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Mehr Räte, mehr Technik

Den Sitzungssaal einmal auf Links drehen: Stephanskirchen plant Umgestaltung

Eine Sitzordnung wie im Klassenzimmer wollen die Stephanskirchner Gemeinderäte auf Dauer nicht. Zum Einen, weil aus den letzten Reihen der Blick auf Bürgermeister Karl Mair (im Bild), Verwaltung und Leinwand weit ist, zum Anderen weil die Akustik nicht gut ist, zum Dritten, weil sie sich bei Diskussionen nicht anschauen können und zum Vierten, weil sie für Hybridsitzungen ungeeignet ist.
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Eine Sitzordnung wie im Klassenzimmer wollen die Stephanskirchner Gemeinderäte auf Dauer nicht. Zum Einen, weil aus den letzten Reihen der Blick auf Bürgermeister Karl Mair (im Bild), Verwaltung und Leinwand weit ist, zum Anderen weil die Akustik nicht gut ist, zum Dritten, weil sie sich bei Diskussionen nicht anschauen können und zum Vierten, weil sie für Hybridsitzungen ungeeignet ist.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Corona hin, Hybridsitzung her – wie vor dem Frühjahr 2020 gewohnt kann es auch nach dem Abebben der Pandemie nicht weitergehen. Der Gemeinderat Stephanskirchen diskutierte nicht über das Gesamtgesellschaftliche, sondern über sein Domizil, den rund 100 Quadratmeter großen Sitzungssaal im Rathaus.

Stephanskirchen – Der Sitzungssaal im Rathaus ist, nach nicht einmal 20 Jahren, ein Fall für eine Generalüberholung. Das stellte sich schnell heraus, als die Gemeindeverwaltung ihre Hausaufgaben machte und die Möglichkeiten für Hybridsitzungen, bei denen sich Gemeinderäte auch von zuhause aus einklinken können, überprüfte. „Wir haben festgestellt, dass wir auch gleich überlegen müssen, wie der Sitzungssaal nach Corona aussehen könnte“, so Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie) in der jüngsten Sitzung des Rates.

Vier Räte mehr sprengen das Oval

Auslöser war ein gemeinsamer Antrag von Parteifreien, Grünen und SPD, Hybridsitzungen zu ermöglichen. Auslöser für die weitergehenden Überlegungen waren aber nur zur Hälfte die technischen Anforderungen. Zur anderen Hälfte war es die Zahl der Gemeinderäte. Rund um die Jahrtausendwende, als das neue Rathaus geplant wurde, hatte Stephanskirchen rund 9600 Einwohner und damit 20 Gemeinderäte. Ab 10 000 Einwohnern sind es 24 Gemeinderäte. Für die aber war der maßgeschreinerte ovale Ratstisch nicht ausgelegt.

Neuer Gemeinderat saß noch nie an einem Tisch

Sie saßen allerdings auch nie alle um den Tisch herum, denn am 1. Mai 2020, als 24 Gemeinderäte ihr Mandat antraten, hatte die Corona-Pandemie Europa längst im Griff und die Sitzungen fanden zunächst in der neuen Schloßberger Turnhalle statt. Bei der Rückkehr in den Rathaussaal war dieser coronaconform bestuhlt wie ein Klassenzimmer und ist es immer noch.

Der Blickkontakt fehlt

Was kein Dauerzustand sein soll. Denn die Ratsmitglieder waren sich weitgehend einig, dass der Austausch untereinander auch von Sichtbeziehungen lebt. Eine Meinung, die auch Innenarchitekt Thomas Weinmann vertritt. Er stellte mehrere Varianten einer künftigen Bestuhlung vor.

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Die Erweiterung des vorhandenen Ovals war schnell vom Ratstisch, denn so würden mitten im Raum mehr als 20 Quadratmeter verschwendet.

Akustikdecke auf Längsrichtung ausgelegt

Derzeit sitzt die Verwaltung an der Schmalseite des Saales den Räten gegenüber. Den Saal auf diese Anordnung hin umzubauen wäre laut Weinmann „sehr, sehr teuer und wenig sinnvoll“. Teuer, weil Technik und Akustikdecke auf eine Sitzordnung in Längsrichtung des Saales ausgelegt sind. Wenig sinnvoll, weil bei der derzeitigen Ausrichtung keine Blickbeziehung möglich ist. „Stimmt, ich sehe Sie alle leider nur von hinten“, kommentierte die in der letzten Reihe sitzende 3. Bürgermeisterin Steffi Panhans (SPD), worauf sich einige Ratskollegen schmunzelnd und winkend zu ihr umdrehten.

Plenaraufstellung ist Favorit

Weinmann empfahl eine „Plenaraufstellung“. Das heißt, Verwaltung und Fachleute sitzen den Räten gegenüber, deren Tische sind in zwei bis drei Reihen eckig oder halbrund angeordnet. Die Tische könnten filigran sein, so Weinmann, sie werden stabil, wenn sie miteinander verbunden sind. Und er hatte noch eine Empfehlung: „Baut‘s mit Rollen.“

Wolfgang Weingart vom Büro Teleplan übernahm den technischen Part. Ende April hat das Innenministerium die lange angekündigten Vollzugshinweise für Hybridsitzungen veröffentlicht. Auf die Bildqualität wird dabei wenig Wert gelegt, eine fest installierte Kamera im Sitzungssaal würde reichen.

Tonqualität ist der Knackpunkt

Die Tonqualität ist der Knackpunkt. Denn jeder Gemeinderat und auch die Zuhörer müssen alle Redebeiträge der im Saal anwesenden und der online zugeschalteten Räte verstehen können.

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Mit einem einzelnen Mikrofon sei das nur zu machen, wenn dieses höchst sensibel ist, so Weingart. Dann höre man aber auch jedes Klicken eines Kugelschreibers, jedes Knistern eines Papier oder das Gluckern des ins Glas gegossenen Getränks überlaut.

Konferenzanlage ist gut und teuer

Die für seine Begriffe beste, wenn auch mit 800 bis 1500 Euro pro Platz – bei 30 Plätzen zwischen 24 000 und 45 000 Euro – teuerste Lösung: eine Konferenzanlage mit Einzelmikrofon und Lautsprecher auf jedem Platz plus Lautsprecher für die Zuhörer, „auch wenn da durch die zwingende Verkabelung Stolpergefahr besteht“.

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Die Konferenzanlage hat sich, so die Aussage der zuständigen Redaktionskollegen, beim ins Kuko ausgelagerten Rosenheimer Stadtrat bewährt. Jeder Redebeitrag sei für alle Anwesenden zu verstehen

Stephan Mayer, Fraktionschef der Parteifreien, wollte zwar nicht von einer zweiten Pandemie ausgehen, fand aber, die Gemeinde müsse sich auf Hybridsitzungen vorbereiten, das sei schlicht ein Zeichen der Zeit.

Hausaufgaben für die Gemeinderäte

Ein Beschluss fiel nicht. Stattdessen gab es von der Verwaltung Hausaufgaben für die Gemeinderäte: Bis es zur Abstimmung über die Einführung von Hybridsitzungen kommt, sollen die Fraktionen im Vorfeld klären,

  • ob alle Gremien auch digital stattfinden sollen;
  • ob dies auch für nichtöffentliche Sitzungen gilt;
  • ob die Zahl der Online-Teilnehmer begrenzt wird;
  • wie das Procedere ist, wenn mehr Räte digital dabei sein wollen als festgelegt;
  • bis wann die Ratsmitglieder mitteilen müssen, ob sie digital teilnehmen;
  • wie der Datenschutz gewährleistet werden kann.

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