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Maßgeschneiderte Therapien

Coronas langer Schatten: Wie die Tagesklinik am Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg bei Post-Covid hilft

Bogenschießen heißt diese einfache Übung für die Atmung, die Tagesklinikleiterin Isabella Eder (links) mit ihrer Kollegin, Assistenzärztin Dr. Julia Wildenauer, demonstriert: Der Brustkorb wird dabei aufgedehnt.
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Bogenschießen heißt diese einfache Übung für die Atmung, die Tagesklinikleiterin Isabella Eder (links) mit ihrer Kollegin, Assistenzärztin Dr. Julia Wildenauer, demonstriert: Der Brustkorb wird dabei aufgedehnt.

Sie sind jung, stehen mitten im Leben, haben Familie und Beruf bisher immer erfolgreich gestemmt – doch dann kam Corona. Seitdem wird der Alltag von bleierner Müdigkeit, Atemnot, Konzentrationsschwierigkeiten, Geruchs- und Geschmacksproblemen, Muskelschmerzen oder Lähmungen geprägt. Doch es gibt Hoffnung.

Wasserburg – Die Tagesklinik für Long- und Post-Covid-Behandlung am kbo-Inn-Salzach-Klinikum (ISK) in Wasserburg hat sich auf diese Patienten spezialisiert und entwickelt erfolgreich Therapien.

Wenn das Kochen zur Qual wird

Ramona B. hat das Coronavirus im September 2021 erwischt. Die Mutter von zwei Kindern hatte einen relativ milden Verlauf. Doch bis heute leidet sie unter einer massiven Störung ihres Geruchs- und Geschmackssinns. Eine dampfende Tasse Kaffee stinkt für sie extrem, wenn sie ein Schnitzel brät, könnte sie speien, Gemüsesorten wie Zwiebeln riechen für sie „ekelhaft“. Die Zubereitung jeder Mahlzeit für die Familie wird zur Tortur. Sogar sich selbst kann die 38-Jährige nicht mehr riechen. Sie hat stark abgenommen und ernährt sich zwangsläufig extrem einseitig. „All das ist furchtbar belastend“, sagt sie.

Das Team der Tagesklinik mit (von links) Logopädin Patricia Heckmann, Leiterin Isabella Eder, Assistenzärztin Nina Strüven, Assistenzärztin Dr. Julia Wildenauer und Krankenpflegerin Sabrina Rappold.

Doch Ramona B. hat neuen Mut geschöpft. Im Therapieraum der neuen Tagesklinik auf dem ISK-Gelände in Wasserburg erzählt sie stolz, dass heute die erste Tasse Kaffee „drinblieb im Magen“. Das hat sie der Leiterin der Tagesklinik zu verdanken: Isabella Eder hat im Kopf der Patientin eine emotionale Verknüpfung wachgerufen – mit Erinnerungen an schöne Kaffeekränzchen und ihren Duft. Doch das Team der Tagesklinik unter Leitung von Eder hat noch etwas geschafft, das nach Angaben von Ramona B. ebenso wichtig ist: „Ich fühle mich mit meinem Problem angenommen und schäme mich nicht mehr dafür“, sagt sie.

Oft mit Unverständnis konfrontiert

„Das wird schon wieder“, heißt es auch nach Erfahrung von Dr. Tobias Winkler, Chefarzt der Neurologie, in der die Long- und Post-Covid-Tagesklinik integriert worden ist, häufig, wenn Menschen noch lange nach einer überstandenen Infektion über Probleme klagen. Vor allem all jene, die nicht stationär in die Klinik mussten, also vermeintlich leichte Verläufe hatten wie Ramona B., bekommen nach einigen Wochen oft Unverständnis zu spüren. Jetzt müsse es aber auch mal wieder gut sein, werde erwartet, so Winkler.

Besonders betroffen sind nach Angaben von Eder Frauen zwischen 30 und 40, die die große Mehrzahl der Patienten in der Tagesklinik stellen. Daheim müssen sie funktionieren, schließlich sind Kinder zu versorgen, ist der Haushalt zu stemmen. Doch sie können nicht – weil sie beispielsweise unter dem Fatigue-Syndrom leiden: eine massive Erschöpfung, die bei Long- und Post-Covid oft selbst dann nicht besser wird, wenn sich Betroffene ausruhen. Ebenfalls typische Symptome: Schweratmigkeit, dauernder Husten, schmerzende Muskeln, Schwindel, Lähmungen, das Gefühl, „das Gehirn sei vernebelt“, wie es viele beschreiben. Das Gedächtnis leidet oft, die Konzentration hält nicht an. Dass sich auch Angststörungen entwickeln können, liegt auf der Hand, berichtet Winkler.

„Der Leidensdruck ist ungeheuer groß“, sagt Eder. Der erste Schritt zur Besserung ist es nach ihren Erfahrungen oft, die Erkrankung anzuerkennen. „Das neue Ich akzeptieren“, nennt sie das. Am besten funktioniere dieser Bewusstseinswandel – weg von der Konzentration auf die Schwächen hin zu den Stärken – in der Gruppe. Der Austausch mit anderen Betroffenen wirke oft Wunder, berichtet Eder. „Unsere Patienten sind mega motiviert“, sagt sie außerdem. Dankbar würden die Betroffenen die interdisziplinär abgestimmten Therapien annehmen.

Diese werden im Inn-Salzach-Klinikum individuell zugeschnitten: Wer lieber seine Kondition tanzend trainiert als auf dem Stepper, darf das. „Wir lernen von unseren Patienten und sie von uns“, sagt Eder. Chefarzt Winkler bekräftigt dies: Long- und Post-Covid sei eine ganz neue Erkrankung, bei der Behandlung und Therapie gebe es kein Schema F.

Erster Erfolg: Treppensteigen

„Das Prinzip Eder“, nennt die Tagesklinikleiterin schmunzelnd ihre Herangehensweise. Gemeinsam mit den Therapeuten wird viel mit Emotionen und Bildern gearbeitet, wenn sie Therapien für die Atmung, die Stimme oder den Geruchs- und Geschmackssinn entwickeln. Das Konzept gehe auf: Tagtäglich gebe es Erfolge – weil eine Frau wieder den sauren Geruch einer Zitrone wahrnehmen könne, eine andere die Treppen zur Station hinaufsteige statt den Aufzug zu nehmen, eine junge Mutter beim Memory-Spiel schneller vorankomme, bei einem Patienten die Atmung leichter werde. Ziel sei es, die Symptome zu lindern, eine chronische Entwicklung zu verhindern – und die Basis für eine Wiedereingliederung in den Beruf zu schaffen, so Eder und Winkler.