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Aktionstag in Bernau – weitere könnten folgen

Pflicht-Umtausch des Führerscheins: Wenn das Landratsamt Rosenheim zu den Bürgern kommt

Ein Mann hält vor dem Rathaus in Bernau am Chiemsee einen grauen Führerschein hoch
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Schon bald ist wieder Stichtag: Wer noch einen grauen Führerschein hat und zu einer bestimmten Altersgruppe gehört, muss einen neuen beantragen.

Der graue „Lappen“ muss weg, aber viele Führerscheinbesitzer warten mit dem Pflichtumtausch beim Landratsamt Rosenheim bis zum letzten Tag. Wie das Amt die jetzt bevorstehenden „Wellen“ an Neuanträgen brechen will.

Bernau – Inge und Rainer Brendel haben einen der begehrten Termine erwischt. Sie sind beide 60 Jahre alt und fallen damit in die Gruppe jener, die bis zum 19. Januar 2023 ihren alten gegen einen neuen Führerschein austauschen müssen (Jahrgänge 1959 bis 1964). Dass sie dafür nicht ins Landratsamt Rosenheim fahren müssen, ist einem Aktionstag zu verdanken, der am Dienstag, den 6. Dezember, stattfindet.

Diesen hat die Behörde in insgesamt vier Pilotgemeinden veranstaltet. Bernau ist die vierte und momentan letzte. Ob solche Tage auch in weiteren Kommunen stattfinden werden, will man im Amt im Dezember, spätestens Januar entscheiden.

„Der alte Schein darf jetzt weg“

„Was gibt es Besseres? In allen Gemeinden sollten solche Tage angeboten werden!“, zeigt sich Inge Brendel von der Aktion überzeugt. Das Bernauer Ehepaar kommt gerade aus dem Rathaus und ist bester Laune. „So ein guter Service. Die Mitarbeiter vom Amt machen das toll“, sagt Inge Brendel. Nur 15 Minuten hätten sie und ihr Mann miteinander gebraucht, „und das auch nur, weil wir uns unterhalten haben“, sagt Rainer Brendel. Seinen 1980 ausgestellten grauen Führerschein werde er nicht vermissen. Auch seine Ehefrau meint: „Ich habe den Schein 1979 gemacht. Der alte darf jetzt ruhig weg. So ein neuer Scheckkarten-Führerschein ist doch prima.“

Praktisch findet das kleine Format auch eine Bernauerin, die ebenfalls froh ist, einen der rund 50 heutigen Umtauschtermine bekommen zu haben. „Sonst hätte ich extra nach Rosenheim fahren müssen. So konnte ich ganz einfach zum Rathaus radeln“, sagt sie, nachdem sie ihr Fahrrad abgesperrt hat und ins Gebäude geht. Im Amtszimmer knallen derweil die Stempel. „Eine Unterschrift bitte mittig hier unten hinein“, sagt Andrea Groeger zum Kunden, der das nächste Zehn-Minuten-Zeitfenster gebucht hat. Der Herr um die 60 arbeitet sogar in Rosenheim. „Aber hier in Bernau passt der Tausch für mich viel besser“, zeigt sich auch er zufrieden mit dem Aktionstag.

Hat alle Hände voll zu tun: Andrea Groeger vom Landratsamt Rosenheim beim Führerschein-Pflichtumtausch in der Pilotgemeinde Bernau am Chiemsee.

Neu: Führerschein nur noch 15 Jahre gültig

Dass durch den Pflichtumtausch jeder Führerschein nur noch 15 Jahre gültig ist, bekümmert das Bernauer Paar Brendel nicht. „Ab einem gewissen Alter darf man ruhig prüfen, ob die Leute noch fit zum Autofahren sind“, sagt Rainer Brendel. Die Bernauerin mit dem Fahrrad ist überrascht. Von einer Befristung hat sie noch nichts gewusst. Was Andrea Groeger und der ebenfalls anwesende Gruppenleiter der Führerscheinstelle, Bianco Domprobst wissen, ist: Der Aktionstag war in allen vier Pilotgemeinden sofort ausgebucht.

Vielen ist der Weg nach Rosenheim zu weit

„Möglicherweise ist vielen Bürgerinnen und Bürger der Weg nach Rosenheim einfach zu weit. Viele warten bis zum letzten Tag, um ihren Führerschein umzutauschen“, heißt es auf OVB-Anfrage aus dem Landratsamt. Dies verursache wie schon geschehen ein hohes Antragsaufkommen innerhalb kurzer Zeit. Aus diesem Grund habe man mit Unterstützung von Landrat Otto Lederer (CSU) das Projekt „Mobiles Verkehrszentrum“ entwickelt. „19 Gemeinden hatten näheres Interesse an der Testphase“, fügt Bianco Domprobst hinzu.

Bernau, Tuntenhausen, Eiselfing und Kiefersfelden seien ausgewählt worden, weil sie relativ weit von Rosenheim entfernt liegen und alle Himmelsrichtungen abdecken, sagt Domprobst. Nur rund 8000 Personen haben von Januar bis November ihren Führerschein umgetauscht – um zigtausende weniger als müssten. „Eigentlich sollten schon ganz viele Leute ihren Schein getauscht haben. Vor und nach Weihnachten, also kurz vorm nächsten Stichtag, werden sich wieder viele ärgern, warum sie keinen Termin bekommen“, beschreibt er, was sich im Landratsamt schon abgespielt hat.

„Wir schieben immer wieder Wellen vor uns her, und die wollen wir brechen“, bringt Domprobst das Ziel des Projekts auf den Punkt. Es sind seine Teammitglieder, die den Ärger der Führerscheinbesitzer abbekommen. Dabei seien gerade sie hochmotiviert, betont der Gruppenleiter: „Sonst könnten wir solche Aktionstage gar nicht bewerkstelligen“, meint er. Bernauer wie Inge und Rainer Brendel bestätigen die Kundenfreundlichkeit. Möglicherweise bekommen bald auch die Bewohner weiterer der 46 Gemeinden im Landkreis die Möglichkeit, sich den Weg zum Umtausch des grauen „Lappen“ ins Landratsamt zu ersparen.

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