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Schädling oder Nutztier?

„Der Biber muss reguliert werden“: Landwirt über Nager und Landratsamt frustriert

Die Umzäunungen der Bäume, wie sie das Landratsamt zur Prävention von Biberschäden vorschlägt, sind unschön, sie nutzen nach Ansicht von Thomas Thurnhuber nur wenig. Die Population des Bibers muss seiner Meinung nach reguliert werden.
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Die Umzäunungen der Bäume, wie sie das Landratsamt zur Prävention von Biberschäden vorschlägt, sind unschön, sie nutzen nach Ansicht von Thomas Thurnhuber nur wenig. Die Population des Bibers muss seiner Meinung nach reguliert werden.

Der Biber: Schädling oder Nutztier? In einer Pressemitteilung äußerte sich das Landratsamt vor Kurzem klar für den Nager. Thomas Thurnhuber sieht das anders. Der Pfaffinger Landwirt hat seine Felder an der Attel, in der der Biber lebt. Vom Landratsamt fühlt er sich im Stich gelassen.

Pfaffing – Der Biber: Schädling oder Nutztier? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Erst vor Kurzem erklärte die Untere Naturschutzbehörde in einer Pressemitteilung, dass der Biber zu Unrecht verrufen sei. Es handle sich um eine „Schlüsselart“ in Feuchtgebieten, von der Natur und Mensch profitieren würden. Zudem werde der mögliche Schaden, den Land- und Forstwirte durch sein Nagen davontragen, durch Ausgleichszahlungen kompensiert. Eine Aussage, die nichts mit der Realität zu tun habe, wie Landwirt Thomas Thurnhuber aus Pfaffing erklärt.

Der Biber: Ein Schädling oder ein Nutztier?

„Wir sind zweimal eingebrochen“

Thurnhuber ist sauer und frustriert. Die meisten seiner Felder befinden sich am Ufer der Attel, umgrenzt von einer steilen Böschung. Eigentlich kein Problem, Thurnhuber kümmert sich gerne um die Böschung, sorgt dafür, dass es keine Erdrutsche gibt. Doch seit Längerem wird seine Arbeit erschwert, denn in der Attel leben Biber und die sind für Thurnhuber zu einem Problem geworden.

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„Wir sind hier schon zweimal eingebrochen“, sagt der Landwirt und zeigt auf eine Stelle einige Meter von der Böschung entfernt. Der Biber habe das Feld unterminiert, der Boden konnte den Sattelzug nicht mehr halten. Thurnhuber meldete das Problem dem Landratsamt. „Der Biberbeauftragte ist dann gekommen, hat sich das angeschaut und gesagt, dass der Biber in dem Abschnitt nichts zu suchen hat.“ Der Nager solle vertrieben, der Bach vielleicht sogar verrohrt werden. Über ein Jahr ist das nun her. „Passiert ist seitdem nichts.“

Das ärgert Thurnhuber nicht nur, er macht sich auch Sorgen. Er fürchtet, dass es auch in diesem Jahr zu einem Einbruch kommen könnte, vielleicht sogar mit schlimmeren Folgen. „Was ist, wenn wir das nächste Mal die Böschung runterfallen?“, fragt er. „Was ist, wenn uns das nächste Mal die Achse bricht und das Öl ausläuft?“

Wirtschaftlicher Schaden für Thurnhuber unwichtig

Thurnhuber geht es sowohl um sein Leben, als auch um die Umwelt, wie er sagt. Der wirtschaftliche Schaden, den er durch den Biber hat, interessiert ihn wenig. Dieser, sagt er schulterzuckend, sei ohnehin nicht hoch, schließlich verkaufe er das Holz seiner Bäume nicht. Was ihn stört, ist, dass die Arbeit, die er sich mit der Anpflanzung und der Pflege des Grüns macht, vollkommen umsonst sei. „Wir pflanzen, schauen dass alles wächst, nur damit der Biber wieder kommt und alles kaputt macht.“ Danach bekomme er ein paar Euro als Entschädigung und das Ganze gehe wieder von vorne los. „Und die Pflanzmaterialen muss ich trotzdem selber kaufen.“

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Mit Umzäunungen, wie die Untere Naturschutzbehörde es vorschlägt, arbeite er natürlich auch, doch bringen würde alles nichts. Normalerweise seien Bäume nach fünf Jahren aus dem gröbsten Raus. „Dann kommt das Wild nicht mehr ran“, erklärt er. Beim Biber sei das anders. „Da kann ich den Zaun in 100 Jahren nicht wegmachen.“ Denn nach seiner Erfahrung macht das Nagetier auch vor den größeren Pflanzen keinen Halt. Zudem verlagere eine Umzäunung das Problem nur zu den Nachbarn. „Wenn ich hier um alles einen Zaun mache, dann nagt der Biber einfach ein paar Meter weiter“, sagt Thurnhuber. Irgendwann sehe alles aus wie in einem Hochsicherheitstrakt „Und das kann doch auch nicht das Ziel sein.“

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Bäume für die Sicherheit wichtig

Dabei seien die Bäume gerade bei den Böschungen wichtig. „Das ist hier ein Schutzwald“, erklärt er, die Wurzeln der Bäume würden die Böschungen zusammenhalten. Wenn die Bäume durch das Nagen absterben würden, rutsche auch die ganze Erde ab und verdrecke die Attel. „Da wird geredet von Natur und naturbelassen, aber an so etwas denkt niemand.“

Thurnhuber ist zwar kein Freund des Bibers, trotzdem verfolgt er nicht das Ziel, den Biber komplett loszuwerden. „Nein, das will ich nicht“, sagt er. „Ich möchte eine Regulierung, wie bei Rehwild.“ In der Attel, davon ist er überzeugt, gebe es einfach zu viele Tiere, einige müssten weg oder umgesiedelt werden. „Und jetzt kommen auch noch die Jungtiere dazu.“ Es müsse eine Regelung geben, wie viele Biber an einem Ort leben dürften.

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Mindestens aber wünsche er sich, dass das Landratsamt sich mit seinem Problem befasse, denn so wie es derzeit ablaufe, könne es nicht weitergehen. „Ich darf den Biber ja nicht anfassen“, sagt er und daran halte er sich auch, aber auch die zuständigen Behörden blieben untätig. „Ich rufe da alle sechs Wochen an und melde wieder einen Schaden und nichts passiert.“ Er sei mit seinem Problem nicht allein. Auch andere Grundeigentümer seien betroffen: „Alle hier haben dasselbe Problem.“

Das sagt das Landratsamt

„Die Bibersituation in der Attel auf Höhe Rettenbach ist bekannt“, erklärt Ina Krug, Pressesprecherin des Landratsamts Rosenheim auf Anfrage. Grundsätzlich stehe aber sowohl der Biber als auch die Attel unter Naturschutz. Das bayerische Bibermanagement sehe zudem vor, dass Betroffene bei Präventionsmaßnahmen und der Schadenminimierung mithelfen.

Es sei aber auch bekannt, dass die Durchführung von vorbeugenden Maßnahmen vor Ort eine Herausforderung darstelle. „Die Situation an den Ufern der Attel ist sehr schwierig“, erklärt Krug weiter, „an der besagten steilen Uferstelle ist jede Art von Lösung mit Arbeitsaufwand verbunden, muss gewartet beziehungsweise kontrolliert werden.“

Der Biberbeauftragte habe mehrfach mit Thurnhuber und weiteren Betroffenen gesprochen und Möglichkeiten aufgezeigt. Doch Pauschallösungen gebe es nicht, auch der gewünschte Erfolg könne nicht garantiert werden. „Jedes Tier und jedes Revier sind unterschiedlich“, erklärt Krug. Die Entscheidung, welche Präventionsmaßname eingesetzt werde, liege bei den Betroffenen.

Thurnhuber habe sich für Estrichmatten entschieden, diese seien ihm auch kostenfrei zur Verfügung gestellt worden, so Krug. Pflanzmaterial könne zwar nicht gestellt werden. „Nach Einreichung eines Kostenvoranschlages können aber zumindest die Anschaffungskosten teilweise übernommen werden“, erklärt Krug. Das sei auch Thurnhuber so kommuniziert worden.

Auch zur Ufersicherheit habe es bereits Unterredungen mit fachkundigen Personen und der Gemeinde gegeben. „Uferabrisse an der Attel gehören laut Wasserwirtschaftsamt zur natürlichen Gewässerdynamik“, erklärt Krug.

Dass die Biberpopulation an der Attel noch weiter wachsen könnte, bezweifelt das Landratsamt. „Schätzungsweise wurde das Besiedelungsmaximum in diesem Gewässerabschnitt erreicht“, erklärt Krug. Denn eine Biberfamilie brauche einen Abstand von mindestens 500 Metern zu den angrenzenden Revieren. Ist das Besiedelungsmaximum annähernd erreicht, würden die zweijährigen Jungtiere nach der Vertreibung durch die Eltern kein unbesetzten Revier mehr finden und könnten sich nicht etablieren. Meist würden sie an den Folgen von Kämpfen sterben. „Die Population an der Attel befindet sich vermutlich in dieser Phase, sodass zwangsläufig weniger Jungtiere geboren werden und sie sich nach und nach auf natürliche Weise reguliert.“

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