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Zwischen Chiemsee und den Bergen offenbaren sich alte Relikte

Christoph Haenel und Irmi Ritzinger machen besondere Steinfunde in Prien

Der Stein von Prien-Herrenberg, gefunden von Christoph Haenel.
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Der Stein von Prien-Herrenberg, gefunden von Christoph Haenel.

Immer wieder finden sich zwischen dem Chiemseeufer und den Bergen besondere Steine. Zwei davon jüngst in der Marktgemeinde Prien. Einen Steinfund machte Christoph Haenel nahe einer Villa am Herrenberg und einen weiteren Irmi Ritzinger am Schöllkopf-Badeplatz.

Prien – Der Finder Haenel erläuterte auf Grundlage der eingeholten Expertise des Indologen Wilfried Huchzermeyer aus Karlsruhe, dass die Schrift auf dem Stein nahe einer Villa am Herrenberg Zeichen aus der „Devanagari“-Schrift seien. In dieser werden sowohl das altindische „Sanskrit“ als auch moderne indische Sprachen wie Hindi geschrieben. Ein besonderes Merkmal sei der horizontale Balken, der über den meisten Zeichen erscheint.

Die Schrift verläuft normalerweise horizontal von links nach rechts, aber in diesem Fall sind die Zeichen vertikal untereinander angeordnet. Sie sind nicht leicht zu entschlüsseln, aber der Indologe Huchzermeyer hat alle Zeichen identifiziert.

Silben ergeben vermutlich ein Mantra

Es handelt sich jeweils um einzelne Silbenzeichen, keine Wörter. Weder für sich noch als Ganzes gelesen ergeben sie eine Botschaft. Die Zeichen werden also symbolisch eingesetzt mit Bedeutungen, die sich nur Eingeweihten erschließen.

Der Stein am Herrenberg enthält wahrscheinlich ein besonderes und uraltes Element des Hinduismus, ein Mantra. Mantras sind mythische Laute, Gebete ohne Worte, geeignet zur Immer-Wiederholung des Gläubigen.

Kenntnisse der „Devanagari“-Schrift waren laut Huchzermeyer stets nur einem kleinen Kreis von Fachgelehrten und deren Studenten vorbehalten. Weitere Deutungen will er nicht geben, insbesondere nicht zur verwitterten Rosette.

Sein Fazit: „Der Stein am Herrenberg lädt zum Verweilen und zum Blick ins Innere ein – und zu einer Meditation über die klangvolle, uralte Sanskrit-Sprache, die demselben indoeuropäischen Zweig angehört wie unsere deutsche Sprache.“

Grenzstein stammt aus 1677

Auch Ritzinger aus Prien-Bachham hat einen besonderen Stein gefunden. Dieser zeigt die Jahreszahl 1677 und zwei Buchstaben. Die Finderin ist der Ansicht, dass die eingeritzten Buchstaben an ein Marienmonogramm erinnern.

Den Stein vom Schöllkopf in Prien mit der Jahreszahl 1677, entdeckte Irmi Ritzinger. Hötzelsperger

Eine klare Deutung kann Kreisheimatpfleger Karl J. Aß geben. „Der Schöllkopfstein ist ein Grenzstein zwischen der Herrschaft Aschau (A) und der Hofmark (Herren)Chiemsee (C) von 1677, weitere Grenzsteine im Chiemgau sind aus dieser Zeit noch bekannt“, erklärt er.

Bernauer Heimatbuch bestätigt Vermutung

Diese Aussage entspricht auch den Ausführungen im Bernauer Heimatbuch. Dort hat Joseph Aiblinger in einem Artikel über Denkmäler und Grenzsteine Folgendes festgehalten: „Am 22. Juni 1677 wurde vor dem kurfürstlichen Landgericht Burghausen ein Prozess zwischen dem Grafen Johann Maximilian II. von Preysing auf Hohenaschau und dem Fischermeister vom Chiemsee abgeschlossen, der die Gerichtsgrenze für den Irschner Winkel endgültig festlegt: vom Schöllkopf aus in gerader Linie über den See nach Felden zur Grenzsäule.

Um diese Grenze auch ‚für ewige Zeiten‘ und für jedermann sichtbar zu machen, wurde am Schöllkopf eine steinerne Grenzsäule aufgestellt (heute noch am alten Platz). Die Säule ist dreieckig und weist auf den Seiten je nach Richtung die Buchstaben ‚W‘ für Wildenwart, ‚C‘ für Frauen-Chiemsee sowie ‚A‘ für Aschau auf. Unter allen Buchstaben ist die Jahreszahl 1677 eingehauen. Diese Säule ist in einen breiten Grundstein eingelassen.

Vier weitere große achteckige Steine von je 80 mal 80 Zentimeter wurden in den See entlang der Grenzlinie versenkt. Durch die Absenkungen des Chiemsees im 20. Jahrhundert sind drei dieser Grenzsteine heute sichtbar.“

Weitere Informationen gibt es unter www.prien.de und www.bernau-am-chiemsee.de.