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Pollen, Hausstaub oder Glutenunverträglichkeit

So haben sich Bad Aiblinger Betriebe auf Allergiker und ihre Bedürfnisse eingestellt

Mit allergikerfreundlichen Produkten präsentiert sich Jost Deitmar, Inhaber des Hotels Lindner.
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Mit allergikerfreundlichen Produkten präsentiert sich Jost Deitmar, Inhaber des Hotels Lindner.

Allergiker sind in Bad Aibling gut aufgehoben, die Stadt trägt seit 2017 das Siegel des Bayerischen Heilbäder-Verbands: „Für Allergiker qualitätsgeprüfter Kurort“.

Bad Aibling - Die Augen jucken und tränen, die Nase läuft, das Atmen fällt schwer und die Haut rötet sich – Allergiker müssen einiges mitmachen. Im schlimmsten Fall kann eine allergische Reaktion einen lebensbedrohlichen Schock mit Blutdruckabfall, Atem- und Kreislaufstillstand auslösen. Ob stark oder schwach, eine Allergie erschwert Betroffenen den Alltag.

Über 20 zertifizierte Partner

„Allergien nehmen mehr und mehr zu“, weiß Bad Aibling Kurdirektor Thomas Jahn. Ein Drittel der Deutschen habe Allergien oder Unverträglichkeiten. Um Gästen und Einheimischen in Bad Aibling eine beschwerdefreie Zeit zu ermöglichen, haben sich Betriebe auf Allergiker eingestellt. Mittlerweile hat die Stadt mehr als 20 Partner, die für ihre Allergikerfreundlichkeit ausgezeichnet wurden, darunter Hotels, Ferienwohnungen, Restaurants und Lebensmittelmärkte.

Wettbewerbsvorteil für Hotels und Pensionen

Das Romantik-Hotel Lindner gehört dazu. Auf Anfrage werden Zimmer für Allergiker aufbereitet. Die Matratze wird mit einem speziellen Schonbezug und Betten mit allergikerfreundlicher Bettwäsche bezogen, die zuvor mit einem besonderen Waschmittel gereinigt wurden. Seife, Duschgel und Shampoo werden ausgetauscht, in duftfreie Körperpflegeprodukte für sensible Haut.

Den Mehraufwand sieht Inhaber Jost Deitmar als unproblematisch: „Ich glaube, man muss sein Produkt dem Zeitgeist anpassen.“ Die Nachfrage sei da, weshalb er in dem Angebot für Allergiker einen Wettbewerbsvorteil sieht, nicht alle Hotels seien darauf eingestellt.

Ein langer Kriterienkatalog

Denn allergikerfreundliche Hotels müssen viele Kriterien erfüllen: Die Zimmer müssen rauch- und haustierfrei sein, frei von Topfpflanzen in Erde und pollentragenden Pflanzen, Fußböden mit kurzflorigen oder ohne Teppichboden haben, die mindestens alle zwei Tage geputzt werden müssen. Für die Reinigung müssen spezielle Putz- oder Waschmittel verwendet werden.

Betriebe werden stichprobenartig geprüft

Lebensmittelmärkte mit dem Siegel müssen Nahrungsmittelalternativen bieten oder auf Anfrage besorgen, über Inhaltsstoffe informieren, auf Lagerung und Verkauf achten sowie geschultes Personal vorweisen. Das Siegel gilt für drei Jahre, dann erfolgt eine erneute Prüfung. Doch auch jährlich werden die teilnehmenden Betriebe stichprobenartig geprüft. „Da muss unvorbereitet alles sitzen und passen“, sagt Kurdirektor Jahn über die Spontanbesuche der Prüfer.

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In zertifizierten Restaurants muss es einen haustierfreien Bereich geben. Zudem muss auf den Einkauf, Lagerung und Zubereitung von Speisen geachtet werden. Arbeitsflächen und Equipment werden speziell gereinigt. „Man muss höllisch aufpassen, auch bei der Zubereitung“, weiß Deitmar. Alle Produkte seien in der Karte des hoteleigenen Restaurants genau ausgeschildert. Wenn ein Gast nur spezielle Speisen essen kann, kaufen die Köche auch spontan ein. Brot, Zwieback und Nudeln ohne Gluten werden auf Vorrat gelagert.

Eine Lüftungsanlage gegen Pollen- und Hausstauballergie

„Gluten ist das Hauptthema“, sagt Robert Hangl, Inhaber des Café und Restaurants Grassinger. Manche Gäste mit Zöliakie – eine durch Glutenunverträglichkeit ausgelöste Autoimmunerkrankung – wollten sogar ihre eigenen Brötchen mitnehmen, er habe diese aber vorrätig. Nicht nur in Sachen Lebensmittel wird auf Allergiker geachtet.

Gegen Pollen und Hausstaub: Robert Hangl zeigt auf die Lüftungsanlage im Café Grassinger.

Im Grassinger gibt es eine spezielle Lüftungsanlage, um den Besuch für Hausstaub- und Pollenallergiker zu ermöglichen. Die Anlage bläst Frischluft über den Boden ein, die neue Luft steigt auf und wird mit einer Anlage an der Decke wieder abgesaugt. „Die Luft ist immer frisch und wird nicht verwirbelt“, sagt Hangl. Auch in der Pandemie sei das optimal.

Stammgäste kommen immer wieder

Eine spezielle Lüftungsanlage hat auch Astrid Heller in ihren Ferienwohnungen am Kurpark, mit extra Pollenfilter. „Ohne das Fenster zu öffnen, haben die Gäste so immer frische Luft“, sagt die Vermieterin. Sie muss ähnliche Auflagen wie die zertifizierten Hotels und Pensionen erfüllen. In Ferienwohnungen und -häusern muss außerdem ein Staubsauger mit speziellem Hygienefilter vorhanden sein.

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Ein größerer Aufwand seien die Auflagen nicht. „Wir hatten von Anfang an viele Allergiker, auch ohne das Siegel“, sagt Heller. Die Zertifizierung habe sich dann einfach ergeben. Bei den Besuchern kommt das gut an, jedes Jahr kommen Stammgäste mit Allergien. „Sie haben bei uns keine Beschwerden“, meint die Vermieterin. Heller freut sich über die „super“ Rückmeldung der Gäste, so habe sie das Gefühl, etwas richtig gemacht zu haben.

Der Umsatz steigt indirekt

Auch in den anderen Betrieben ist das Feedback durchweg positiv. „Das treibt manchen Gästen Tränen in die Augen“, erzählt Hotelinhaber Deitmar. Für ihn sei es selbstverständlich, Allergikern ein gutes Erlebnis zu ermöglichen, da sie bereits auf so vieles verzichten müssten. „Man sollte dafür aufgeschlossen sein“, sagt auch Gastronom Hangl.

Nicht nur der Allergiker wegen, auch für die zertifizierten Betriebe sei das Siegel eine gute Sache. Dadurch steigere der Inhaber seinen Umsatz indirekt, denn die Allergiker würden bestimmen, wo die ganze Familie zum Essen geht.

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