenheim, die Anbieter scheinen dem Sturm von Anfragen kaum gewachsen. Mit etwas Glück ist schließlich Peter Lotter, Chef des Verleihers Lobra in Kiefersfelden, am Apparat. Warum er gerade schwer zu erreichen sei? „Wir haben zwar noch Autos zur Verfügung, aber es geht alles drunter und drüber. Es ist der Wahnsinn.“

Lieferprobleme bei manchen Modellen

Die Verteilung der Wohnmobile auf die Kunden frisst viel Zeit, oft muss umorganisiert werden, berichtet er. Zum Beispiel hätten manche ihre Bestellung für den August wieder storniert. „Dann aber kommen sie nach Wochen zurück und wollten doch fahren. Das gewünschte Fahrzeug ist aber nicht mehr da.“

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Auch mit der Anlieferung von neuen Wohnmobilen klappe es derzeit nicht: „Fiat ist beim Modell Ducato im Rückstand“, beklagt Lotter. Andere Anbieter böten sich nicht an, die französischen Modelle etwa seien unzuverlässig: „Die will niemand.“ An der Stelle muss Lotter das Gespräch allerdings beenden, weil wieder das Telefon klingelt. Er versteht sich auch als Dienstleister, der für seine Kundschaft auch schon mal den Fernseher im Wohnmobil mitten in der Nacht in Ordnung bringt.

Etwas weniger hektisch geht es bei Peter Reiser zu, dem Geschäftsführer der Bayerischen Wohnmobile GmbH mit Sitz in Weng bei Griesstätt.

Griesstätter Verleiher ist ausgebucht

Der 62-Jährige muss sich um die Saison nicht mehr sorgen, sein Fahrzeugpark ist bis Ende August ausgebucht. Zur Verfügung hat er 25 bis 30 Wohnmobile, die für zwei bis vier Personen ausgelegt sind und in der Anschaffung zwischen 80.000 und 100.000 Euro kosten. „Ich bin zufrieden“, sagt er. „Obwohl ich das Fünffache vermieten könnte.“

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Die in diesem Jahr durch die Pandemie erlittenen Verluste kann er ohnehin nicht mehr reinholen. „Verloren ist verloren“, sagt er. Zahlen nennt er nicht, von einem Minus in sechsstelliger Höhe im vergangenen Jahr hatte Konkurrent Bernhard Lotter gesprochen.

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Preiserhöhungen kamen für Reiser nicht in Frage, um seine Stammkunden nicht zu verprellen. Je nach Saison und Personenzahl kostet die fahrbare Ferienwohnung bei ihm zwischen 99 und 179 Euro pro Nacht. Bei einem Schadensfall springt eine Versicherung ein, die Selbstbeteiligung beträgt 1500 Euro. Wohnmobil-Urlaub hat seinen Preis, so Reiser. „Er ist teurer als ein Pauschalhotel. Ganz klar.“ Sprit, Campingplatzgebühren, Übergabepauschalen – all das müsse einkalkuliert werden.

Kurzfristig mit Neuanschaffungen die Kapazitäten zu erweitern, ist nach den Worten des Griesstätter Verleihers ebenfalls nicht möglich. „So schnell kriege ich keine Fahrzeuge.“ Erst im März 2023 erwartet Reiser eine Lieferung von 50 bestellten Wohnmobilen.

Urlaubsverhalten hat sich geändert

Worauf er zurückführt, dass das Vermietungsgeschäft gerade so gut läuft? Die Pandemie sieht er dabei nicht unbedingt als Auslöser: Die Nachfrage nach Wohnmobilen sei schon vorher groß gewesen. Der Grund für das gestiegene Interesse liegt nach seinen Worten in einem geänderten Urlaubsverhalten.

Es muss nicht mehr der Grand Canyon sein

„Die Leute haben in den vergangenen 20 Jahren viele Länder gesehen, sie waren in Amerika, in Asien und jetzt entdecken sie mehr und mehr nähere Ziele, Frankreich zum Beispiel oder Italien.“

Seine Kundschaft sei bunt gemischt: Anwälte und Handwerker würden sich genauso in ein Wohnmobil setzen wie Professoren und Lehrer. Die Erkenntnis setze sich durch, dass zum wahren Urlaubsglück nicht unbedingt der Blick auf den Grand Canyon gehöre – auch eine Fahrt am Rhein entlang könne eine prima Sache sein.

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Das sagt der Caravaning Industrie Verband:

„Caravaning steht für vielfältige und selbstbestimmte Urlaubsgestaltung und ist daher für immer mehr Menschen attraktiv“, sagt Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes e. V. (CIVD). „Das gilt umso mehr unter den aktuellen Bedingungen. Mit einem Reisemobil oder Caravan verreist man individuell und nur mit Personen des eigenen Haushalts und ist durch eigene Wohn-, Schlaf-, Koch- und Sanitärmöglichkeiten weitestgehend autark. Die Pandemie hat grundsätzliche und langfristige Entwicklungen im Tourismus wie Nachhaltigkeit, regionales und individuelles Reisen oder den Trend zurück in die Natur beschleunigt.“ Schon im ersten Coronajahr, 2020, boomte der Verkauf von sogenannten Freizeitfahrzeugen. Über 107.000 Freizeitfahrzeuge (Reisemobile und Caravane) wurden neu zugelassen - laut Verband so viele wie nie zuvor und fast ein Drittel mehr als 2019. Heuer, im ersten Quartal 2021, spricht der Verband davon, dass die Neuzulassungen erneut gestiegen seien. „Trotz des schwierigen Geschäftsumfeldes und der anhaltenden Corona-Pandemie legten sie um starke 12,6 Prozent auf über 24.000 Fahrzeuge zu. Entscheidend dazu beigetragen hat das starke Märzergebnis mit einem Wachstum von über 40 Prozent.

Die deutsche Caravaningbranche setzte im Jahr 2020 rund 12,5 Milliarden Euro um. Der Umsatz stieg um über sechs Prozent auf einen neuen Rekord. Das Geschäft mit Neufahrzeugen entwickelte sich aufgrund des coronabedingt verringerten Produktionsvolumens leicht rückläufig. Starke Zuwächse verzeichneten die Geschäftsbereiche Gebrauchtfahrzeuge und Zubehör. 2020 war das siebte Jahr in Folge, das die Branche mit einem neuen Bestwert abschloss, so der CVID.

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