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Natur hautnah erleben

Ab in die Wildnis, Kinder! Zwei Chiemgauer Wildnispädagoginnen wollen Kindern die Natur näher bringen

Mütter spazieren mit ihren Kindern in Hessen. Die CSU fordert eine Ausweitung der Mütterrente. Foto: Uwe Zucchi
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Gerade in diesen Zeiten brauchen Kinder und Jugendliche den Kontakt zur Natur mehr denn je. Wildnispädagogik kann eine Brücke schlagen.

Zwei Wildnispädagoginnen, ein Ziel – jungen Menschen die Natur nahe bringen. Martina Bachhuber aus Bernau und Carmen Dettendorfer aus Eggstätt locken die Kleinen und die schon etwas Größeren raus in den Wald. Dabei gibt es immer was zu entdecken! Auch sich selbst.

Bernau – Kinder gehören raus in die Natur – spätestens seit den Beschränkungen durch Corona wird Eltern dies einmal mehr bewusst. Doch nicht jedes Kind ist leicht zu motivieren, wenn es heißt: „Ab an die frische Luft!“ Mancher Familie fehlt auch ein eigener Garten. Oder man hat selbst den Bezug zu Bäumen, Wind und Wetter verloren. Wildnispädagogik versucht, hier eine Brücke zu schlagen. Vereinfacht gesagt, geht es ihr darum, den Kontakt zur ursprünglichen Natur wieder herzustellen.

Martina Bachhuber aus Bernau ist ausgebildete Wildnispädagogin und „entführt“ regelmäßig Menschen, die Ruhe und Entschleunigung suchen, in die Natur. Heuer will die 46-Jährige erstmals in den Sommerferien zwei Wildniscamps für Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren in Weisham anbieten: „In den vergangenen Monaten hat man einfach sehr stark gespürt, wir haben nicht mehr alle Freiheiten, aber raus gehen, das kann man immer“, erzählt sie. „Die Natur ist ein Kraftraum, das spüren auch schon Kinder.“

Wildnispädagogin Martina Bachhuber aus Bernau.

Ein Camp in der Weishamer Wildnis

Sie will Bachhuber ganz nah ran führen an Wälder und Wiesen, an Bäche und Blumen: Seile aus Brennnesseln machen, Kräuter fürs Essen suchen, Lagerfeuer entzünden, Verstecken im Wald spielen, Schnitzen, Heilsalbe herstellen, draußen übernachten, Fledermäuse beobachten – die Liste der Dinge, für die sie Kinder begeistern möchte, ließe sich noch lange fortsetzen.

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Das Lernen dabei gehe ganz ohne Schul-Atmosphäre. Dabei ist sie selbst in eine Wildnisschule gegangen, um professionell zu lernen, was sie heute tut. In den 2000er Jahren entstanden nach amerikanischem Vorbild die ersten Wildnisschulen in Deutschland, die entsprechende Ausbildungen anbieten.

Heute hat sich als ihr Verband das W.I.N.D. etabliert, das Wildnisschulen Netzwerk Deutschland. Und Wildis, ist man sich einig, boomt. Die gute Nachricht: Selbst stubenhockende, tik-tokende Teenager, meint Martina Bachhuber, können wieder nach draußen gelockt werden.

Irgendwann folgte ihr der Sohn

Während der Zeit des Homeschoolings hat sie ihren 16-jährigen Sohn zu täglichen Spaziergängen ermuntert – wenn auch anfangs hartnäckig: „Als wir einen Dachsschädel gefunden haben, war der Zauber plötzlich da.“ Holz sammeln, eine Laubhütte bauen, auf Spurensuche gehen: Kleine Freuden, die Depressionen in jungen Jahren vorzubeugen helfen, wie die gelernte Kinderkrankenschwester weiß, die hauptberuflich mit psychosomatisch Erkrankten arbeitet.

Dass man Kindern keinen Druck machen sollte, vor allem, wenn es auf die Pubertät zugeht, davon ist auch die Eggstätterin Carmen Dettendorfer überzeugt: „Auch bei uns gab es eine kleine Rebellion. Ich bin dann einfach alleine losgezogen, und irgendwann ist mir mein älterer Sohn neugierig gefolgt.“

Carmen Dettendorfer ist selbst gern im Wald.

In die Natur mit Oma und Opa

Heute habe er ein eigenes Lager im Wald, in das er sich zurückziehen kann und zeige seinem jüngeren Bruder, was man draußen so alles machen kann. Auch sie hat sich vor Jahren zur Wildnispädagogin ausbilden lassen und zunächst „Waldläuferbanden“ betreut. Dahinter steckt ein Programm, entwickelt von Wildnisschulen, welches Kinder auf ihrem Weg zu einer tieferen Naturverbindung begleitet. „Irgendwann gab es überall solche Gruppen.

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Ich spürte, es gibt noch anderswo einen Bedarf“, erzählt die 48-jährige Mutter zweier Söhne, neun und 13. Sie fand ihre Nische in der Naturbegleitung von Großeltern mit ihren Enkeln: „Bei indigenen Völkern, die ja meist sehr naturverbunden leben, gelten die Älteren als die Weisen“, führt Dettendorfer ihren Ansatz aus, „zusammen mit den Kindern schließt sich so der Kreis des Lebensrads.“

Großeltern entdecken neuen Selbstwert

Die erfahrenen Großeltern begleiten unter Dettendorfers zurückhaltender Anleitung ihre Enkel in der Natur, beide zeigen sich zum Beispiel gegenseitig ihre Lieblingsplätze oder lassen sich von Dettendorfer zu einem schönen Ort bringen – „auf einmal sprudeln Geschichten, Erinnerungen, Erfahrungen“, erzählt sie.

Das stärkt nicht nur das Band zwischen Opa, Oma und dem Enkel, sondern auch das Immunsystem. Bei den Großeltern erlebe sie zudem oft, wie diese plötzlich wieder Selbstwert erleben: „Heute können und haben junge Menschen oft schon alles. Die Älteren fragen sich, was kann ich überhaupt noch geben? In der Natur merken sie oft, ja, da gibt es noch vieles.“

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