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Folgen der Pandemie

Corona-Krise: Immer mehr Menschen brauchen auch in Wasserburg die Tafel

Jeanette Kampshoff, eine der beiden Leiterinnen der Wasserburger Tafel, beim Sortieren.
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Jeanette Kampshoff, eine der beiden Leiterinnen der Wasserburger Tafel, beim Sortieren.

Vor der Pandemie waren es 60 bis 70 Kunden, die die Tafel Wasserburg mit Lebensmitteln versorgte. Jetzt sind es schon 100. Die Corona-Krise, in deren Verlauf auch Arbeitsplätze – etwa in der Gastronomie – verloren gingen, fordert ihren Tribut.

Wasserburg – Hinter den etwa 100 Menschen, die pro Woche Lebensmittelpakete bekommen, stehen weitaus mehr – vermutlich mindestens 200, sagen die Tafelleiterinnen Jeanette Kampshoff und Renate Steinbichler. Denn es seien auch viele Familien dabei, die auf die Dienste der Tafel angewiesen seien. Stark vertreten sind nach Angaben der Leitung außerdem Senioren mit kleinen Renten, darunter viele Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und Arbeitssuchende. Und immer mehr auch junge Leute.

Begehrt: frische Backwaren. Diakonie

Hinter jedem steht ein Schicksal

„Hinter jedem steht eine persönliche Geschichte“, sagt Kampshoff. Oft seien es schwere Schicksalsschläge, die dafür sorgen würden, dass Bürger auf die Tafel angewiesen seien: plötzliche Erkrankung oder Tod eines Familienmitgliedes, Arbeitsplatzverlust, Wohnungsnot. Zu schaffen machen allen Bürgern mit kleinem Einkommen außerdem die steigenden Lebenshaltungskosten. Die hohe Inflationsrate trifft vor allem die ohnehin schon ärmeren Menschen, so die Erfahrung der Leiterinnen.

Appell: „Traut Euch“

Sie gehen davon aus, dass noch viel mehr Bürger berechtigt sind, die Leistungen der Tafel in Anspruch zu nehmen. Doch nach wie vor sei es für viele eine große Hürde, sich zu melden. Dabei gehe es oft auch nur darum, eine Übergangszeit zu überbrücken. Es gibt laut Kampshoff beispielsweise Familien, die ein paar Jahre gekommen sind, sich dann erfolgreich aus der finanziellen Not befreit haben und die Hilfe nicht mehr in Anspruch nehmen müssen. „Traut Euch“, lautet deshalb die Botschaft der Tafel an all jene, die ebenfalls finanziell sehr zu kämpfen haben. „Es geht schließlich sehr schnell, dass man unverschuldet ganz unten anlangt“, wissen sie aus Berichten der Betroffenen.

Der Laden der Tafel in Wasserburg liegt im Burgerfeld.

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Die Wasserburger Tafel unter dem Dach der Diakonie gehört zu den Einrichtungen im Landkreis, die intensiv unterstützt werden – durch Sachspenden von Geschäften im Raum Wasserburg und Haag sowie von Unternehmen aus der Lebensmittelproduktion. Die ehrenamtlichen Helfer fahren immer montags aus, um die Ware einzusammeln, dienstags ist Ausgabetag.

Derzeit dauert es etwas länger

Derzeit dauert es etwas länger als sonst, berichten die Leiterinnen. Denn aufgrund der schwierigen pandemischen Lage arbeiten im Laden im Burgerfeld im Moment nur zwei Helferinnen gleichzeitig. Die Berechtigten müssen draußen warten. Sie bekommen Zeitkarten, damit es beim Anstehen nicht zu langen Schlangen mit Infektionsgefahren kommt.

30 Ehrenamtliche helfen mit

15 der 100 Kunden bekommen die Lebensmittel sogar nach Haus geliefert, weil sie nicht in der Lage sind, persönlich vorbeizukommen. Diesen Dienst übernehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ-ler) im Sozialamt der Stadt, freut sich Kampshoff über die Unterstützung.

Die Kunden zahlen nach ihren Angaben einen Euro pro Person, Familien höchstens vier Euro. Denn: „Was umsonst ist, ist nichts wert.“ Die Bedürftigkeit müsse nachgewiesen werden – etwa über Bescheinigungen vom Sozial- oder Jobamt. Außerdem legt die Tafelleitung Wert auf die Feststellung, dass nur „gute Sachen, die wir selber auch essen würden, verteilt werden“. Damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird, werden die Waren mit einem Kühlwagen herbeigefahren.

Auch Rentner helfen

30 Helferinnen und Helfer engagieren sich bei der Wasserburger Tafel. Viele von ihnen sind im „Unruhe-Stand“, wollen sich auch als Rentnerinnen und Rentner engagieren. In der ersten Welle, als es noch keinen Impfstoff gab, mussten einige eine Zwangspause einlegen, zu groß war die Gefahr, sich anzustecken. Die Wasserburger Fußballer und Basketballer sowie ein weiteres Team junger Leute sprangen helfend ein.

Jetzt, in der vierten Welle der Pandemie, kann der Betrieb relativ normal weitergehen – auch wenn es aufgrund der Tatsache, dass parallel nicht so viele Ehrenamtliche miteinander arbeiten können, manchmal etwas länger dauert als gewöhnlich.

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