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Investieren zu Pandemiezeiten

3D-Spezialist Jell aus Bernau wirft mit Übernahme den Innovationsmotor an

Plastikmüll im Meer: Die EU will mit einer Strategie dagegen angehen und setzt unter anderem große Hoffnungen in Kunststoff-Recycling und Biokunststoffe. Das Unternehmen Jell aus Bernau will mit eigenen Innovationen seinen Beitrag dazu leisten.
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Plastikmüll im Meer: Die EU will mit einer Strategie dagegen angehen und setzt unter anderem große Hoffnungen in Kunststoff-Recycling und Biokunststoffe. Das Unternehmen Jell aus Bernau will mit eigenen Innovationen seinen Beitrag dazu leisten.

Obwohl die Wirtschaft gerade schwierige Zeiten durchmacht und die wenigsten Unternehmen sich an große Investitionen wagen, hat die Jell GmbH aus Bernau genau das gemacht: Sie hat Mitarbeiter, Kunden und Know-how der Wenzel GmbH aus Waldkraiburg übernommen. Mit den Spritzguss-Profis soll vor allem die zukunftsträchtige Biokunstoff-Sparte ausgebaut werden.

Bernau/Grassau – Investieren, und das zu Corona-Zeiten? Und dann noch in einem innovativen Umfeld, dessen Markt erst noch wachsen muss? Noch vor einem halben Jahr gaben 45 Prozent der deutschen Firmen an, wegen der Pandemie weniger Geld ausgeben zu wollen. Hervor ging dies aus einer Umfrage der Europäischen Investitionsbank (EIB) unter 13 300 europäischen Unternehmen.

Die Geschäftsführung der Jell GmbH & Co. KG aus Bernau zeigte sich dagegen mutig und hat sich jüngst zur Übernahme der Waldkraiburger Wenzel GmbH, das ein Spezialist für Spritzguss und Bedruckung, entschlossen. Dies geschah im Rahmen eines Asset Deals, bei dem Kunden, Personal und Firmeninventar übernommen wurden – für eine sechsstellige Summe.

3D-Druck-Sparte stärken und ausbauen

Das Bernauer Unternehmen Jell ist spezialisiert auf den Druck von Bauteilen und Prototypen aus Metall im 3D-Verfahren. Die Konstruktion von Spritzgussformen sowie die Entwicklung von Baugruppen und Geräten gehörte schon vor der Übernahme zum Portfolio. Jetzt, nachdem das Familienunternehmen durch das Know-how aus Waldkraiburg erweitert wurde, präsentiert sich Jell als Komplettanbieter am Markt.

„Wir haben schon länger überlegt, wie wir die Firma weiter entwickeln können“, erzählt Geschäftsführer Gregor Jell im Gespräch mit unserer Zeitung. Einen Anstoß für die Expansion hätten wichtige Kunden gegeben, Bosch und Siemens, deren Kaffeemaschinensparte Jell betreut: Im Raum stand, künftig selbst Teile für Prototypen oder Kleinserien zu fertigen, nachdem der Markt Lösungen für die Serienfertigung aus einer Hand wünscht.

„Wir entschieden uns dafür, die ganze Prozesskette anzubieten, nur für die Kunststoffserienproduktion konnten wir das vor der Übernahme noch nicht“, sagt Jell. Nun können die Bernauer ihre 3D-Druck-Sparte mit Aufträgen für Spritzguss stärken und dafür die Werkzeuge im eigenen Haus bauen.

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Schon länger beschäftigt man sich bei Jell zudem mit Biokunststoffen und mit Nachhaltigkeit: „Die nächste Herausforderung ist, wie wir das im Bereich Spritzguss als weiteres Standbein etablieren können.“

Spritzgussmaschinen von Jell in der neu angemieteten Halle in Grassau.

Der Bereich gilt als hoch innovativ. Noch sind es wenige Unternehmen europaweit, wenn nicht sogar weltweit, die sich mit Biokunststoffen ernsthaft auseinandersetzen. Hier ergeben sich für Jell durch die Übernahme von Wenzel ganz neue Möglichkeiten: Das Unternehmen produzierte Werbemittel, üblicherweise aus Kunststoff, woraus sich ein neues Handlungsfeld für die Bio-Varianten ergibt. Das könnte auch den 3D-Bereich weiter beleben, der zuletzt in der Pandemie Umsatzeinbußen wegstecken musste, ist Gregor Jells Überlegung.

Zehn Prozent Wachstum im ersten Jahr

Aus dem alten Waldkraiburger Standort sind die ehemaligen Wenzel-Mitarbeiter schon ausgezogen. Die Spritzguss-Abteilung ist nach Grassau gewandert, wo man Räume auf 500 Quadratmetern im Ex-Katek-Gebäude bezogen hat. Jenes hat mittlerweile die Gemeinde Grassau erworben und vermietet Flächen. Das einstige zweite Wenzel-Standbein, die Bedruckung von Kunststoffteilen, bleibt in Waldkraiburg. Langjährige Kunden sind unter anderem der FC Bayern München und die Lufthansa. Mit den übernommenen sieben Mitarbeitern ist das Jell-Team jetzt 35-köpfig. Zentraler Standort soll Bernau bleiben.

Bei Jell verspricht man sich alles in allem ein Wachstum von zehn Prozent im ersten Jahr, inklusive Biokunststoffbereich. Gerüstet für die Zukunft ist man nun auf jeden Fall, wie Jell schildert: „Die EU-Gesetzgebung gibt vor, dass bis 2030 Werbeprodukte nachhaltig beziehungsweise recycelfähig sein müssen. Die Branche muss umrüsten.“

Überzeugungsarbeit in diversen Branchen

Dass 3D-Druck dabei eine wesentliche Rolle spielen kann, davon ist die Europäische Kommission in ihrer „Strategie für Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft“ überzeugt, welche 2018 ausgearbeitet wurde. Darin halten die Autoren auch fest, dass weltweit jährlich fünf bis 13 Millionen Tonnen Kunststoffe im Meer landen; in der EU jährlich bis zu 500 000 Tonnen. Um dem Plastikmüllproblem Herr zu werden, setzt man unter anderem große Hoffnung auf Biokunststoffe, heißt es. Auf seiner Website informiert das EU-Parlament über das Thema.

Gute Chancen also für Unternehmen wie Jell. Die Bernauer haben neue Produkte und Projekte in Planung, arbeiten dafür etwa mit einem Berliner Startup zusammen. Mit zwei bekannten Kosmetikfirmen befindet man sich derzeit in intensiven Gesprächen über Verpackungen aus Biokunststoff. „Vielen ist nicht bewusst, wie vielfältig die Möglichkeiten auf dem Gebiet sind. Wir wollen zu den Pionieren gehören“, sagt Gregor Jell.

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